Die Fusion des Zuger Rohstoffgiganten Glencore mit dem Bergbaukonzern Rio Tinto findet nicht statt. Die Verhandlungen wurden abgebrochen, wie die beiden Unternehmen am Donnerstag mitteilten.

Man sei zum Schluss gekommen, dass keine Einigung erzielt werden könne, die für die Aktionäre Mehrwert bringen würde, hiess es in einem kurzen Communiqué des britisch-australischem Rio-Tinto-Konzerns. Gründe wurden nicht genannt.

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Laut der Mitteilung von Glencore beanspruchte Rio Tinto den Posten des Präsidenten und des CEO für die fusionierte Gesellschaft für sich. Ausserdem habe man sich nicht auf die finanziellen Modalitäten verständigen können. Diese hätten dem Wertbeitrag von Glencore zum fusionierten Konzern nicht entsprochen.

Konkret hätten diese den Werts des Kupfergeschäfts und dessen Wachstumsaussichten nicht angemessen bewertet und auch das Synergiepotenzial nicht berücksichtigt. "Wir sind zum Schluss gekommen, dass die geplante Übernahme zu diesen Bedingungen nicht im besten Interesse der Glencore-Aktionäre ist", schrieb der Zuger Konzern.

Die Fusionsgespräche waren am 8. Januar von den Unternehmen bestätigt worden. Das britische Takeover Panel hatte danach den (heutigen) Donnerstag zum Stichtag bestimmt, an dem sich Rio Tinto als potenzieller Bieter für Glencore konkret äussern müsse.

Glencore-Papiere rutschen ab

Dass die Gespräche nun scheiterten, kommt nicht aus heiterem Himmel. Am Vorabend hatte die «Financial Times» berichtet, der Deal stehe auf der Kippe.

Die Glencore-Aktien sackten nach der Ankündigung gleichwohl um mehr als zehn Prozent ab und notieren um 17.15 Uhr 8,1 Prozent im Minus. Rio Tinto verlieren gleichzeitig gut 4 Prozent an Wert.

Glencore sieht sich auch ohne Zusammenschluss gut aufgestellt. «Wir sind mit einem breit diversifizierten Geschäft in einer Reihe von Rohstoffen vertreten», heisst es in der Mitteilung.

Insbesondere gelte dies für den Kupferbereich: Man verfüge über ein sehr gutes Portfolio von Projekten. Glencore werde damit in den nächsten zehn Jahren von einem bedeutenden zu einem der weltweit grössten Produzenten des Industriemetalls.

Analysten sahen im Kupfergeschäft einen Grund, warum Rio Tinto ein Auge auf Glencore geworfen hatte. Rio Tinto ist neben Kupfer auf Eisenerz und Aluminium spezialisiert. Ein stärkerer Fokus auf Kupfer könnte mit der Ausrichtung von Rio Tinto auf «nachhaltige und zukunftsorientierte Metalle» übereinstimmen, hatte ein Experte bei der Ankündigung der Fusionsgespräche gemeint.

Nicht der erste Annäherungsversuch

Die nun gescheiterte Fusion war nicht der erste Annäherungsversuch der beiden Konzerne. Bereits vor einem Jahr hatten die zwei Bergbauriesen Gespräche über einen Zusammenschluss geführt, die aber ebenfalls scheiterten.

Ein Deal hätte den weltgrössten Rohstoffkonzern mit einem Unternehmenswert von mehr als 260 Milliarden US-Dollar geschaffen. Laut Beobachtern stieg zuletzt der Druck in der Branche, über Zusammenschlüsse Grössenvorteile zu suchen.

Rivale Anglo American übernahm im Herbst etwa den Konzern Teck Resources. Zwischenzeitlich hatte zudem Konkurrent BHP Interesse an einer Übernahme von Anglo gezeigt, war damit aber wiederholt abgeblitzt. Dies setzte Glencore und Rio Tinto laut Experten unter Zugzwang.

(sda/awp/dob)