Der ehemalige britische Aussenminister Boris Johnson hat das Rennen um die Nachfolge von Premierministerin Theresa May für sich entschieden. Er ist damit Chef der Konservativen Partei und soll am Mittwoch von Königin Elizabeth II. zum Premierminister ernannt werden.

Johnson hat es schon lange auf das Amt des Premierministers abgesehen - daran gibt es kaum einen Zweifel. Der britische Ex-Aussenminister und frühere Londoner Bürgermeister hat zuletzt tatkräftig mitgeholfen, Theresa May zu Fall zu bringen.

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Sie selbst hatte ihn 2016 nach dem knappen Votum der Briten für den EU-Austritt als Aussenminister in ihr Kabinett geholt. Später löste sich der heute 55-Jährige aus der Umklammerung. Er trat von seinem Kabinettsposten zurück und schrieb fortan in einer wöchentlichen «Telegraph»-Kolumne gegen Mays Brexit-Pläne an.

Nachdem May Anfang dieses Jahres drei Mal mit ihrem Brexit-Deal im Parlament in London gescheitert war und Nigel Farage mit seiner Brexit-Partei bei der Wahl zum EU-Parlament zur stärksten Kraft in Grossbritannien wurde, sah Johnson seine Chance gekommen, zumal May ihren Rücktritt ankündigen musste.

Beliebt bei der Basis

Johnson trauen nun viele Briten zu, enttäuschte Brexit-Wähler, die sich von den Konservativen wegen des bis Ende Oktober verschobenen EU-Austritts abgewendet haben, wieder einzufangen.

Problemlos nahm Johnson die erste Hürde, eine Vorauswahl der Kandidaten innerhalb der einst skeptischen Tory-Fraktion. Auch in der Finalrunde, bei der die Parteimitglieder das Sagen haben, ist ihm ein Sieg so gut wie sicher. An der Basis war Johnson schon immer beliebt.

Den Brexit-Hardlinern in der Konservativen Partei verspricht er einen EU-Austritt zum 31. Oktober - mit Abkommen oder ohne. Gleichzeitig behauptet er aber, die Chancen eines No-Deal-Brexit seien eins zu einer Million.

Mit Witz und Charme

Ob er tatsächlich einen detaillierten Plan hat, wie er das Brexit-Dilemma lösen will, darf bezweifelt werden. Regeln oder Details interessieren Johnson kaum.

Er ist gewohnt, sich mit Witz und Charme darüber hinwegzusetzen. Diese Strategie hat ihn in Grossbritannien in das höchste politische Amt getragen. Fraglich ist jedoch, ob sein Charme auch in Brüssel und anderen europäischen Hauptstädten verfängt.

Trotz seines Talents, den vermeintlich einfachen Mann anzusprechen, ist Johnson ein Mitglied der britischen Oberschicht. Er besuchte das Elite-Internat Eton, studierte in Oxford und war zeitweise Präsident des Debattierclubs Oxford Union sowie Mitglied der als dekadent verschrienen Studentenverbindung Bullingdon-Club.

(sda/ccr)