Mit 4000 Bildern, 5000 Zeichnungen, 65000 Fotografien und einer Flut von Siebdrucken hat Andy Warhol (1928–87) ein immenses Œuvre hinterlassen. Bereits ein Jahr nach seinem Tod durchbrach ­eines seiner Werke auf einer Auk­tion ­erstmals die Millionengrenze. Seine alltäglichen Sujets, hochstilisiert zu Ikonen des Banalen, bilden eine marktgängige Mischung, welche ­in­zwischen bis zu zweistel­li­ge ­Millionenpreise erzielt. So wurde eines seiner Selbstporträts im Mai 2010 bei Sothe­by’s in New York für 29 Mil­lionen Dollar zugeschlagen.

Museen wie Auktionshäuser können deshalb nach wie vor getrost auf die Warhol-Be­geisterung setzen. Pünktlich zu seinem 25. Todestag startete die Ausstellung «Andy Warhol: 15 Minutes Eternal» mit Christie’s als Sponsor in Singapur ihre zweijährige Tournee durch Asien. Noch bis zum 13. Mai zeigt das MMK Frankfurt die Schau «Warhol: Headlines». Anschliessend wandert sie dann weiter nach Rom und Pittsburgh.

Nicht von ungefähr bilden auch 14 Werke des Publikumslieblings eine Attraktion der Kunstsammlung des 2011 ver­storbenen Playboys Gunter Sachs. Der Schwerpunkt der viel beachteten, über Jahrzehnte aufgebauten Sammlung liegt bei Werken der Pop-Art, des Surrealismus sowie seltenen Möbeln. Ein Teil davon wird nun am 22. und 23. Mai bei Sotheby’s in London versteigert. Die rund 300 Lose haben einen Gesamtschätzwert von über 20 Millionen Pfund.

Sachs und Warhol waren Freunde

Gunter Sachs, Sohn eines Kugellager­fabrikanten, war nicht nur ein Lebemann, sondern zugleich einer der visionärsten Sammler seiner Zeit. Im Mittelpunkt ­seiner Sammlung steht eine aussergewöhn­liche Gruppe von Arbeiten von Andy ­Warhol, Tom Wesselmann und Roy Lichtenstein, die Gunter Sachs in den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren erwarb. Vieles davon hat er direkt von den Künstlern gekauft oder für seine Wohnung in St. Moritz in Auftrag gegeben. Sein legendäres Domizil liess er Ende der 60er-Jahre zudem von Künstlern ausstatten: Andy Warhol entwarf die Küche, Roy Lichtenstein gestaltete das Badezimmer.

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Mit Warhol, den er beim Filmfestival in Cannes kennengelernt hatte, war Sachs seit 1972 eng befreundet. Beide teilten die Leidenschaft für Kunst und das Filme­machen. Im selben Jahr organisierte Sachs in seiner Hamburger «Galerie an der Milchstrasse» die erste grosse Ausstellung des US-Künstlers in Europa. Doch an der Vernissage konnte Warhol kein einziges Bild verkaufen. Um seinem Freund eine Blamage zu ersparen, kaufte Sachs ein Drittel der Bilder selber.

Zu den Höhepunkten der Auktionen gehört Warhols Porträt von Brigitte Bardot (1974, Schätzwert 4,5 bis 6 Millionen Franken), mit der Gunter Sachs 1966 bis 1969 verheiratet war. Das Werk gab er erst einige Jahre nach der Scheidung in Auftrag. Es entstand in der Tradition von Warhols Porträts der 60er-Jahre von Marilyn Monroe und Liz Taylor. Auf Sachs’ Wunsch wurde es im selben 122 mal 122 ­Zentimeter grossen Überformat ­erstellt wie sein eigenes Porträt, das Warhol 1972 schuf und das nun auf 600 000 bis 900 000 Franken geschätzt ist.

Zu den Ikonen der Pop-Art zählt auch ein 122 mal 122 Zentimeter grosses Gemälde mit vier Hibiskusblüten von 1964/65, das Sachs 1979 erwarb. Es ist eines von nur sechs Werken, die der Künstler in diesem Format produziert hat, und besticht durch seine kühne Bildsprache und lebhafte Farbgebung (Taxe 4,5 bis 6 Millionen Franken). Aufgerufen wird auch eines der letzten Selbstporträts von Andy Warhol, «Pink Fright Wig» (1986, Taxe 3bis 4,5 Millionen Franken), sowie seine bemerkenswerte Interpretation des Dracula-Kusses von 1963 mit einer Schätzung von 1 bis 1,3 Millionen Franken.

Sammlung Gunter Sachs, Sotheby’s London, 22./23. Mai 2012