"Das erste Problem scheint mir die Schwächung der Sicherheit zu sein, sei es durch die Unterbrechung der Stromversorgung oder durch die Schwierigkeiten, die das Personal bei der Ausübung seiner Aufgaben hat", sagte Olivier Gupta in einem Interview mit der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos" (Montagsausgabe).

Wichtige Stromleitungen, die eine konstante Kühlung gewährleisten, seien beschädigt. Ausserdem sei die Lieferkette für Ersatzteile an die ukrainischen Atomanlagen geschwächt. Bei Europas grösstem Atomkraftwerk Saporischschja seien nur noch zwei von vier Stromleitungen funktionsfähig. Die Kommunikation zwischen dem Kraftwerk und der Aussenwelt sei schwierig.

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Im Fall von Tschernobyl seien seine Experten jedoch zum Schluss gekommen, dass es kein signifikantes Risiko einer Freisetzung in die Umwelt gebe, wenn die Stromversorgung über einen längeren Zeitraum ausfalle. Gupta warnte allerdings: "In Tschernobyl gibt es weder Festnetz- noch Mobiltelefone und die ukrainische Sicherheitsbehörde hat seit 24 Stunden keine E-Mail mehr erhalten."

Russische Truppen haben sowohl Saporischschja als auch Tschernobyl eingenommen. In Saporischschja war dabei ein Feuer ausgebrochen. In Tschernobyl war vergangene Woche der Strom ausgefallen - am Sonntag erklärte die ukrainische Regierung allerdings, dass die Störung wieder behoben sei.

In Charkiw gibt es Berichte über Schäden an einem Forschungszentrum mit einem Atomreaktor. "Soweit wir wissen, ist das Nuklearmaterial aber nicht betroffen", sagte Gupta der Zeitung.