Ich befürchte (...), dass die Initiative, wie sie jetzt angelegt ist, eine Flut von missbräuchlichen Klagen hervorrufen wird, der man sich aufgrund der umgekehrten Beweislast nur schwer erwehren kann», sagt Novartis-Verwaltungsratspräsident Jürg Reinhardt im Interview mit der «NZZ am Sonntag». «Wir wären von Beginn weg als potenzieller Täter gebrandmarkt und müssten die Unschuld beweisen. Der Reputationsschaden wäre eine reale Gefahr.»

Mitarbeiter und Investoren drängten längst auf die Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards, betonte er. «Ein Ja zur Konzernverantwortungsinitiative wäre falsch. Wenn man die Initiative ablehnt, ist man keineswegs gegen die Einhaltung der Menschenrechte und Umweltschutz in diesen Ländern», erklärte der Manager. Reinhardt plädiert für die Annahme des bundesrätlichen Gegenvorschlags bei der Abstimmung am 29. November. Diese sei mit einem gewissen Augenmass formuliert. 

Der Basler Pharmakonzern Novartis stellt sich zudem auf tiefere Medikamentenpreise ein. «In den USA rechnen wir damit, dass unabhängig vom Ausgang der US-Wahlen die Preise weiter sinken», Reinhardt im Interview. Der Preisdruck sei schon seit vielen Jahren in allen Teilen der Welt spürbar.

Die gestiegenen Listenpreise für Krebsmedikamente in den USA führten dabei nicht automatisch zu höheren Preisen. «Wir haben dieses Jahr in den USA einen Preisrückgang von knapp 2 Prozent verzeichnen müssen, obwohl offiziell unsere Listenpreise gestiegen sind», so Reinhardt im Interview. Die Listenpreise würden ohnehin «praktisch von niemandem» bezahlt.

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(awp/dhü)