In exakt einer Woche schaut die Welt auf das Bergdorf Davos GR: Das jährliche WEF-Stelldichein der Reichen und Mächtigen beginnt. Die meisten kommen nicht alleine, sondern mit einem ganzen Tross an Managern, Assistenten und Sicherheitsleuten. Wer jetzt noch für die WEF-Woche eine Unterkunft sucht, muss tief in die Tasche greifen und darf keine Platzangst haben. Auf den einschlägigen Portalen wie Booking oder AirBnb sind nur noch wenige Objekte zu horrenden Preisen verfügbar.

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Etwa ein 32-Quadratmeter-kleines 2-Zimmer-Studio für knapp 60'000 Franken für die vier WEF-Nächte zwischen dem 19. und 23. Januar. Eine ganze Woche zu diesem Preis? Fehlanzeige, wer einen Tag früher anreisen möchte, zahlt 6000 Franken zusätzlich. Einziger Lichtblick: Das Studio liegt in Gehdistanz zum Kongresszentrum.

Alles Ladenhüter? Nein, innerhalb eines Tages sind vier der acht letzten Angebote auf Booking verschwunden, Appartements für zum Teil 40'000 Franken für ein paar Nächte in Davos. Sie haben offenbar eine zahlungswillige Kundschaft gefunden.

Alle wollen mitverdienen

Peter Zombori von Premium Switzerland (54) vermittelt seit Jahren während des WEF Luxusimmobilien in Davos: «Die Preise sind auf sehr hohem Niveau stabil.» Zombori hat auch schon grosse Chalets für eine halbe Million Franken die Woche vermietet – zehnmal mehr, als eine normale Woche kosten würde.

Ganz Davos wittert am WEF das grosse Geschäft. «Wir wurden von privaten Vermietern kontaktiert, die zum ersten Mal vermieten wollten», sagt Zombori. Zum Teil mit wahnwitzigen Preisvorstellungen: «Uns wurden Bruchbuden für 150'000 bis 200'000 Franken pro Woche angeboten, da spielen wir nicht mehr mit.» Und noch etwas hat der Makler beobachtet: «Ein grosser Kunde hat sich entschieden, ein Haus in Davos fürs ganze Jahr zu mieten, anstatt in der WEF-Woche einen horrenden Aufpreis zu bezahlen.»

Die Geldgier in Davos während der WEF-Woche scheint grenzenlos. Das spüren auch immer mehr Davoser Mieterinnen und Mieter, die das ganze Jahr über im Bergdorf leben. Denn Häuser, die von Firmen permanent gemietet werden, weil es billiger kommt, verschwinden vom Markt. Die Leerstandsquote in Davos ist nahe bei null. So etwas kennt man sonst nur aus Städten mit Wohnungsnot wie Zürich, Basel oder Genf.

Keiner will sich wehren

Bezahlbaren Wohnraum in Davos zu finden, wird für Familien, die Angestellten in den Hotels und Restaurants oder für das Pflegepersonal im Spital immer schwieriger. Dazu kommt ein in der Schweiz einmaliger Bestandteil in immer mehr Davoser Mietverträgen: Die WEF-Klausel! Das bedeutet, wer eine Wohnung mietet, darf sie an 51 Wochen im Jahr bewohnen, muss sie aber in der WEF-Woche freigeben. Die Einheimischen müssen ihre Bleibe verlassen, damit der Vermieter die Wohnung an das zahlungskräftige Klientel aus dem Ausland vermieten und so richtig abkassieren kann.

Joshua Wada (30) wohnt selbst in Davos und kämpft als Präsident des Mieterinnen- und Mieterverbandes Graubünden seit Jahren gegen die nach geltendem Mietrecht «unzulässige und damit nichtige Klausel». Ohne Erfolg, denn es fänden sich noch keine Mieter, die sich vor Gericht dagegen wehren würden. «Niemand will es sich dauerhaft mit dem Vermieter verderben», so Wada. Es sei für viele eine sehr mühsame Woche, «doch in der momentanen Wohnungssituation nehmen die Leute das kleinere Übel in Kauf.»

Wada weiss, wovon er spricht: Als er vor ein paar Jahren eine Wohnung gesucht hat, hätten zwei von drei Angeboten die WEF-Klausel im Vertrag gehabt: «Ich hatte noch eine Auswahl und konnte eine Wohnung ohne WEF-Klausel mieten.» Eine Wahl, die heute viele Wohnungssuchende in Davos nicht mehr haben.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Blick.