Der Uno-Sicherheitsrat hat den früheren portugiesischen Ministerpräsidenten António Guterres einstimmig offiziell für das Amt des Generalsekretärs der Vereinten Nationen nominiert. Guterres nahm die Entscheidung in einer Rede in Lissabon mit «Demut und Dankbarkeit» zur Kenntnis.

Damit hat Guterres, der frühere Chef des Uno-Flüchtlingshilfswerks, den Posten des Uno-Chefs so gut wie sicher. Die Uno-Vollversammlung muss über die Personalie zwar auch noch abstimmen, das gilt aber als Formalie. Das 193 Mitgliedsstaaten zählende Uno-Plenum hat in der rund 70-jährigen Uno-Geschichte eine solche Personalie noch nie blockiert.

Früherer Ministerpräsident

Dass der junge Student, der damals in Armenvierteln Lissabons Sozialarbeit verrichtete, es einmal zum Flüchtlingskommissar der Uno bringen würde, hätte Ende der 1960er Jahre in der portugiesischen Hauptstadt wohl niemand vorausgesagt. Jetzt soll António Guterres sogar Uno-Generalsekretär werden.

Der 67 Jahre alte frühere Ministerpräsident Portugals (1995-2002) ist seit jeher ein Humanist, aber auch ein Realist und ein «Macher».

Auf dem Feld spielen

Als er vor der Präsidentenwahl Anfang des Jahres in Portugal die Nominierung der Sozialistischen Partei (PS) ausschlug, sagte er in einem Interview des Fernsehsenders «RTP»: «Ein Staatsoberhaupt ist so etwas wie ein Schiedsrichter. Ich möchte aber Ball spielen, ich möchte auf dem Feld sein, Action haben, ständig eingreifen.» Schon als Student habe er «eine Gesellschaft voller Ungerechtigkeiten verändern» wollen.

An der Spitze der Vereinten Nationen will der gelernte Ingenieur nun seine «ganze Erfahrung einsetzen», wie Guterres schon vor einigen Monaten erklärte.

EU an Pranger gestellt

«Ich habe in Portugal eine Revolution (die Nelkenrevolution von 1974) erlebt, ich war dann bei der Demokratisierung unseres Landes an vorderster Front, war Partei- und Regierungsmitglied und dann Regierungschef. Und dann hatte ich diese unglaubliche Chance, zehn Jahre lang (2005-2015) bei der Unterstützung der Flüchtlinge zu helfen.»

Als Flüchtlingskommissar musste Guterres mit schlimmen Vertreibungskrisen fertig werden. Dabei stellte er auch die Unfähigkeit der Europäischen Union unumwunden an den Pranger.

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Strukturreform vorzuweisen

Auf der Homepage des Uno-Flüchtlingskommissariats ist im Porträt des Mannes aus dem Lissabonner Vorort Santos-o-Velho zu lesen, er habe eine «tiefgreifende Strukturreform» vollzogen, das Personal um 20 Prozent reduziert und mit geringeren Ausgaben wirksamer gearbeitet.

Die Welt kann in der Tat hoffen, dass mit Guterres ein fähiger Mann nun das Steuer bei der Uno übernimmt. Das sagt schon ein schneller Blick auf den Lebenslauf des zweifachen Familienvaters, der fliessend Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch spricht: Er war zum Beispiel der einzige portugiesische Ministerpräsident, der mit einer Minderheitsregierung eine volle Legislaturperiode überstand.

Kein Utopist

Guterres will «machen», er bleibt dabei aber mit beiden Füssen fest auf dem Boden, verspricht keine Utopien. Schon 2002 sagte er: «Wenn man nicht an Grössenwahn leidet, weiss man, dass man nicht versuchen kann, die Menschheit sozusagen zu retten. Ich will die Menschheit nicht retten, ich will aber all das machen, was in meiner Macht steht, um Verbesserungen zu erreichen.»

(sda/jfr)