Das nennt man wohl ein klassisches Störfeuer. Nur eine Woche nachdem BMW stolz der Weltöffentlichkeit seinen neuen 3er präsentierte, kontert Audi mit einem neuen A4. Zufall? Natürlich nicht, sondern ein wohl geplantes Ablenkungsmanöver, um den Münchnern nicht allein die Show zu überlassen. Auge um Auge – die beiden Erzrivalen schenken sich nichts. Doch was da aus Ingolstadt vollmundig als neu angepriesen wird, ist in Wahrheit nur ein lauter Zwischenruf. Schon im ersten Satz der Pressemitteilung werden die Töne leiser: "Audi hat die A4-Baureihe überarbeitet", heisst es dort. Eine typische Modellpflege also. Schliesslich wird der A4 inzwischen auch schon vier Jahre alt. Da mag er noch so gut dastehen, wenn BMW frisches Blech auf den Laufsteg fährt, kommt Audi unter Zugzwang.

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Auch Superstars kommen in die Jahre. Jetzt gibt es Botox und ein paar kleinere Eingriffe in die inneren Organe. Aber reicht das, um gegen den 3er zu bestehen? Denn mit dem F30 bringt BMW eine wirklich neue 3er-Baureihe auf den Markt. Seit 1975 ist es bereits die sechste Auflage der Mittelklasse-Limousine. Leider konnte auch BMW dem Trend nicht widerstehen, bei jeder neuen Modellgeneration ein paar Zentimeter Aussenlänge draufzulegen. Und so wächst der 3er von 4,53 auf 4,62 Meter. Klar, BMW verschafft den Fondinsassen etwas mehr Luft für Knie und Kopf. Aber Kompaktheit ist schliesslich auch eine Tugend. Der Audi misst sogar 4,70 Meter. In einer engen Parklücke oder kleinen Garage kann das schon mal ein ärgerlicher Unterschied sein. Beim Radstand herrscht jetzt Gleichstand. Bei beiden Autos liegen die Achsen exakt 2,81 Meter auseinander. Der kürzere BMW trumpft daher mit knapperen Überhängen auf, was Optik und Fahrdynamik zugute kommen soll.

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Die auffälligsten A4-Modifikationen werden an den Scheinwerfern sichtbar. Sie haben ein neues Innenleben. Statt des aggressiven LED-Tagfahrlichts in Punktoptik bilden die Leuchtdioden jetzt wie beim A6 eine schmale Spange. Der Bereich der Scheinwerferlinse bleibt offen. Nach wie vor kostet das Xenon-Plus-Licht kräftig Aufpreis. Auch die Heckleuchten zeigen nun homogene LED-Bänder statt der markanten Einzeldioden-Optik. Beim 3er ist die Lichttechnik ganz ähnlich. Doch BMW bleibt natürlich den typischen Coronaringen treu. Ob im Rückspiegel oder von hinten – ein Audi wird sich auch künftig im Dunkeln sofort von einem BMW unterscheiden lassen. Aber ob A4, A6 oder A8, ob 3er, 5er oder 7er – bei beiden Marken rücken die Modelle optisch noch näher zusammen. Innen bleibt der A4 weitgehend unverändert. Neben neuen Chromeinlagen und Holzapplikationen hat Audi vor allem die Sitzklimatisierung optimiert. Sie wird jetzt direkt über je einen Tastschalter bedient. Die Vorzüge von Audi-MMI oder BMW-iDrive bleiben auch künftig Geschmacksache. Beide Systeme erfordern Eingewöhnung und funktionieren dann intuitiv.

Die grösseren Unterschiede zwischen A4 und 3er liegen in der Antriebstechnik. Audi setzt in der Regel auf Front-, BMW auf Hinterradantrieb. Auch bei der Kraftübertragung verfolgen beide Marken unterschiedliche Philosophien. Handschaltung mit sechs Gängen gibt es für A4 wie für den 3er. Wer allerdings eine Automatik wählt, bekommt bei Audi entweder ein stufenloses Getriebe (Multitronic) oder für die stärkeren Allrad-Motorisierungen das siebengängige Doppelkupplungs-Räderwerk (S-Tronic). BMW dagegen übernimmt nun auch für den 3er den Achtstufen-Wandlerautomaten von ZF. Er ist für alle Motoren erhältlich und serienmässig mit Start-Stopp-Funktion ausgerüstet. In Sachen Effizenz hat BMW die Nase vorn. Zumindest auf dem Papier. Für den 320d Efficent Dynamics Edition kündigen die Münchner einen Fabelwert von 4,1 Liter Diesel pro 100 Kilometer an.

Damit hätte die 163 PS starke Limousine einen CO2-Ausstoss von 109 Gramm pro Kilometer. Audis Verbrauchskönig heisst A4 2.0 TDI, hat 136 PS und kommt auf einen Werkswert von 4,2 Liter (112 g/CO2 pro Kilometer). Auch beim Thema Hybrid will BMW Audi schlagen. Der Active Hybrid3 basiert auf dem 335i und hat 340 PS Systemleistung. Er soll bereits kurz nach Einführung der normalen 3er die Modellpalette ergänzen. Ein entsprechendes Gegenangebot aus Ingolstadt ist derzeit noch nicht in Sicht. Aber das kann sich ja schnell ändern. Ob der aufgefrischte A4 mehr als ein Störfeuer ist, wird der erste Test zeigen. Und auf der Strasse sieht vieles oft ganz anders aus als im Prospekt.

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