Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Schweiz sind 2022 gleich viel Stress ausgesetzt wie 2020. Der Anteil der emotional Erschöpften hat dabei aber erstmals die 30-Prozent-Marke überschritten. Dazu trug auch die Covid-19-Pandemie bei.

Das Stresslevel ist damit seit 2018 stabil, liegt aber höher als in den Jahren 2014 und 2016, wie die Gesundheitsförderung Schweiz am Dienstag aufgrund ihres Job-Stress-Index' mitteilte. Demnach lag der Stress bei 28,2 Prozent der Erfassten im gesundheitskritischen Bereich. Das ist um 1,4 Prozentpunkte besser als in der letzten Erhebung 2020.

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Die Erwerbstätigen im kritischen Bereich berichten über Belastungen, die ihre Ressourcen übersteigen. So erleben sie etwa mehr Zeitdruck oder auch mehr Konflikte und erhalten weniger Handlungsspielraum oder Wertschätzung.

Neben diesen für den Stress-Index erhobenen Belastungen kamen mit der Coronavirus-Pandemie neue Faktoren hinzu. So erhöhte die Sorge um eine mögliche schwere Erkrankung von Angehörigen, die soziale Isolation sowie die erhöhte Benutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien die Last.

Das schlägt sich zwar nicht im Index nieder, zeigt aber einen Zusammenhang mit der Gesundheit der Erwerbstätigen, etwa mit der emotionalen Erschöpfung. Der Anteil der emotional Erschöpften stieg seit 2020 um 0,3 Punkte auf 30,3 Prozent.

Stress macht weniger produktiv

Alle Faktoren zusammen führen zu einem Rückgang der Produktivität, wie die Gesundheitsförderung schrieb. 14,9 Prozent der Arbeitszeit gehen demnach verloren. Bei einem ausgeglichenen Verhältnis von Belastung und Ressourcen könnte die Schweizer Wirtschaft ihr Potenzial nach Angaben der Gesundheitsförderung um 6,5 Milliarden Franken steigern.

Insgesamt attestiert die Gesundheitsförderung Arbeitsnehmende und -gebende eine gute Bewältigung der Pandemie. Dennoch sollten die Arbeitgeber den Anstieg der emotional Erschöpften als Alarmsignal wahrnehmen.

Dem Job-Stress-Index liegt eine repräsentative Befragung von 3022 Erwerbstätigen zwischen 16 und 65 Jahren vom Februar zugrunde. Den Index erhebt die Gesundheitsförderung Schweiz in Zusammenarbeit mit der Universität Bern und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) seit 2014 regelmässig.

(SDA/bsc)