Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist bereit, am Markt zu intervenieren, um dem rapide ansteigenden Franken entgegenzuwirken, sagte SNB-Direktoriumsmitglied Andréa Maechler der «Schweiz am Wochenende».

«Es herrscht an den Märkten eine stark negative Risikostimmung», so Maechler. «In solchen Phasen rückt der Franken als sicherer Hafen in den Fokus. In Krisenzeiten sucht man Sicherheit.»

Gefragt sei aber nicht nur der Franken. Auch der Yen und der Dollar sowie Gold und sichere Anlagen wie Staatsanleihen würden eine höhere Nachfrage erfahren.

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«Viele offene Fragen»

Die Krise fordert die SNB. «Zu Beginn stellten wir fest, dass die Aufwertung – gemessen an den globalen Unsicherheiten – eher gering war», sagt Maechler. «Das hat sich im Verlaufe der Woche nun verändert. Es bleiben so viele offene Fragen: zum Kriegsverlauf, zu Umsetzung und den Folgen der Sanktionen …»

Für die SNB sei die Währungssituation als Ganzes relevant, nicht der Euro-Franken-Kurs. «Man darf den Kurs nicht isoliert betrachten. Wir haben in der Schweiz eine deutlich tiefere Inflation als in anderen Währungsräumen, und diese Differenz führt dazu, dass die Wirtschaft auch mit dem stärkeren nominalen Frankenkurs leben kann.»

 

 

Der reale Wechselkurs, das heisst inflationsbereinigt, habe sich nicht so stark verändert wie der nominale. «Seit Beginn der Pandemie betrug die reale Aufwertung nur etwa 1 Prozent, die nominale 5 bis 6 Prozent.»

Zu allfälligen Interventionen am Devisenmarkt äussert sich die Notenbankerin wie üblich nicht. «Was ich aber sagen kann, ist, dass wir die Lage am Devisenmarkt sehr genau verfolgen und jederzeit bereit sind, bei Bedarf zu intervenieren.»

«Wir halten keine Aktien russischer Unternehmen»

Das Portfolio der SNB hat derweil nur ein kleines Russland-Exposure. «Nicht einmal 0.05 Prozent unsere Devisenreserven haben einen Russland-Bezug. Wir prüfen derzeit, was wir unter Einhaltung der Sanktionen jetzt mit diesen Anlagen machen.»

Es gehe um einen tiefen dreistelligen Millionenbetrag. «Wir halten keine Aktien russischer Unternehmen und keine in Rubel denominierten Anleihen.»

Zur Inflation sagt Maechler: «Weltweit erwarten wir in der mittleren Frist aber nach wie vor eine Normalisierung der Inflation – also einen Rückgang der Teuerung.»