Der Direktor der Migros Neuenburg-Freiburg, Jean-Marc Bovay, ist am Dienstag freigestellt worden. Die Migros-Verwaltung spricht von einer «simplen Massnahme, um die Diskussion wieder in Gang zu bringen». Der Migros Genossenschaftsbund hält die Freistellung für unrechtmässig.

Beide Parteien haben Informationen des Neuenburger Radiosenders RTN bestätigt, wonach Bovay freigestellt, aber nicht entlassen wird. Der Schritt sei kein Racheakt, sondern eine Massnahme, um den Dialog wieder in Gang zu bringen, wie am Mittwoch André Clerc, Anwalt der Migros-Verwaltung, erklärte.

65 Prozent stimmten für den Verbleib von Damien Piller

Der Anwalt bestritt, dass der Entscheid einen direkten Zusammenhang mit der kürzlich erfolgten Urabstimmung der Genossenschafterinnen und Genossenschafter der Migros Neuenburg-Freiburg hat. Bei dieser Abstimmung sprachen sich 65 Prozent für den Verbleib von Damien Piller als Präsident der Migros-Verwaltung aus. Die Migros-Verwaltung ist vergleichbar mit einem Verwaltungsrat.

Piller ficht seit Monaten einen Streit mit der Migros Zentrale aus. Diese wirft ihm ungetreue Geschäftsführung vor. Im Fokus stehen zwei Bauprojekte für Migros-Filialen im Kanton Neuenburg.

Auch die Geschäftsleitung der regionalen Migros-Genossenschaft hat Schritte gegen Piller eingeleitet. Eine Urabstimmung hätte die Verhältnisse klären sollen. Doch inzwischen wird auch deren Resultat wegen möglicher Wahlfälschung angezweifelt.

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Freistellung sei nicht rechtmässig

«Wir wollen mit Bovay das Gespräch wieder aufnehmen und einen Modus vivendi für die Zukunft festlegen», führte Clerc aus. Unterdessen übernimmt Marcelle Junod die Führung der Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg. Die frühere Leiterin der Migros-Genossenschaft gehört heute der Migros-Verwaltung an. Junod hat Piller stets unterstützt.

Der Migros Genossenschaftsbund hat am Mittwoch von der Freistellung Kenntnis genommen. Die Freistellung verstosse gegen die Statuen der Genossenschaft und sei daher nicht rechtmässig, wie Migros-Sprecher Tristan Cerf sagte. Dementsprechend dürfe Junod auch nicht ad interim die Geschicke der Genossenschaft leiten.

Der Genossenschaftsbund wirft Piller laut Mitteilung vom Mittwoch vor, mit seinem Verhalten nicht nur der Genossenschaft Neuenburg-Freiburg zu schaden, sondern den Ruf der gesamten Migros zu gefährden.

(awp/me)