Der GAV wird zudem um drei Jahre verlängert. Das Sparpaket erreichten die Sozialpartner nach zähen Verhandlungen.

Die Sparmassnahmen werden laut einer Mitteilung der Gewerkschaft Transfair vom Mittwoch auf Anfang Mai 2021 wirksam. SBB und Personalverbände hätten sich nach viermonatigen Verhandlungen mit dem Resultat, das von beiden Seiten Opfer verlangt, zufrieden gezeigt. Für SBB Cargo dagegen dauern die Verhandlungen weiter an.

Gemäss der Einigung zwischen SBB und Gewerkschaften stehen statt 0,9 Prozent für alle Mitarbeitenden nur 0,3 Prozent für individuelle Lohnerhöhungen für Mitarbeitende in den tiefen GAV-Niveaus zur Verfügung. Zudem werden für das letzte Jahr keine einmaligen Leistungsanteile für sehr gute Ergebnisse in der Personalbeurteilung ausbezahlt.

Das tiefe GAV-Niveau umfasst jedoch nicht nur Geringverdiener, sondern auch Mitarbeitende bis zur Lohnklasse I, wie Bruno Zeller, Branchenleiter öffentlicher Verkehr bei Transfair, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärte. Das heisst, auch Mitarbeitende mit einem Lohn von "deutlich über 100'000 Franken" können von, wenn auch reduzierten, individuellen Gehaltserhöhungen profitieren. Ausgeschlossen sind nur sehr hohe Löhne.

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Keine Streichung von Ferientagen

Im Gegenzug verzichten die SBB 2021 auf die Streichung von Ferientagen und bezahlen Mitarbeitenden mit einem GAV eine ausserordentliche Einmalprämie von 200 Franken aus. Für eine Pensum von weniger als 50 Prozent sind es 100 Franken.

Zudem haben sich die Parteien darauf geeinigt, dass der GAV SBB ab dem 1. Mai 2022 um drei Jahre verlängert wird. Hintergrund für die Sparmassnahmen sind die Folgen der Corona-Pandemie, unter denen die SBB leiden.

Der Bahnkonzern hat zwar vom Bund eine um 550 Millionen Franken höhere Kreditlimite erhalten, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Zudem werden Corona-bedingte Einnahmeausfälle in den Bereichen Infrastruktur, Regionalverkehr und Güterverkehr abgefedert. Ausfälle in den Bereichen Immobilien und Fernverkehr müssen die SBB dagegen selber tragen. Nun sollen auch die ausgehandelten Sparmassnahmen beim Personal zur Entspannung der Lage beitragen.

Markus Jordi, Personalchef der SBB, ist sich bewusst, dass die Sparmassnahmen für die Mitarbeitenden einen Verzicht bedeuten. «Aufgrund der finanziellen Situation sind diese Massnahmen jedoch notwendig», lässt er sich in der gemeinsamen Mitteilung der Sozialpartner zitieren.

Bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) herrscht insbesondere Genugtuung über die Verlängerung des GAV. «Mit seinem Kündigungsschutz aus wirtschaftlichen Gründen stellt der GAV einen hohen Wert für die Mitarbeitenden dar», sagt SEV-Verhandlungsführerin Barbara Spalinger gemäss Mitteilung.

(sda/tdr)