Wendelin Stark, Professor at the Institute for Chemical and Bioengineering of ETH Zurich and head of the chair in Functional Materials Engineering poses for portrait, on May 19, 2021 in Zurich. © 2021: Michael Buholzer für Bilanz

Wendelin Stark.

Quelle: Michael Buholzer für Bilanz

Person

Die Chemie stimmte schon früh für Wendelin Stark (45). Und so startete er als Schüler dreimal an der Chemieolympiade. In seinem Studium befasste er sich aber auch mit dem Maschinenbau für Nanotechnologie, noch bevor der Hype um das Thema aufkam.

Mit 27 Jahren wurde der Winterthurer als Professor an der ETH Zürich gewählt – als einer der jüngsten überhaupt. Heute hat Stark den Lehrstuhl für funktionelles Material-Engineering inne. «Wir forschen an der Grenze zwischen Material und Information.»

Mit einem seiner ersten Doktoranden verbindet ihn eine enge Forscherfreundschaft: Zusammen mit Robert Grass hat er nun den Europäischen Erfinderpreis gewonnen. Sie haben eine Möglichkeit entwickelt, um Wissen für die Ewigkeit zu speichern.

Potenzial

Die Speichermethode aus den ETH-Labors hat schon für viel Aufsehen gesorgt. Die BBC berichtete bereits darüber. Grosses Interesse zeigt aber auch die Industrie. Ein längerer Austausch besteht etwa mit Microsoft.

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Eine mögliche Anwendung sieht Stark für Daten, die man nur selten braucht, aber lange speichern möchte. «Es gibt momentan eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema.»

Vieles ist aber noch Zukunftsmusik, das Potenzial gewaltig. Mit der 2016 gegründeten Haelixa gibt es nun immerhin ein Spin-off. Es verwendet die DNA-Speichertechnologie beispielsweise als Identitätsausweis für Konsumgüter.

Produkt

Mit der Speicherung von digitalen Daten ist das so eine Sache. Irgendwann geht das Medium kaputt, verloren, oder es ist schlicht veraltet. Über zehn Jahre tüftelte Wendelin Stark an einer verlässlichen Speichermethode, die Bestand hat – für eine Ewigkeit.

Einen Hinweis sah er in Fossilien. Mit Robert Grass fand er einen Weg, um künstliche DNA zu erzeugen und die Informationen darin zu speichern, indem sie Nullen und Einsen in die ATCG-Sprache der DNA übersetzen.

Und dann die Information in winzigen Glaskügelchen versteinern lassen. «Wie eine Mücke im Bernstein», erklärt Stark. Sobald die Information benötigt wird, kann sie aus den Kügelchen gelöst und rekonstruiert werden. 2012 meldeten sie das Patent an.

In einer winzigen Menge an künstlicher DNA lassen sich so 400 000 Terabyte an Daten speichern. Als Showcase wurde in Zusammenarbeit mit der Band Massive Attack bereits ein Musikalbum verewigt.

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