Die Wirtschaft der Euro-Zone trotzt der Brexit-Unsicherheit und den Handelskonflikten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zwischen Juli und September um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu und konnte damit überraschend sein Tempo halten, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte. Ökonomen hatten nur mit 0,1 Prozent gerechnet.

Zu Jahresbeginn war die Euro-Wirtschaft noch um 0,4 Prozent gewachsen, im zweiten Quartal um 0,2 Prozent. Für eine positive Überraschung und Impulse sorgten Frankreich, Italien und Spanien.

«Keine nachhaltige Wende zum Besseren»

Experten sehen die Währungsunion aber weiter vor Problemen. «Ein Ende der Konjunkturschwäche ist vorerst nicht in Sicht», sagt etwa Christoph Weil von der Commerzbank.

Auch KfW-Ökonomin Stephanie Schoenwald rechnet mit einer anhaltenden Durststrecke.  «Die Tristesse in der Industrie hat zuletzt auch auf den lange Zeit robusten Dienstleitungssektor übergegriffen.» Der Aufschub beim Streit um den britischen EU-Austritt und die vorsichtige Annäherung im Handelskonflikt zwischen den USA und China seien nur eine Atempause, «aber keine nachhaltige Wende zum Besseren».

Deutschland als Bremse

Eine Bremse im Währungsraum ist dessen grösste Volkswirtschaft Deutschland. Die Ökonomen und Regierungsberater vom Berliner DIW-Institut erwarten, dass die deutsche Wirtschaft im abgelaufenen Sommerquartal um 0,2 Prozent geschrumpft ist.

Auch BayerLB-Experte Stefan Kipar geht nach den Zahlen zur Euro-Zone davon aus, dass es in Deutschland ein leichtes Minus beim BIP gab. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Daten erst Mitte November. Im Frühjahr war die Wirtschaft bereits um 0,1 Prozent geschrumpft.

Frankreich und Spanien

Für gute Nachrichten sorgte das Euro-Zonen-Schwergewicht Frankreich. Hier legte die Wirtschaft dank guter Inlandsnachfrage überraschend stark um 0,3 Prozent zu. Spanien als Nummer 4 im Euro-Raum konnte sein Wachstumstempo von 0,4 Prozent halten.

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Beide Länder seien stärker auf die Binnenwirtschaft orientiert und könnten die globale Krise besser wegstecken als Deutschland, sagte Kipar. Derweil kam Italien zwar auch im Sommer kaum vom Fleck und «nur» um 0,1 Prozent zu. Ökonomen hatten aber gar keinen Zuwachs befürchtet.

Tiefe Arbeitslosigkeit

Auf dem Jobmarkt schlägt sich die Konjunkturschwäche bisher kaum nieder. Die Arbeitslosenquote im Euro-Raum verharrte im September bei 7,5 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2008. Rund 12,3 Millionen Menschen waren laut Eurostat als arbeitslos gemeldet - 33.000 mehr als im August, aber 738.000 weniger als vor einem Jahr.

Unverändert blieb die Rangfolge unter den EU-Staaten: In Tschechien lag die Quote mit 2,1 Prozent am niedrigsten, gefolgt von Deutschland mit 3,1 Prozent. Die höchsten Werte gab es wie seit langem in Griechenland mit 16,9 Prozent (im Juli) und in Spanien mit 14,2 Prozent.

(reuters/gku)