Gleichzeitig hielt sich die Fed die Tür für neue Nothilfen in der Coronavirus-Pandemie offen. Fed-Chef Jerome Powell sagte, die Währungshüter hätten auf der Sitzung ihr milliardenschweres Anleiheprogramm analysiert und breit darüber diskutiert.

Sie seien entschlossen, falls nötig mit «kraftvollen Instrumenten» wie diesen die von der Krise hart getroffene Wirtschaft noch stärker zu stützen. Dauer, Umfang und Zusammensetzung des Kaufprogramms könne bei Bedarf angepasst werden. An den Finanzmärkten war nicht mit einer Kursänderung gerechnet worden.

Mahnung an die Politik

Bei einer Pressekonferenz sagte Fed-Chef Powell weiter, dass sich die Erholung der Wirtschaft und des Arbeitsmarkts zuletzt abgeschwächt hätten. Abermals forderte Powell finanzpolitische Unterstützung bei der Krisenbewältigung. Die Fed könne nur die Kreditvergabe beeinflussen, nicht aber ausgefallene Einkommen ersetzen. Hier sei die Finanzpolitik gefordert. Die Parteien in Washington können sich seit längerem nicht auf ein neues Coronavirus-Konjunkturpaket einigen.

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Angesichts des Wahlkrimis und des nach wie vor gespaltenen Kongresses stehen die Chancen für eine baldige Einigung derzeit schlecht. Viele Wirtschaftszweige sind jedoch dringend auf Unterstützung angewiesen, nachdem ein erstes grosses Hilfsprogramm auslief. Bei einer weiteren Hängepartie könnte der Handlungsdruck für die Fed rasch steigen, mit zusätzlichen geldpolitischen Lockerungen Beistand zu leisten.

Bereits Mitte September hatten die Währungshüter signalisiert, dass die Leitzinsen auf Jahre nahe Null bleiben dürften. Dies wurde nun noch einmal bestätigt. Die Notenbanker hatten die Zinsen nach dem Übergreifen der Coronavirus-Pandemie auf die USA im März in zwei grossen Schritten auf das jetzige Niveau gesenkt. Zudem pumpt die Fed über milliardenschwere Anleihekaufprogramme zusätzliche Liquidität in die Finanzmärkte, um mit der Geldflut die Wirtschaft anzuschieben.

Gesunde Geldentwertung anstreben

Die Fed bekräftigte auch ihre neue Linie, Inflationsraten über ihrem Preisziel von zwei Prozent übergangsweise zuzulassen. Diese neue Strategie hatte die Notenbank erst vor wenigen Monaten eingeführt. Hintergrund ist die seit langem ungewöhnlich schwache Teuerung, selbst in wirtschaftlich besseren Zeiten. Die Fed ist per Mandat dazu verpflichtet, sowohl «maximale Beschäftigung» am Arbeitsmarkt als auch eine wirtschaftlich gesunde Inflation anzustreben.

Dass die Fed im aktuellen politischen Umfeld still hält, ist alles andere als überraschend. Die US-Wahl ist noch nicht entschieden, es zeichnen sich rechtliche Streitigkeiten zwischen Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden ab. Ohnehin hält sich die Notenbank in Zeiten politischer Wahlen meist zurück. Powell bezeichnete den jüngsten Anstieg von Coronavirus-Infektionen in den USA jedoch als besorgniserregend. Eine volle wirtschaftliche Erholung sei erst möglich, wenn die Menschen sich sicher fühlten.

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(sda/tdr)