Die Credit Suisse muss sich auf der Generalversammlung Ende des Monats auf Gegenwind von den Aktionären gefasst machen. Der Stimmrechtsberater Glass Lewis lehnt sowohl den Vergütungsbericht als auch die Entlastung der Unternehmensspitze ab, wie der Reuters am Dienstagabend vorliegenden Stimmempfehlung zu entnehmen war.

Auslöser der Ablehnung durch Glass Lewis waren vor allem die Folgen eines Beschattungsskandals in der zweitgrössten Schweizer Bank, über die sowohl Konzernchef Tidjane Thiam als auch Chief Operating Officer Pierre-Olivier Bouee gestrauchelt waren.

Einen grossen Reputationsverlust

Credit Suisse zufolge hatte Bouée die Verantwortung für die verdeckte Überwachung des inzwischen zum Rivalen UBS gewechselten Spitzenmanagers Iqbal Khan übernommen. Nach einem zweiten, ähnlichen Vorfall wurde er fristlos entlassen.

Angesichts des Reputationsschadens, den Bouée verursacht habe, empfahl Glass Lewis den Aktionären, gegen die Entlastung von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat zu stimmen.

«Goldener Fallschirm» für Thiam

Den Vergütungsbericht lehnt der Stimmrechtsberater ab, weil Credit Suisse bezüglich Bouées Lohn für das Jahr 2019 zu wenig transparent gewesen sei. Zudem sei das Vergütungspaket Thiams bei seinem Abgang zu grosszügig ausgefallen.

Der CEO sei für die Unternehmenskultur zuständig, die zu dem Skandal beigetragen habe. Thiam strich für 2019 eine Gesamtvergütung von 10,7 Millionen Franken ein und gehörte damit zu den bestbezahlten Bankmanagern in Europa.

Credit Suisse erklärte, die Bank nehme die Empfehlungen des Stimmrechtsberaters zur Kenntnis und respektierte die Aktionärsdemokratie.

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Den Anträgen für die UBS-Aktionärsversammlung stimmte Glass Lewis zu.

(reuters/mbü)