Zu wenige Mitarbeiter mit den richtigen Sprachkenntnisse und zu komplizierte Handhabe, um zweifelhafte Posts zu melden – Facebook scheint seinen Job nicht gut zu machen. Das geht aus internen Dokumenten hervor, aus denen mehrere Medien am Montag zitierten.

Demzufolge wusste der US-Konzern, der mehr als 2,8 Milliarden Nutzer weltweit zählt, dass er zu wenig Mitarbeiter mit Sprachkenntnissen und Informationen über lokale Veranstaltungen beispielsweise in Schwellenländern eingestellt hatte. Das sei vor allem in von Gewaltausbrüchen besonders stark bedrohten Ländern wie Myanmar und Äthiopien gefährlich, warnte demnach ein Mitarbeiter intern.

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Aktuell ist Facebook in mehr als 190 Ländern aktiv und Inhalte werden in mehr als 160 Sprachen veröffentlicht. Mehr als 90 Prozent der monatlich aktiven Nutzer leben ausserhalb der USA und Kanada.

Zudem geht aus den Dokumenten hervor, dass dem Konzern bewusst war, dass die Systeme zur Überwachung der Inhalte nicht ihren Aufgaben gerecht wurden und es für Nutzer verhältnismässig kompliziert war, umstrittene Posts zu melden, die möglicherweise gegen die Regeln verstiessen.

Facebook beschäftigt Menschenrechtler

Eine Firmensprecherin teilte auf Anfrage mit, Facebook beschäftige Muttersprachler, die Inhalte in mehr als 70 Sprachen weltweit prüften, und zudem auch Menschenrechtsexperten. Der frühere Chef des Politik-Geschäfts von Facebook im Nahen Osten, Ashraf Zeitoon, sagte, Facebook habe kolonial agiert und die Monetarisierung des Angebots über die Sicherheit der Nutzer gestellt.

Ein Kongressmitarbeiter machte einem internationalen Konsortium von Journalistinnen und Journalisten geschwärzte Versionen von Enthüllungen zugänglich. Diese hatte vor drei Wochen die frühere Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen an den amerikanischen Kongress und die US-Börsenaufsicht (SEC) übergeben. Auch die Nachrichtenagentur Reuters nahm Einsicht in Dokumente und führte Gespräche mit fünf früheren Facebook-Angestellten.

Mehr Transparenz gefordert

Haugen forderte von dem weltgrössten Internetnetzwerk mehr Transparenz und sprach sich für eine Regulierung des am Markt rund eine Billion Dollar teuren US-Technologiekonzerns aus.

In der Schweiz konnten laut eigenen Angaben das Recherchedesk von Tamedia und «Das Magazin» die sogenannten Facebook Files studieren. Auswertungen spezifisch zur Schweiz seien nicht dabei, hiess es. Doch in einer Studie zu Ängsten von Teenagern im Umgang mit Instagram tauchte demnach auch ein Studienteilnehmer mit einem Post aus Basel auf.

SDA/sas