Während ich gerade die Meldung lese, dass der neue Audi A6 Avant, der möglichst unauf­fällige Hochleistungskombi der Schweizer par excellence, künftig als elektrifizierter Plug-in-Hybrid zu haben ist, kurve ich das wohl allerletzte Mal in einem R8 über den Albispass. Der Avant wird nun auf Umweltfreundlichkeit getrimmt. Nicht dass daran was auszusetzen wäre. Aber es ist eben auch ein Zeichen für die einkehrende Abkehr vom Fahrspass: Dass man in Kauf nimmt, eine schwere Batterie mitzuschleppen, gleich zwei Antriebe, Elektro und Verbrenner, einzubauen und alte Autotugenden wie geringes Leistungsgewicht hinter sich zu lassen.

Da kommt der R8 ins Spiel. Ein Sportwagen, der nichts weiter konnte, als ­sportlich zu sein – und so auszusehen, mit einer gewissen charmanten Aggressivität. Konzernschwester Lamborghini hat ja den «Ich-will-um-jeden-Preis-auffallen-Sportwagen» erfunden. Der Audi R8 war viele Jahre, zumindest bis zur Ankunft des Mercedes AMG GT, Deutschlands dickste Hose auf der Strasse.

Wer ihn kauft, will gesehen werden

Genau hier liegt der Unterschied zwischen R8 und Porsche 911: Der 911 ist Understatement für ambitionierte Fahrer. Der R8 drängt ins Rampenlicht – wer ihn kauft, will gesehen werden.

Und nun lässt Audi dieses Modell wohl auslaufen. Die Kohlendioxid-Grenzwerte lassen grüssen, ein halblegaler Nachfolger namens AI:Race dürfte mit rein elektrischem Antrieb ­kommen. Geringe Chancen bestehen auf einen Zombie-R8 mit Hybridmotor, weil Konzernschwester Lamborghini mit ihrem ­Huracan in diese Richtung plant.

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Audi R8

Deutsche Ingenieursqualität: Der R8 ist Sportler durch und durch.

Quelle: PD

Abschied von Audis letztem Imageträger

Das Ende des echten R8 stimmt traurig. Immerhin ist er Audis letzter Imageträger. Limousinen, SUV-Coupés und Fünftürer mit scharfgemachten Turbos verkaufen auch die anderen. BMW, eigentlich die sportlichste Marke der deutschen Dreifaltigkeit, leistet sich seit dem Ende der ikonischen Badewanne Z8 immerhin noch den futuristischen Hybrid i8. Mercedes hat den optisch gelungenen AMG GT am Start.

Ein Hersteller muss von Zeit zu Zeit zeigen, dass er «es kann», weil ein Traumwagen seine kleinen Brüder veredelt. Dass es Audis Designchef Marc Lichte kann, zeigt sein AI:Race. Nun sollten seine Bosse Lichte ­machen lassen.

Bis es so weit ist: Holen Sie sich, sofern einige Scheine in der Küchenschublade dämmern, noch einen R8! Ein ­böses Teil in deutscher Ingenieursqualität – da macht man nichts falsch, sondern verpasst der eigenen Hose ein Upgrade. Und wenn der Nachfolger ähnlich scharf aussieht, aber stromert und «e-tron GTR» oder so heisst, okay: Keiner behauptet, es komme auf die äusseren Werte nicht an.

Audi R8

Antrieb: 5,2-Liter-­V10-Sauger
Verbrauch: 14,1 Liter Super Plus
Leistung: 620 PS (456 kW)
0–100 km/h: 3,1 s
Vmax: 331 km/h
Preis: ab 229 500 Fr. (als V10 Performance)