Mitte August hat die Bankenkommission wegen geringer Eigenmittel und hoher Klumpenrisiken die Liquidation der A&A Actienbank verfügt. Damit ist das Institut gerade mal vier Jahre alt geworden, hat in dieser kurzen Zeit aber fast nur Verlierer hervorgebracht. So den letzten Besitzer, die Zürcher Finanzgruppe SMS. Diese erwarb von der A&A Holding Anfang 2002 für einen Franken, dafür mit einem Haufen Schulden die A&A Actienbank und schoss einen zweistelligen Millionenbetrag ein. Zwar sind die anderen SMS-Töchter von der Zwangsschliessung nicht betroffen, doch könnte der finanzielle Aderlass, so meinen SMS-nahe Kreise, die Gruppe in Bedrängnis bringen. «Kein Kommentar», sagt Balz Merkli, SMS-Mitinhaber und für kurze Zeit A&A-Chefbankier. Jedenfalls wird die SMS aus dem Hauptsitz der A&A Actienbank an der noblen Adresse Bahnhofstrasse ausziehen. Balz Merkli: «Diese Lage ist für uns zu teuer.»

Die grössten Verlierer sind die einstigen A&A-Schrittmacher. Peter Zuppinger, Peter Wick und Chris Tanner sind immer noch Hauptaktionäre der A&A Holding, heute Invicta Finanz. Doch seit dem Verkauf der bedeutendsten Vermögenswerte an die SMS umfasst die Invicta lediglich noch Mini-Beteiligungen. Die Anteile des Trios – Zuppinger hält gegen 20, Wick etwa 8 und Tanner etwas über 6 Prozent – sind kaum noch etwas wert.

Geblieben sind dagegen ihre Schulden. Als die A&A-Gruppe 1998 vom Financier Ernst Müller-Möhl mit tatkräftiger Unterstützung durch Uli Sigg gegründet wurde, trat Müller-Möhl seinen Partnern Aktien ab. Da damals ein Prozent an A&A gegen eine Million Franken repräsentierte, mussten sich Wick und Tanner schwer verschulden; Zuppinger hat reich geheiratet. Nach dem Unfalltod von Ernst Müller-Möhl im Mai 2000 forderte das neue Führungstrio von dessen Witwe Carolina die Mehrheit zurück. In drei Schüben wurden 40 Prozent der Titel teuer gekauft.

Die Aktien nahm die A&A Holding teilweise in die Bücher, der Grossteil jedoch wanderte in die Depots von Zuppinger, Wick und Tanner. Womit sie sich noch stärker verschulden mussten. Die restlichen Titel boten sie den Beschäftigten an. Nur wurden 2001 die Probleme der Bank immer offensichtlicher. Die Angestellten langten erst zu, als ihnen die drei gleichzeitig Put-Optionen offerierten – wohlgemerkt auf privater Basis. Das Resultat: Da die A&A-Aktien Monate später kaum noch etwas wert waren, mussten Zuppinger, Wick und Tanner die Puts einlösen, sprich den Wertverlust auszahlen. Weitere ehemalige Mitarbeiter können ihre Beteiligung ganz abschreiben, nicht wenige sind ebenfalls hoch verschuldet.

Fast ungeschoren davongekommen ist Carolina Müller-Möhl. Der Zwang zum Verkauf der Mehrheit hat ihr einen Verlust von etwa 70 Millionen Franken erspart! «Heute halten wir nur noch eine marginale Beteiligung an der A&A-Gruppe», sagt Frank Gulich, CEO der Müller-Möhl Group, die das Erbe von Ernst Müller-Möhl verwaltet.

Im Jahr 2000 stand die A&A-Gruppe im Zenit, seither wurden gegen 200 Millionen Franken an Werten vernichtet. Dennoch sieht der einstige A&A-Chef Peter Zuppinger keinen Anlass zu Hader: «Für keinen von uns war es ein böses Erwachen. Denn jeder hat genau gewusst, welche Risiken er eingeht – auch die Banken als Kreditgeber.»
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