Wer den anderen davonfährt, der tritt entsprechend selbstsicher auf. Audi-Chef Rupert Stadler tut dies ausgiebig, tatkräftig sekundiert von seinen PR- und Marketingspezialisten. Jüngstes Beispiel ist die bevorstehende Markteinführung des Audi A1 Sportback, der hierzulande seit diesem Monat erhältlich ist. Bei dem Wagen handelt es sich um die fünftürige Ver­sion des bereits 2010 lancierten Kleinwagens A1 mit zwei Türen und Heckklappe. Mit dem Sport­back startet Audi einen Frontalangriff gegen den Mini, den BMW vor Jahren erweckte und der inzwischen, wie bereits der Ur-Mini, quer durch die Kundschaft Kultstatus geniesst.

Was BMW mit Mini kann, das können wir auch, hat sich offenbar die Audi-Führung gesagt – und wagte sich ins schwierige Segment der Kleinwagen, zuerst mit dem zweitürigen A1. Selbstverständlich hatte das neue Auto nicht nur klein, sondern auch «Premium» zu sein. Es ist der Lieblingsbegriff deutscher Hersteller. Damit wollen sie ausdrücken, dass sie an der Spitze stehen, egal ob in der Oberklasse oder bei den Kleinwagen.

Diese Positionierung hat ihren Preis. Die jetzt um den Sportback erweiterte ­A1-Reihe ist wie Erzrivale Mini nichts für schmale Geldbörsen. Der neue Kleine aus Ingolstadt kostet auf dem Schweizer Markt mindestens 26250 Franken. Die Preisspanne reicht für die verschiedenen Basisversionen, mit vorerst drei Benzin- und zwei Dieselmotoren, bis zu 40900 Franken (185 PS, 1,4-Liter-TSFI-Benziner). Wer sich noch Sonderwünsche erfüllen will, der findet diese in einer langen Ausstattungsliste. Dann allerdings passiert der Käufer schnell einmal die 50000-Franken-Barriere. Für einen Kleinwagen mit Pre­miumstatus ist das viel Geld.

An diesem Punkt fragt man sich, was ein so teurer Kleinwagen alles bietet. Im technischen Bereich ist der Sportback top. Dazu einige Beispiele: Seine Benzin- und Dieselmotoren mit kleinen Hubräumen, dafür mit Turboaufladung, sind konsequent auf Effizienz ausgelegt. Die sparsamste Version kommt mit – gemäss Werk – lediglich 3,8 Liter Diesel für 100 km aus (nach EU-Fahrzyklus). Weitere technische Raffinessen sind eine Start-Stopp-Automatik, die Direkteinspritzung sowie ein Doppelkupplungsgetriebe (7 Gänge), das bei Audi S-tronic heisst.

Etwas später wird die Motorenpalette um einen 2-Liter-Diesel und einen 1,4-Liter-Benziner erweitert. Auch Motoren mit Zylinderabschaltung sind vorgesehen. Diese Technik war bisher nur für grosse Maschinen vorgesehen, für Achtzylinder beispielsweise. Jetzt versucht es Audi mit Vierzylindern. Der Motor läuft, wenn er nicht unter Volllast arbeitet, mit nur zwei Zylindern. Während erster Testfahrten für Journalisten liess sich praktisch nicht feststellen, mit wie vielen Zylindern der Sportback unterwegs war. Die Technik übernahm Audi von seinem Flaggschiff, dem S8.

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Und was ist mit dem Platz? Der Sportback mit vier Türen weist dieselben Ausmasse wie sein Schwestermodell mit zwei Türen auf. Einmal abgesehen davon, dass durch die hinteren Türen der Zugang zur Rückbank deutlich bequemer wird, ist kaum zusätzlicher Platz für die Insassen vorhanden, speziell was die Beinfreiheit betrifft. Die Aussage von Audi, der Sportback werde auch junge Familien ansprechen, muss deshalb relativiert werden. Wenn, dann eignet sich das Modell als Zweitwagen auf Kurzstrecken für Familien, die sich den Luxus eines reinen Lifestyle-Produkts auf vier Rädern leisten können.

Das Fazit: Der Audi A1 Sport­back ist technisch und qualitativ ein Kleinwagen auf sehr hohem Niveau. Doch es fehlt ihm (noch) der Kultstatus. Dies ist ein wichtiger Punkt, denn wer sich einen zwar schicken, aber teuren Kleinwagen kauft, der erwar­­tet nicht nur Spitzentechnik und hohes Ausstattungsniveau, sondern eben das spezielle Etwas. Bis aber der A1 über den Premiumstatus hinauswächst und zum Kultmobil wird, müssen noch einige Kilometer zurückgelegt werden.