Inzwischen ist es eine Tradition bei der CES: Zum Auftakt der Technik-Messe gibt es mindestens einen Auto-Prototypen. Die Autos sollen die Stärken von Vernetzung und Roboterwagen-Software demonstrieren.

Das Auto soll künftig mehr als ein Auto sein. Nicht nur ein Fortbewegungsmittel, das einen von A nach B bringt, sondern Freizeit-Zone, Rückzugsort, Unterhaltungszentrale – kurzum: ein Raum, in dem man gerne Zeit verbringt. Das ist die Idee, mit der Fiat Chrysler auch jüngere Generationen wieder zum Autokauf bewegen will. Denn viele unter ihnen interessieren sich nicht dafür, ein eigenes Auto zu besitzen, sondern verlassen sich auf Mietwagen und Fahrdienste. Der Branche drohen Geschäftsrückgänge.

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Bis ins kleinste Detail durchdacht

Zur Technik-Messe CES in Las Vegas reifte die Vision zu einem fertigen Chrysler-Prototyp heran. «Portal», ein Auto mit auffälligen Schiebetüren und viel Glas sowie einem fast komplett umbaubaren Innenraum. Ziel der Entwickler sei es gewesen, ein Auto für junge Käufer so begehrt zu machen wie ein Smartphone, sagte Chrysler-Managerin Ashley Edgar.

Dafür hat der italienisch-amerikanische Autohersteller, der seit Jahren mit Grösse sein Überleben in der hart umkämpften Branche sichern will, «Portal» bis ins kleinste Details durchdacht. Punkten soll der Wagen unter anderem mit einem frei gestaltbaren Innenraum mit verschiebbaren und herausnehmbaren Sitzen, Anschlüssen für acht Notebooks und Tablets.

Ohne Schlüssel und mit Schallwellen-Blockade

Dank getrennter Sound-Zonen können zum Beispiel die Eltern vorn Musik hören und die Kinder auf der Rückbank einen Film sehen – die Schallwellen werden so im Zaum gehalten, dass sie sich nicht gegenseitig stören. Und der Besitzer braucht keinen Autoschlüssel mehr. Wenn eine der Kameras des Autos ihn in der Nähe sieht, öffnet der Wagen automatisch die Tür.

Wie viele der Ideen es am Ende in ein Serienfahrzeug schaffen, ist wie bei allen Konzeptwagen offen. Technik zum autonomen Fahren soll auf jeden Fall integriert werden – sobald sie verfügbar ist.

Wenigstens Rhetorik überzeugt

«Sobald fertig» ist auch die Devise der Firma hinter der zweiten grossen Auto-Premiere zum CES-Auftakt. Faraday Future hat nicht nur einen klangvollen Namen, sondern geizt auch nicht mit teils grossspuriger Rhetorik. So verkündete Entwicklungschef Nick Sampson zur Vorstellung des ersten produktionstauglichen Fahrzeugs der Firma gleich den Anbruch einer «neuen Ära der Mobilität». Wie genau Faraday Future da die Führungsrolle übernehmen will, blieb auch beim zweiten CES-Auftritt der Firma unklar.

Denn während Elektro-Pionier Tesla die Produktion massiv ausbaut und die gesamte Industrie auf Elektro-Mobilität einschwenkt, wird Faraday Future sein in Las Vegas gezeigtes Modell FF91 erst im Jahr 2018 ausliefern können.

Und dass der Prototyp den Bruchteil einer Sekunde schneller von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen kann als das derzeit dynamischste Strassenfahrzeug, Teslas Model 3, dürfte für das Ausfüllen dieser historischen Rolle kaum reichen. Zumal Faraday auch angesichts jüngster finanzieller Probleme des wichtigsten chinesischen Geldgebers Jia Yueting skeptisch beäugt wurde. Der hat mit LeEco einen weiteren Entwickler elektrischer und selbstfahrender Autos im Spiel.

Inspiration kommt von überall

Die Autokonzerne müssen ihre Wagen heute mit anderen Argumenten als früher an die Kunden bringen. «Wir wollten, dass die Farbpalette wie bei ihrem Lieblingspulli ist», sagt Chrysler-Innendesignerin Cindy Juette zum «Portal». Und beim Innenraum habe man sich am «modernen Architekturraum» orientiert. Einer Kunstgalerie etwa. Bei Faraday Future heisst es, man habe sich von einer Kabine der ersten Klasse in einem Flugzeug inspirieren lassen.

(sda/jfr)