Heute beginnt Microsoft mit der Auslieferung von Windows 10. Für die meisten ist es kostenlos und bringt PC, Tablets, Handys, Spielkonsolen und sogar Kleinstrechner einen Technikschub. Statt Tastatur und Maus gibt es nun Touch-Bedienung sowie Sprach- und Gesichtserkennung.

Windows begründete 1985 den Erfolg von Microsoft. Jahrzehntelang spülte der Verkauf von Windows-Lizenzen Milliarden in die Kasse des Softwarekonzerns. Im Jahr 2009 surften laut statcounter.com noch beinahe 90 Prozent der Benutzer mit Windows-PC durch das Internet.

Doch die Konkurrenz wird immer stärker. Auf Smartphones entwickelten sich Apple mit iOS und Google mit Android zu Marktführern. Im PC-Markt konkurrenzieren OS X, Chrome-OS und einfach zu installierende Linux-Varianten den Windows-Markt.

Geschenkt aber nicht gratis

Dass nun die meisten PC-Besitzer das neue Windows 10 gratis erhalten, ist deshalb auch ein Befreiungsschlag von Microsoft. Wer einen PC mit Windows 7 oder 8 besitzt, wird automatisch ab Ende Juli mit der 10er-Version versorgt. Das neue Windows soll sogar später fortlaufend mit kostenlosen zusätzlichen Funktionen ergänzt werden.

Für alte Rechner mit Windows XP ist das Update allerdings kostenpflichtig und lohnt sich kaum. Windows 10 wird nämlich auch verkauft, für Private kostet es über 100 Franken, Hersteller können es aber für einige Dutzend Franken auf PC und Tablet vorinstallieren.

Windows 10 perfektioniert Ideen von Windows 8 und bietet aber auch komplett Neues. Alte Programme von Windows XP funktionieren meist weiterhin. Sehr alte Hardware, wie bejahrte Drucker oder Scanner, können allerdings mangels Treiber Probleme machen.

Finger, Stift, Sprache, Gesicht

Während erste Windows-Versionen ausschliesslich mit Tastatur und Maus bedient werden konnten, nutzt die neuste Ausgabe unterschiedlichste Bedienformen. Wie bereits von Smartphones und Tablets gewohnt, lassen sich seit Windows 8 mit einem Touch-Display ausgerüstete Notebooks einfach mit der Fingerspitze bedienen.

Vor allem beim Surfen im Internet muss man also nicht mehr mit dem Mauszeiger auf Links zielen, sondern kann diese einfach antippen. Verbessert hat Microsoft auch das direkte Schreiben auf dem Bildschirm.

Insbesondere die von Microsoft selbst hergestellten Surface-Modelle lassen sowohl handschriftliche Notizen als auch Kritzeleien auf Bildern oder Dokumenten zu. Bestenfalls wird die Handschrift in Programmen wie Onenote automatisch in «echten» Text umgewandelt.

Wer die Hände nicht frei hat, kann mit Windows 10 sogar mit seinem Rechner plaudern. Während Apple seine Spracherkennung Siri erst auf Mobilgeräten bietet, hat Microsoft seine Sprachsteuerung Cortana in PCs und Smartphones integriert.

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Sprachsteuerung erzählt sogar Witze

Insbesondere Internetsuchanfragen oder einfache Funktionen wie Termineinträge lassen sich einfach per Sprache erledigen und werden von einer Computerstimme bestätigt. Wer will, kann sich von Cortana sogar Witze erzählen lassen. Die Zuverlässigkeit der Spracherkennung reicht aber nicht aus, um komplette Textdokumente zu diktieren.

Dank Gesichts- und Fingerabdruckerkennung erlöst Windows 10 auch von Passwörtern. Eine in neusten Notebooks eingebaute 3D-fähige Kamera erkennt, wer vor dem Bildschirm sitzt und ersetzt dann das Anmeldeprozedere. Weiterhin Zukunftsmusik bleibt jedoch die Idee, den PC mit Augenbewegungen oder gar Handgesten zu steuern.

Mit Windows 10 verschmilzt Microsoft die Grenzen zwischen PC, Smartphones, Spielkonsolen und Kleinstrechnern. Auf all diesen Gerätekategorien wird Windows 10 lanciert. Der kleinste Windows-10-Rechner hat noch die Abmessungen eines Plastikfeuerzeuges.

Mit der Technik Continuum verwandelt sich ein Windows Smartphone sogar mit Hilfe von Tastatur und PC-Bildschirm in einen Mini-PC. Auf dem grossen Monitor kann man dann komfortabel mit Excel kalkulieren, während auf dem Smartphone-Display noch immer die E-Mails aufgelistet werden.

Wer es stattdessen verspielt mag, kann auf der Spielkonsole Xbox one gestartete Games am PC-Bildschirm Spiele bedienen.

Ohne TV und DVD

Bei Windows 10 hat Microsoft aber auch einige Funktionen entfernt. So lassen sich inskünftig Film-DVD nur noch abspielen, wenn man eine zusätzliche Software kauft oder den kostenlosen VLC-Player (www.videolan.org) installiert. Wer seinen PC zum Fernsehen via Antenne verwendete, wird das dazu nötige Media Center vermissen und muss auf Internetdienste wie Zattoo oder Teleboy umsteigen.

Vor dem Update empfiehlt sich deshalb eine komplette Sicherung des PC. Diese lässt sich mit Windows-Bordmitteln oder kostenlosen Programmen von Paragon (www.paragon-software.com/de/home/br-free/) bewerkstelligen.

(sda/ccr)

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