Die Menschen in der Schweiz gehen häufiger ins Museum als ins Kino. Insgesamt gibt es 1111 Museen. Mehr als die Hälfte der Eintritte verbuchen allerdings die 49 meistbesuchten Museen. Das zeigt die erste Museumsstatistik des Bundes.

Die Zahlen belegten die grosse Bedeutung der Museen, sagte Isabelle Chassot, die Direktorin des Bundesamtes für Kultur (BAK), am Dienstag bei der Präsentation der Statistik vor den Medien in Bern. Und sie lieferten die Grundlage für Entscheide.

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Regionale und lokale mit Mühe

Die 1111 Museen verbuchten im Jahr 2015 12,1 Millionen Eintritte. Fast drei Viertel der Museen kamen aber auf weniger als 5000 Eintritte, während 4,4 Prozent 50'000 und mehr Eintritte verzeichneten. Mehr als ein Viertel aller Besuche entfielen mit 3,3 Millionen Eintritte auf Kunstmuseen.

Durchschnittlich verbuchten Kunstmuseen 19'500 Eintritte. Ebenfalls beliebt sind naturwissenschaftliche Museen mit durchschnittlich 24'000 Eintritten. Am wenigsten besucht werden die regionalen und lokalen Museen (durchschnittlich 1800 Eintritte), von denen es mehr gibt als von jedem anderen Museumstyp.

Von den 1111 Museen sind 367 regionale und lokale Institutionen. Kunstmuseen folgen an zweiter Stelle (171), vor technischen (140), historischen (126) und naturwissenschaftlichen (59) Museen.

Grosse Dichte

Die Museen sind über das ganze Land verstreut. In mehr als einem Viertel der Gemeinden befindet sich mindestens ein Museum. Am meisten Museen gibt es in der Deutschschweiz, die italienischsprachige Schweiz hat die höchste Museumsdichte.

Einen internationalen Vergleich hat das Bundesamt für Statistik (BFS) nicht vorgenommen, doch dürfte die Schweiz bei der Dichte zu den Spitzenreitern gehören, wie BFS-Direktor Georges-Simon Ulrich sagte.

Kulturvermittlung zentral

Viele Museen werden überwiegend durch die öffentliche Hand finanziert. Fast die Hälfte (49 Prozent) gab diese als Hauptfinanzierer an. An erster Stelle stehen dabei die Gemeinden: Ein Drittel der Museen wird hauptsächlich von einer Gemeinde finanziert. An zweiter Stelle folgen Vereine. Der Bund unterstützt Museen zum Beispiel bei der Forschung zur Herkunft von Raubkunst.

Chassot hob die Bedeutung der Museen für die Kulturvermittlung hervor. 2015 boten fast alle Museen mindestens eine Führung an. Daneben organisierten sie Veranstaltungen wie Vernissagen, Aufführungen, Konzerte, Vorträge, Filme oder Workshops. Das seien wichtige Massnahmen, um die Teilhabe einer möglichst breiten Bevölkerung am Kulturerbe und Kulturleben zu stärken, hält das BAK fest.

Kunst bei beiden Geschlechtern beliebt

Im Jahr 2014 haben 72 Prozent der Bevölkerung ein Museum, eine Ausstellung oder eine Galerie besucht. «Die ganze Schweiz besucht Museen», stellte Ulrich fest. Je höher die Bildung, desto beliebter ist diese kulturelle Aktivität: Von den Personen mit einem Tertiärabschluss besuchten 88 Prozent ein Museum.

Kunstmuseen und -ausstellungen werden von Frauen und Männern etwa gleich häufig besucht. Andere Museumstypen ziehen etwas mehr Männer als Frauen an. Zudem werden andere Museen und Ausstellungen eher von Personen mittleren Alters besucht – insbesondere von 30- bis 44-Jährigen mit Kindern.

Ohne Ranking

Diese Ergebnisse entstammen einer Erhebung, für die rund 16'500 Personen der ständigen Wohnbevölkerung zu ihrem Kultur- und Freizeitverhalten befragt wurden. Die übrigen Zahlen basieren auf einer Vollerhebung bei allen Museen. Die Antwortquote lag über 73 Prozent. Das BFS hat den Museen Anonymität garantiert. Ein «Ranking» der beliebtesten Museen wird somit nicht erstellt.

(sda/jfr)