Themen rund um das Coronavirus

«SonntagsZeitung»:

In den nächsten Wochen könnte sich die halbe Schweiz mit der Omikron-Variante anstecken: Dieses Szenario hat Richard Neher, Mitglied der wissenschaftlichen Corona-Taskforce des Bundes skizziert. Voraussetzung dafür sei, dass sich das Virus im gleichen Tempo weiterverbreitet wie bisher. Zudem sind für Neher tägliche Fallzahlen von 30'000 denkbar. Neher bestätigte auch, dass gemäss ersten Daten aus Grossbritannien und Südafrika die Omikron-Variante etwas milder sei. Er gab jedoch zu bedenken, dass die Zahl der Hospitalisierungen trotzdem nicht unerheblich sei. «Die Fallzahlen steigen sehr schnell, und wir haben nicht mehr viel Spielraum in den Spitälern.» Trotzdem gibt es für Neher Grund zur Hoffnung. Bereits Ende Januar könnte das Gröbste der Omikron-Welle vorüber sein. «Das Virus wird zwar nicht verschwinden und uns sicher auch im nächsten Winter beschäftigen. Aber nicht in dem Ausmass, dass es erneut zu einer Krise kommen wird.»

Auch interessant

«SonntagsBlick»:

Bundespräsident Ignazio Cassis hält die Lage in den Spitälern angesichts der Coronavirus-Pandemie derzeit noch für bewältigbar. «Kurzfristig müssen wir eine Überlastung der Intensivstationen verhindern. Stand heute ist die schweizweite Belegung der Intensivstationen mit circa 80 Prozent - die Hälfte davon Corona Patienten - noch zu managen», sagte Cassis. Man könne die Kapazitäten auf den Intensivstationen steigern, sollte dies nötig werden. «Im Moment ist das aber nicht der Fall.» Lokale Engpässe könne es geben, doch da komme wie in der ersten Welle die interkantonale Solidarität zum Tragen. «Und wir sind jeder zeit bereit, auch mit Bundesmitteln wie dem Zivilschutz oder der Armee darauf zu reagieren» Der neue Bundespräsident äusserte sich besorgt um den Zusammenhalt im Land. «Ich sehe zu viel Streit und zu viel Intoleranz gegenüber Andersdenkenden.» Drohungen und Anfeindungen hätten zugenommen, was auch die Bundesräte betreffe. Besonders in den sozialen Medien fliesse das Gift.

«NZZ am Sonntag»:

Der Vizepräsident der wissenschaftlichen Corona-Taskforce des Bundes, Urs Karrer, hat davor gewarnt, die Omikron-Virusvariante zu unterschätzen. «Im Moment gehen wir davon aus, dass Omikron zwar milder ist als Delta, aber ähnlich pathogen wie jene Variante, die vor gut einem Jahr knapp 10'000 Schweizerinnen und Schweizer das Leben gekostet hat.» Die grösste Sorge sei aktuell, dass im Januar und Februar sehr viele Covid-19-Patienten behandelt werden müssten und dass gleichzeitig sehr viel Personal fehlen werde, das selber krank, in Isolation oder in Quarantäne sei, erklärte der Infektiologe am Kantonsspital Winterthur ZH. Auch die Betreuung kranker oder isolierter Kinder des Personals könnte die Engpässe zusätzlich verschärfen. Zudem könnte es trotz nochmals intensivierten Hygienemassnahmen schwierig werden, Omikron-Ansteckungen in den Spitälern und Pflegeheimen zu verhindern.

 

Weitere Themen

«SonntagsZeitung»:

In der Schweiz könnte es 2022 gemäss einer Umfrage bei grossen Unternehmen zu einem Jobwunder kommen. 20 von 89 befragten Firmen wollen die Zahl ihrer Arbeitsplätze ausbauen, nur vier stehen vor einem Stellenabbau, der grosse Rest rechnet mit einer stabilen Stellenzahl. Dies zeige eine eigene Umfrage. Grösster Jobmacher im neuen Jahr wird demnach der Flugabfertiger Swissport. Er will 850 neue Beschäftigte einstellen. Das wäre der grösste Stellenaufbau in der Geschichte des Unternehmens. Auch die Flugzeugwartungsfirma SR Technics will 150 neue Stellen schaffen. Wegen der Pandemie hatte zahlreiche Firmen der Flugbranche Hunderte Stellen abgebaut. Viele neue Arbeitsplätze soll es auch beim weltgrössten Uhrenhersteller Swatch Group, den SBB, der Post und im Detailhandel geben. Die grösste Arbeitgeberin, die Migros, hat mehr als 1600 Stellen ausgeschrieben. Die Zahl der offenen Stellen ist schweizweit derzeit mit 232'825 auf Rekordstand.

«NZZ am Sonntag»:

Die Pandemie sorgt gemäss eines Personalfachmanns für einen Boom bei Temporärkräften. «In gewissen Branchen sehen wir, dass Firmen nicht mehr 90 oder 95 Prozent festangestelltes Personal wollen, sondern höchstens zwei Drittel», sagte Yves Schneuwly, Schweiz-Chef bei der international tätigen Vermittlungsfirma Coople, Die Unternehmen würden zu einem Drei-Stufen-Modell übergehen: ein Kernteam, flexible Angestellte auf Abruf sowie ein hyperflexibler Anteil an schnell verfügbaren Hilfskräften. Vor allem in der Gastronomie, am Flughafen, aber auch im Handel werde das der Fall sein. Der Arbeitsmarkt habe sich schon vor Corona flexibilisiert, aber diese Schwankungen seien schlicht nicht vorstellbar gewesen. Die Gewerkschaften warnten vor dieser Entwicklung. Temporärarbeit sei äusserst prekär und eigentlich eine Auslagerung des unternehmerischen Risikos auf die Arbeitnehmenden, sagte Serge Gnos von der Unia der Zeitung. Corona dürfe nicht als Vorwand für mehr Temporärarbeit genutzt werden.

«NZZ am Sonntag»:

Einer der Hauptangeklagten im Raiffeisen-Prozess hat wenige Wochen vor Verhandlungsbeginn erstmals in einem Interview Stellung bezogen. Der frühere CEO und spätere Verwaltungsrat der Kreditkartengesellschaft Aduno, Beat Stocker, wies die Betrugsvorwürfe gegen sich zurück. Er habe mit umstrittenen privaten Engagements zuerst in seiner Rolle als CEO und später als Verwaltungsrat stets im Interesse seines Arbeitgebers gehandelt, sagte der 61-Jährige. Selbstkritisch erklärte er, dass er seine privaten Engagements nicht mit dem Verwaltungsrat diskutiert habe. Stocker arbeitete Seite an Seite mit dem damaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz. Die Zürcher Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, sie hätten sich verdeckt privat an mehreren Startups beteiligt und ihre Rollen als Chefs bei der Bankengruppe Raiffeisen und der Kreditkartenfirma Aduno ausgenützt. Sie hätten auf die Übernahme der Startups hingearbeitet und Millionen in die eigenen Taschen geleitet. Der Prozess gegen die sieben Beschuldigten beginnt am 25. Januar. Den beiden Hauptangeklagten Vincenz und Stocker drohen mehrjährige Haftstrafen.

«SonntagsZeitung»:

Beim Zucker in Lebensmitteln setzt die Industrie auf einen langsamen Entzug - in kleinen Schritten über Jahre hinweg. So gewöhnten sich die Geschmacksnerven  der Konsumenten an weniger Süsse. Zwischen 2016 und 2018 sank der zugesetzte Zucker beispielsweise in den in der Schweiz verkauften Joghurts im Schnitt um 3,5 Prozent und in Frühstückscerealien um 13 Prozent. Bis 2024 haben Hersteller und Detailhändler - darunter Nestlé, Migros, Coop und Emmi - eine weitere Reduktion von 10 Prozent bei Joghurts und 15 Prozent bei Cornflakes und Ähnlichem versprochen. Der Bund will die Zuckerreduktionen auf weitere Produkte ausweiten. Dabei nimmt sich die Behörde unter anderem Milch- und Süssgetränke vor.

(awp/val)