Blancpain nimmt für sich in Anspruch, die älteste noch existierende Uhrenmarke der Welt zu sein. 1735 eröffnete Jehan-Jacques Blancpain in Vil­leret BE zusammen mit seinen Söhnen und Geschwistern ein Uhrenatelier. Sein Enkel David-Louis begann gegen Ende des 18.  Jahrhunderts, die europäischen Metropolen einmal im Jahr per Pferd zu beliefern. Durch den wirtschaftlichen Aufstieg Frankreichs nahm die Nachfrage nach Taschenuhren zu, und das Geschäft blühte. Blancpain steigerte die Fertigungstiefe und spezialisierte sich auf hochwertige und damit teure kleine Zeitmesser.

Während sieben Genera­tionen blieb das Unternehmen in Familienhand, bis 1932 Frédéric-Emile Blancpain ohne männliche Nachkommen starb. Die Firma wurde von zwei leitenden Angestellten übernommen und lebte unter dem Namen Rayville (ein phone­tisches Anagramm des Firmensitzes Villeret) weiter. 1953 entwickelte sie im Auftrag der französischen Marine eine Automatikuhr, die bis auf 50 englische Fäden (rund 91 Meter) wasserdicht sein musste: Die Fifty Fathoms war geboren. Sie gilt heute zusammen mit der Rolex Submariner als erste Taucheruhr mit verstellbarer Lünette zum Anzeigen der Tauchzeit und wurde von den Kampfschwimmer-Einheiten verschiedener Länder übernommen.

1960 kaufte die SSIH, der Vorvorläufer der heutigen Swatch Group, die Firma. In der Uhrenkrise der siebziger Jahre schien auch für Blanc­pain das letzte Stündlein geschlagen zu haben: SSIH legte die Marke still. Bis 1983 Jean-Claude Biver, heute Hublot-Chef, kam. Zum Schnäppchenpreis von 18  000 Franken kaufte er zusammen mit Jacques Piguet die Rechte und die Archive von Blancpain. In der Folge lancierten die beiden Luxusarmbanduhren mit anspruchsvollen Werken aus dem Hause Piguet. Der damals geprägte Werbespruch «Seit 1735 gibt es bei Blancpain keine Quarzuhren. Es wird auch nie welche geben» gilt noch immer, auch wenn er derzeit nicht verwendet wird.

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Seither macht Blancpain vor allem mit Komplikationen von sich reden. Etwa mit dem ersten automatischen Tour­billon mit Acht-Tage-Werk und Datumsanzeige, mit den «Sechs Meisterstücken», jeweils einer Komplikation in ultraflachem Platingehäuse, oder mit dem 1991 präsentierten Modell 1735, der damals kompliziertesten Armbanduhr der Welt mit ewigem Kalendarium, Chronographe rattrapante, Tourbillon und Minutenrepetition in 740 Einzelteilen. 30 Stück gingen zum Preis von je 900  000 Franken weg.

Der Erfolg von Blancpain war mitverantwortlich für die Renaissance der mechanischen Uhrenindustrie – und blieb auch Nicolas Hayek nicht verborgen. 1992 kaufte der Swatch-Group-Chef die wiedererstarkte Marke sowie die dazugehörige Werkmanufaktur Piguet zurück. Geschätzter Preis: 70 Millionen Franken. Biver blieb bis 2000 Chef, dann übergab er das Kommando an Marc Alexander Hayek. Auch unter diesem werden uhrmacherische Highlights präsentiert, 2008 etwa das erste fliegende Karussell in einer Armbanduhr. Gleichzeitig positioniert er die Marke neu.

Heute blickt Blancpain auf 275 Jahre Geschichte zurück. Die Krone, die älteste ohne Unterbruch tätige Uhrenmarke zu sein, gebührt freilich einem anderen Schweizer Hersteller: Vacheron-Constantin, der seit 1755 in Genf produziert und heute zum Swatch-Group-Konkurrenten Richemont gehört.