Damit folgte die Schweiz der im frühen Handel unter Druck stehenden Wall Street. Grund dafür dürften nicht zuletzt enttäuschende US-Konjunkturdaten gewesen sein. Die Produktivität in der US-Wirtschaft ist im ersten Quartal deutlicher als befürchtet eingebrochen.

Zinssorgen und Lieferkettenschwierigkeiten und China

Zunächst hatten die Investoren noch mit Erleichterung auf die Beschlüsse der US-Notenbank vom Vorabend reagiert und waren den Vorgaben der US-Aktien nach oben gefolgt. Denn wie erwartet hatte das Fed den Leitzins um 50 Basispunkte angehoben.

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Entgegen einiger Befürchtungen betonte Fed-Chef Jerome Powell zudem, dass noch grössere Zinsschritte derzeit nicht in Erwägung gezogen würden. Damit habe er die Anleger beruhigen können.

Die Marktreaktion zeige allerdings, wie gross die Verunsicherung an den Märkten sei. Zinssorgen seien nur ein Problem. Der Ukraine-Krieg sowie die durch die Corona-Massnahmen bedingten Lieferketten-Schwierigkeiten in China gefährdeten die Wirtschaft ebenfalls und machten damit den Märkten zu schaffen.

So waren die jüngsten Konjunkturdaten aus China oder Deutschland enttäuschend schwach ausgefallen. Am Freitag steht mit dem offiziellen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung bereits das nächste wichtige, die Märkte bewegende Ereignis bevor.

-5,8 Prozent bei Adecco

Der SMI legte zunächst bis 12'048 Punkte zu, bevor er dann stetig Terrain einbüsste und auf 11'877,27 Punkten um 0,02 Prozent tiefer schloss. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, verlor 0,22 Prozent auf 1836,30 und der breite SPI 0,06 Prozent auf 15'265,84 Zähler. Im SLI standen 13 Gewinnern 17 Verlierer gegenüber.

Den stärksten Abschlag bei den Blue Chips verbuchten die Aktien von Adecco (-5,8 Prozent). Der Personaldienstleister hat laut Analysten ein durchwachsenes erstes Quartal hinter sich. Die Dynamik der Konkurrenz sei zum Teil klar besser gewesen, hiess es. Zudem sorgte der überraschende Chefwechsel für Unsicherheit. Denis Machuel löst zum 1. Juli Alain Dehaze als CEO ab.

Dahinter folgten die Titel von Kühne+Nagel (-3,7Prozent), die allerdings ex Dividende gehandelt wurden. Dagegen gaben die Titel der Grossbank Credit Suisse (-2,8 Prozent) ohne konkrete Neuigkeiten die jüngsten Gewinne wieder ab. Auch die Luxusgüterwerte Richemont (-1,7 Prozent) und Swatch (-2,1 Prozent) büssten wieder Terrain ein.

Der Rückversicherer Swiss Re (-3,2Prozent) stand wie Adecco nach Ergebnisvorlage unter Druck. Die Gruppe hat im Startquartal wegen Belastungen zu Naturkatastrophen und zur Corona-Pandemie sowie aufgrund von Rückstellungen zum Ukraine-Krieg einen hohen Verlust erlitten.

Abgaben verzeichneten zudem im Sog der schwachen Nasdaq die Technologiewerte Temenos (-3,0 Prozent), VAT (-2,1 Prozent) und AMS Osram (-1,0 Prozent). Dabei kam es bei Temenos auch zu Gewinnmitnahmen von Anlegern, die nicht mehr auf die angebliche im Markt kolportierte Übernahmeofferte einer Private Equity-Gesellschaft warten wollten, hiess es.

Logitech bei den Gewinnerinnen

Bei den Gewinnern waren Werte zu finden, die zuletzt verstärkt Federn gelassen haben. Logitech (+1,0 Prozent) und Partners Group (+1,6 Prozent) legten zu. Auch Geberit (+1,2 Prozent) gehörten zu stark gefallenen Werten. Der Sanitärtechnik-Konzern hatte am Vortag zudem Zahlen vorgelegt, worauf die Analysten mehrheitlich ihre Kursziele nach unten anpassten.

Fester waren noch konjunktursensible Werte wie ABB, SGS und Schindler mit Kursgewinnen von etwa einem halben Prozent. Keine Marktstütze waren die Pharmaschwergewichte Roche und Novartis (je -0,1 Prozent). Dagegen konnten Nestlé (+0,7 Prozent) einen Teil der Verlaufsgewinne retten.

Nach Zahlen gesucht waren in den hinteren Reihen die Aktien von Addex (+0,7 Prozent) und Montana Aerospace (+6,2 Prozent). Dagegen landeten Landis+Gyr (-0,5 Prozent) nach Jahreszahlen auf den Verkaufslisten.