Die Londoner Handelsabteilung der Citigroup war an einem Flash Crash beteiligt, der am Montag Aktien in ganz Europa abstürzen liess. Der Vorfall hat den jahrelangen Bemühungen der Bank um bessere Kontrollen einen erneuten Rückschlag versetzt.

Ein Händler der US-Firma machte einen Fehler bei der «Eingabe einer Transaktion», wie die Citigroup am Montagabend mitteilte. Der «Fehler» führte zu einem ruckartigen Ausverkauf schwedischer Aktien innerhalb von fünf Minuten und zog die Börsen von Paris bis Warschau in Mitleidenschaft. Der Crash vernichtete 300 Milliarden Euro (309 Milliarden Franken). Die Börsen erholten sich innert kurzer Zeit wieder davon.

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Die Bank erklärte, sie habe den Fehler «innerhalb von Minuten» erkannt und korrigiert.

Schaden für Image der Citigroup

Der Vorfall belastet Ruf der Bank. Er folgt auf ein Irrtum von vor zwei Jahren, als ein Mitarbeiter fälschlicherweise fast 1 Milliarde Dollar an die Gläubiger des Lippenstiftherstellers Revlon überwies. Der Fehler führte zu langwierigen und peinlichen öffentlichen Gerichtsverfahren zur Rückforderung der Gelder.

Die Citigroup befindet sich in Gesprächen mit Aufsichtsbehörden und Börsen über den Vorfall vom Montag, so eine mit der Angelegenheit vertraute Person zu «Bloomberg».

Ein Sprecher der Stockholmer Börse Nasdaq erklärte, der kurzzeitige Einbruch sei nicht auf eine technische Panne zurückzuführen. 

Nasdaq storniert keine Geschäfte

«Unsere erste Priorität war es, technische Probleme in unseren Systemen auszuschliessen, und unsere zweite Priorität war es, einen externen Angriff auf unsere Systeme auszuschliessen», sagte David Augustsson, Sprecher von Nasdaq Stockholm. «Es ist für uns ganz klar, dass die Ursache für diese Marktbewegung eine sehr umfangreiche Transaktion eines Marktteilnehmers ist.»

Der OMX Stockholm 30 Index schloss um 1,9 Prozent niedriger, was in etwa dem Rückgang der europäischen Märkte entsprach. Innerhalb von nur fünf Minuten war er um bis zu 8 Prozent eingebrochen, bevor er kurz darauf den grössten Teil der Verluste wieder aufholte.

Der Fehler könnte der Citigroup auch einen monetären Schaden zufügen, da die Nasdaq erklärte, sie werde keine auf den nordischen Märkten getätigten Geschäfte stornieren. Joakim Bornold, Sparökonom bei Soderberg & Partners, sagte, dass die Aktienmärkte trotz Sicherheitsvorkehrungen sehr empfindlich auf fehlerhafte Geschäfte reagieren können. (bloomberg/ise)

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