Neue digitale Dienste sieht BMW-Entwicklungvorstand Klaus Fröhlich vorerst nicht als Goldgrube der Automobilindustrie. «Es gibt den Hype über so und so viel Beitrag zum Unternehmensergebnis - aber wir haben erstmal die dringende Aufgabe, damit unser Geschäftsmodell zu erhalten und das bisherige Ergebnis zu sichern», sagte Fröhlich in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters auf der Automesse in Genf. «Darauf aufbauend wird es nach unserer konservativen Einschätzung erstmal einen sehr kleinen unternehmerischen Beitrag durch Services geben.»

Digitalisierung und Vernetzung in Genf das Thema

Der Megatrend Digitalisierung und Vernetzung von Autos ist auf der Messe in Genf in aller Munde. Volkswagen kündigte an, das Thema ganz oben auf die Agenda zu setzen und drei Entwicklungszentren dafür zu gründen. Daimler führte die neue E-Klasse als Modell vor, das mit Parkpilot und automatischem Abstandhalten bis zu 200 Stundenkilometer Geschwindigkeit digital auf dem neuesten Stand sein soll. Nebenan hat BMW auf dem Messestand einen Schwerpunkt zum «connected car».

Die Autobauer investieren viel Geld in den Technologieschub - wie viel sie eines Tages damit verdienen können, ist allerdings die Frage. Audi-Chef Rupert Stadler gehört zu den Optimisten. Er sagte kürzlich dem «Handelsblatt»: «Wir werden eines Tages wohl die Hälfte unseres Umsatzes in diesen neuen Feldern erwirtschaften.»

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Kundendaten vor Google abschotten

Doch Fröhlich zufolge treibt die Autoindustrie dabei vor allem die Angst vor dem Niedergang an. «Kundenschnittstelle» heisst der Schatz, den die Autobauer bewahren wollen. Denn durch das Vernetzen des Autos drängten sich neue Spieler zwischen Käufer einerseits und Hersteller sowie Händler eines Fahrzeugs andererseits.

Die Horrorvorstellung, die BMW zusammen mit Audi und Daimler zur gemeinsamen Übernahme des Navigationskartendienstes Nokia Here veranlasste, hat den Namen Google. Der Internet-Konzern könnte die Daten der Autofahrer nutzen, um ihnen Angebote rund um die Mobilität zu machen. «Wir werden nicht unsere Kundendaten an Leute geben, die an der kalifornischen Küste oder in China damit machen, was sie wollen», betonte Fröhlich. Deshalb müssten die Autobauer die Kundenschnittstelle durch Service-Angebote erobern, um ihr Geschäftsmodell zu erhalten. Sonst ende die Industrie als Auftragsfertiger wie das chinesische Unternehmen Foxconn, das für Apple oder Microsoft nur die Blechhülle liefere.

Suche nach neuen Mobilitätsdiensten

Doch sind die Autobauer noch auf der Suche nach den neuen digitalen Dienstleistungen. Besetzen will BMW nach Aussage von Fröhlich das Feld Mobilitätsdienste. Stichworte sind Car-Sharing und Ride-Sharing - also das Mieten von Autos für kurze Zeit oder das Vermitteln von Fahrgemeinschaften. Auch Wartungsdienste könnten weiter ausgebaut werden. «Zur Mobilität können wir einen umfassenden Service anbieten - hier werden wir eine starke Rolle spielen», sagte Fröhlich.

(reuters/ccr)

Selbstfahrende Autos, Drohnen und die schnellsten Sportwagen - das sind die Trends am Autosalon in Genf: