Nach einem schwachen ersten Halbjahr boomt der Markt für Börsengänge. Die vergangenen drei Monaten waren mit weltweit 447 Börsenneulingen und einem Emissionsvolumen von insgesamt 95 Milliarden Dollar das stärkste dritte Quartal seit 20 Jahren, wie eine am Mittwoch veröffentliche Studie des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY zeigt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Zahl der Erstemissionen (IPOs) um 78 Prozent, das Emissionsvolumen hat sich sogar mehr als verdoppelt (plus 138 Prozent).

Üblicherweise ist das dritte Quartal wegen der Sommerpause eine eher ruhige Zeit für Börsengänge. Doch wegen der Corona-Krise wurden zahlreiche Emissionen im ersten Halbjahr zunächst verschoben. Die zeitweise Entspannung bei der Pandemie im Sommer und die reichlich vorhandene Liquidität trieb die US-Aktienmärkte zwischenzeitlich auf Rekordhochs und auch an anderen Börsen ging es kräftig bergauf, so dass immer mehr Unternehmen den Sprung auf das Parkett wagten.

Spekakuläres Debüt von Snowflake

Der grösste Börsengang weltweit war im dritten Quartal die Erstnotiz des chinesischen Chip-Herstellers Semiconductor Manufacturing International, der 7,5 Milliarden Dollar einbrachte. Der US-Softwarespezialist Snowflake spielte 3,9 Milliarden Dollar ein.

EY-Experte Martin Steinbach hält eine Jahresendrally bei den Börsengängen weltweit für möglich. Dafür sprächen der Schwung aus dem dritten Quartal, die hohe Liquidität im Markt und das hohe Bewertungsniveau. Andererseits gebe es aber auch Gegenwind: «Das vierte Quartal und der Beginn des kommenden Jahres werden auch geprägt sein von den Risiken potenziell steigender Infektionszahlen und von den anhaltenden Spannungen zwischen China und den USA», sagte Steinbach. «Hinzu kommen als Unsicherheitsfaktoren der Brexit und die bevorstehenden US-Wahlen.»

Anzeige

Mit Spannung schauen Investoren auf China: Dort will der chinesische Finanzdienstleister Ant Insidern zufolge demnächst mit einem Emissionsvolumen von 35 Milliarden Dollar den grössten Börsengang aller Zeiten hinlegen.

(reuters/mbü)