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Panama Papers

Jérôme Valcke und seine geheime Luxusjacht

Der Besitzer der Jacht «Ornella» war unbekannt, man wusste nur, dass ihre Renovation Millionen Euro gekostet hat. Die «Panama Papers» decken auf: Eigentümer ist Ex-Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke.
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Sie heisst Ornella, ist 34 Meter lang, und ihre Renovation soll bescheidene 15 Millionen Euro gekostet haben. Die Rede ist vom liebsten Spielzeug von Ex-Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke: eine Luxusjacht, die er nach seiner zweiten Frau benannt hat, einer Ex-Miss-Italia in Südafrika, die er im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft 2010 kennenlernte.

Dass Valcke die Meeresperle sein Eigen nennt, war bisher allerdings nicht bekannt. Voriges Jahr machten die aufwendigen Restaurationsarbeiten an der Jacht von sich reden, ein Fachportal hat sie auf Youtube dokumentiert. Wer der Besitzer der weissen Schönheit ist, die zwölf Passagieren Platz bietet und bis zu 40 Knoten schnell über die Meere schippert, da stand bisher ein Fragezeichen. Dass sie einem Topshot der Fifa gehören soll, wusste die italienische Zeitung «Il Tirreno» zu berichten.

Jacht demonstriert Valckes luxuriösen Lebensstil

Die «Panama Papers» haben auch dieses Detail aufgedeckt: die «Ornella» gehört Jérôme Valcke. Die BBC berichtete, dass auch er bei der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca ein gern gesehener Gast war. So habe er die Panamenier zur Gründung der Firma Umbelina benutzt, die auf den britischen Jungferninseln residiert und hinter der er sich versteckte. Mit der Umbelina kaufte Valcke die millionenteure Jacht.

Das Schiff reiht sich ein in den glamourösen Lebensstil des inzwischen in Ungnade gefallenen Fifa-Generalsekretärs, der sich zu besseren Zeiten ein Ferienhaus auf Sardinien, eine Wohnung am Zürichsee, einen 660-PS-Ferrari in der Garage und standesgemässe Uhren leistete.

Im Privatjet auf Geschäftsreisen

Valcke, ehemaliger Sportjournalist beim französischen TV-Sender Canal+, richtete stets mit der grossen Kelle an. Zur Hochzeit mit seiner zweiten Frau flog er einen Designer aus Brasilien ein, der 50 Laufmeter reine Seide zum Hochzeitskleid verarbeitete.

Auch in seiner Position bei der Fifa legte er Wert auf einen entsprechenden Auftritt. Für Geschäftsreisen nahm er gerne den Privatflieger. Sein Lieblingssitz: vorne rechts, direkt hinter dem First Officer. An der Fussball-WM in Brasilien, an der die Fifa zwei Jets angemietet hatte, düsten vor allem zwei Funktionäre durchs Land: Präsident Sepp Blatter und sein Generalsekretär.

Forderung: Zehn Millionen für Abgang

Inzwischen ist Valcke am Fifa-Sitz in Zürich eine Persona non grata. Im Januar wurde er mit sofortiger Wirkung aus dem Verband geworfen. Anfänglich bot man ihm noch einen geordneten Rückzug an. Domenico Scala, Präsident der Audit & Compliance-Kommission, schlug eine Auflösungsvereinbarung mit sofortiger Trennung vor. Valcke willigte ein, aber nur unter der Bedingung einer Abfindung über 10 Millionen Franken; Scala lehnte empört ab.

Die Munition gegen ihn lagert in einem 100-Seiten-Bericht der Prüfgesellschaft KPMG. Er liefert die Faktenbasis für die geforderte Sperre und die Busse. Ein Grossteil des Berichts ist möglichen Interessenkonflikten und dem lockeren Umgang mit Fifa-Ressourcen gewidmet. Im März wurde bekannt, dass die Bundesanwaltschaft ein Verfahren gegen ihn eröffnete.

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