Ein Computerfan hütet sein Göttikind. "Was willst du sehen?", fragt er. "Einen Hasen, der zusammen mit einem Pinguin unter einem verschneiten Baum steht, und überall fliegen Schmetterlinge herum", wünscht sich das Kind. Hinten soll zudem ein Vulkan zu sehen sein.

Der Computerfan tippt genau diese Beschreibung in Englisch auf die Webseite von Dall-E (https://openai.com/dall-e-2/) ein. Sekunden später kann die Kleine unter vier Bildvorschlägen wählen. Nach einer Minute ist die erste Seite des selbstgemachten Kindermärchens ausgedruckt. Nach zwei Stunden und zehn weiteren Bildern ist die Tintenpatrone leer.

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Bevor Interessierte Dall-E ausprobieren, sollten sie genügend Zeit einplanen. Denn das Malen mit Worten hat durchaus Suchtpotenzial. Und mit Wortklaubereien der künstlichen Intelligenz genau das Bild zu beschreiben, das vor dem eigenen inneren Auge leuchtet, kann anspruchsvoll sein. Besonders verblüffend ist dabei auch, dass man bei Dall-E sogar bestimmte Künstler malen lassen kann. Wer die Beschreibung beispielsweise mit "style Picasso" ergänzt, kriegt einen kubistischen Wandschmuck.

Alternativen zu Dall-E sind Dreamstudio (dreamstudio.ai) und Midjourney (midjourney.com).

Dichten und kolorieren

"Und was passiert, wenn der Pinguin den Vulkan küsst?", will das Kind nun wissen. Der Computerfan tippt nun einfach die Wörter "Pinguin küsst einen Vulkan" auf der Webseite app.neuro-flash.com/aiWriter ein und erhält ein weiteres Kapitel des Märchens. Andere, allerdings englischsprachige, Dichter finden sich bei beta.openai.com/examples/ und you.com/write.

Ist das Märchen vollendet, steht die nächste Kinderfrage an: "Wie sieht eigentlich Urgrossvater in Farbe aus?", fragt die Kleine und klaubt ihr Lieblingsfoto aus der Archivschachtel.

Natürlich gibt es auch eine künstliche Intelligenz, die weiss, wie die Vergangenheit in Farbe aussieht. Beispielsweise hat das Newsportal Coconut Dutzende Fotos mit alter balinesischer Kultur vom Computer verbessern und kolorieren lassen. Das Ergebnis (https://coconuts.co/?s=colorize) ist schlicht verblüffend.

Der Götti fotografiert deshalb das Bild des Urgrossvaters ab und lädt es auf den Webdienst palette.fm hoch. Sekunden später kann das Kind seinen Ahnen in Farbe betrachten. Der Dienst https://app.baseten.co sorgt dann noch dafür, dass das körnige Bild makellos wird.

"KI" wischen Feind und Freund

In der Vergangenheit wurden neuronale Computernetzwerke eher für langweilige Dinge (unterscheide einen Hund von einer Katze) oder furchteinflössende Sachen (automatische Gesichtsidentifikation) eingesetzt. Nun tauchen aber immer mehr verblüffende und nützliche Anwendungen auf, die dann meist auch selbstbewusst als "künstliche Intelligenz" (KI) betitelt werden.

Probiert man diese KI-Dienste aus, kann man sich einfacher eine eigene Meinung bilden, erlebt Kreativität am Computer, hat meist Spass dabei und lernt auch die Grenzen der KI kennen.

Wer in Zukunft möglichst schnell mit neuen "Intelligenzen" herumspielen will, kann sich bei Google unter aitestkitchen.withgoogle.com als KI-Tester bewerben. Viele News zu KI finden sich bei the-decoder.de.