Die 20- bis 29-Jährigen sind neu am stärksten betroffen von Infektionen mit dem Coronavirus. Die Omikron-Variante ist bereits für mehr als die Hälfte aller Infektionen verantwortlich, sagt Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim Bundesamt für Gesundheit (BAG).

«Omikron ist in der Schweiz angekommen und bereitet sich schnell aus», so Mathys. Die Verdoppelungszeit liege zwischen drei und fünf Tagen. Zum Schweregrad der Erkrankungen gebe es nach wie vor noch viele Unsicherheiten.

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336 Patienten müssten derzeit auf einer Intensivstation versorgt werden. Dies entspreche fast 40 Prozent der verfügbaren Plätze. Eine optimale Versorgung der Patienten sei weiterhin nicht mehr gewährleistet. Zeitnah drohten weitere Engpässe und ein hoher Druck auf die Spitäler.

Insgesamt präsentiere sich die Situation äusserst ungünstig. Entspannung sei nicht in Sicht. Im Gegenteil. Es deute eigentlich alles auf eine Verschärfung hin. 62 Prozent der über 65-Jährigen in der Schweiz seien geboostert. Bezogen auf die gesamte Bevölkerung hätten 23 Prozent der Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Koordination und Verlegung von Spitalpatienten funktioniert

In einzelnen Spitälern sind die Kapazitätsgrenzen erreicht. Die Koordination und Verlegung von Spitalspatienten funktioniere aber gut, sagt Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Ärzte (VKS).

Durch die schiere Anzahl der Fälle sei das Contact-Tracing in einigen Kantonen eingeschränkt, dort könnten nicht mehr alle engen Kontakte eruiert werden. «Die Auslastung in der Spitälern ist insgesamt handhabbar», so Hauri.

Die Absage des Spengler Cups aufgrund von zahlreichen Infektionen von Spielern des HC Davos dürfte der Omikron-Variante geschuldet sein, vermutet der Zuger Kantonsarzt. Glücklicherweise sei über schwere Krankheitsverläufe bei den jugendlichen Sportlern nichts bekannt.

Hauri rief erneut dazu auf, die Hygiene-Massnahmen und Einschränkungen strikt einzuhalten; insbesondere sei es sinnvoll, im öffentlichen Verkehr korrekt eine Maske zu tragen. Beim Fahren in kleineren Fahrzeugen mit Menschen aus unterschiedlichen Familien könne das Tragen einer FFP2-Maske von Vorteil und angebracht sein.

Starke Zunahme der Ansteckungen wegen Omikron-Variante

Corona-Task-Force-Chefin Tanja Stadler erwartet demnächst um die 20000 Coronavirus-Ansteckungen pro Tag. Grund für diese rasche Zunahme in den ersten Januar-Wochen ist demnach die hochansteckende Omikron-Variante, die bald nahezu alle Ansteckungs-Fälle ausmachen dürfte.

Dabei liege bei den meisten Prognose-Szenarien der Reproduktionswert von Omikron bei etwa 2 im Vergleich zur Delta-Variante, wo der Wert deutlich unter 1 liegt. Der sogenannte R-Wert gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person ansteckt.

Stadler warnt davor, die Annahme, die Omikron-Variante führe zu weniger schweren Krankheitsverläufen, auf die leichte Schulter zu nehmen. Nach wie vor entscheidend sei bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, wie schnell sich weite Teile der Bevölkerung impfen lassen – auch ein drittes Mal, mit einem Booster.

Impfen schütze vor Ansteckung, allerdings nicht vollständig. Wichtig bleiben Impfen, Testen, Maskentragen, das Lüften von Innenräumen und die Einschränkung von Kontakten.

Quarantäne auch für doppelt Geimpfte

Und, so Stadler weiter, es gebe keinen Grund, bei geimpften oder doppelt geimpften Personen auf Quarantäne-Massnahmen zu verzichten. Anders sehe das bei Menschen mit Auffrischungsimpfung aus. Diese seien besser geschützt. Mathys fügt hinzu: Man könne dem Geschehen nicht einfach seinen Lauf lassen. Denn: «Wir werden sehr hohe Fallzahlen und eine hohe Belastung der Spitäler haben.»

Allerdings werde man mit den vielen sich abzeichnenden Ansteckungen der kommenden Wochen in einen Bereich gelangen, wo ein grosser Teil der Bevölkerung mit dem Virus in Kontakt gekommen sei.

Stadlers Fazit hierzu: Die Pandemie sei erst ausgestanden, wenn alle immun gegen das Virus seien. Idealerweise sei man bei einer Ansteckung geimpft. Solange bleibe die Herausforderung, die Spitalsstrukturen aufrecht zu erhalten und möglichst viele Menschen zu boostern.

Dauer des Booster-Schutzes gegen Omikron unklar

Wie lange so eine Auffrischungsimpfung (Booster) gegen eine Ansteckung mit der Omikron-Variante des Coronavirus schützt, ist laut Stadler aber derzeit unklar. Zehn bis zwölf Wochen lang allerdings dürfte der Schutz hoch sein, schätzt die Task-Force-Chefin.

Die Datenlage sei noch dünn, weil die Omikron-Variante erst seit kurzer Zeit im Umlauf sei. Wissenschaftliche Erkenntnisse kämen vor allem aus Israel.

Nur korrekt getragene Masken bieten nötigen Schutz

Was das Maskentragen betrifft, so liege der grosse Unterschied im Hinblick auf den Schutz vor dem Coronavirus nicht zwischen medizinischer Maske und FFP2-Maske. Sondern zwischen: «Keiner Maske und korrekt getragener Maske», sagt Stadler. Wenn jeder und jede die Maske korrekt trüge, dort wo es Sinn mache, «dann hätten wir die Epidemie gut im Griff».

Eine FFP2-Maske sei nicht in jeder Situation nötig, aber «situativ bringt sie auf alle Fälle etwas». Das sei der Grund, weshalb der Bund keine Empfehlung für das Tragen von FFP2-Masken mache, sagt BAG-Sektionsleiter Patrick Mathys. Generell sei es einfach wichtig, eine Maske richtig zu tragen, sonst biete sie keinen zusätzlichen Schutz. (sda/red)