Als der Modedesigner Tom Ford 2010 sein Regiedebüt «A Single Man» präsentierte, begeisterte er die Kritiker mit dem ästhetisierenden Spielfilmporträt eines alternden, einsamen Homosexuellen, der einen Selbstmord plant. Jahrelang arbeitete der Designer an dem filmischen Werk, das er vornehmlich aus eigener Tasche finanziert hatte. Tom Ford ist ein Autodidakt, der sich die Kunst des Regieführens selbst beigebracht hatte. Ähnlich verhielt es sich zum Modehandwerk. Auch das hatte er nie richtig gelernt.

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Lange wusste der gebürtige Texaner nicht was er werden wollte. Thomas Carlyle Tom Fordstudierte Kunst und Design an der New Yorker Parsons School und arbeitete schon früh als Schauspieler, später als Model. Sein Designstudium schloss er in Paris als Innenarchitekt ab, danach ging er in die Modewelt. Die ersten Erfahrungen als Modemacher machte Tom Ford bei amerikanischen Häusern wie Cathy Hardwick und Perry Ellis. Doch er strebte nach Europa. 1990 gelang ihm der Sprung, er wechselte zu Gucci und wurde vier Jahre später verantwortlicher Creative Director der Marke.

Ambitionierte Pläne

Zehn Jahre kontrollierte Tom Ford das finanziell angeschlagene italienische Unternehmen. Er modernisierte konsequent alle Bereiche von Gucci und hauchte den Kollektionen neuen Glamour und viel Coolness ein. Er griff in seinen Kollektionen auf hedonistische Epochen zurück, machte den Hippielook mit handbestickten, zerrissenen Jeans zu Luxus-Basics und machte Miniröcke und Babydolls wieder salonfähig. Tom Ford engagierte den erfolgreichen Starfotografen Mario Testino und inszenierte eine erotische Anzeigenkampagne, die den neuen Look der Firma kommunizieren sollte.

Die Verkäufe stiegen 1994 auf 230 Millionen US-Dollar, im Jahre 2003 auf fast drei Milliarden US-Dollar. Tom Ford überwarf sich mit François Pinaults von dem französischen Luxuskonzern PPR, mit dem Gucci eine Allianz eingegangen war. Nach einem Jahrzehnt gab sich das Wunderkind aus Texas mit den Erfolgen bei dem italienischen Modehaus nicht mehr zufrieden. Ab 2004 stand der Name Tom Ford nicht mehr als Synonym für die Marke Gucci. Er gründete sein eigenes Label im Jahre 2005 und lancierte seine erste Herrenkollektion. Seitdem geht er unbeirrbar den eleganten, nicht den hedonistischen Weg: Sein Label sollte «erste echte Luxusmarke des 21. Jahrhunderts» werden, erklärte der Designer mit dem leichten Silberblick und der tiefen Piloten-Stimme einst seine ambitionierten Pläne.

James Bond und Jay-Z

Tom Ford, der selbstbetitelte Perfektionist, ist für seine Arbeitstüchtigkeit berühmt. Er schläft nur drei bis vier Stunden pro Nacht. Neben seinem Kopfkissen liegen Post-it-Zettel, falls er mit einer Idee aufwacht. Es ist kaum verwunderlich, dass auch seine Eigenmarke ein gigantischer Erfolg wurde. In New York eröffnete er auf der Madison Avenue seinen ersten Flagship-Store, weitere Dependancen folgten in Mailand, Tokio und Las Vegas. 2012 kam er nach München, um sein erstes Geschäft für Damenmode in Deutschland zu eröffnen. Mit Estée Lauder lancierte er feine Schönheitsprodukte, mit der Marcolin Gruppe seine eigene Brillenkollektion: Ein dauerbrennender Verkaufsschlager.

James Bond alias Daniel Craig trägt Tom Ford, Justin Timberlake lässt sich von dem amerikanischen Designer seine Bühnenoutfits schneidern und der US-amerikanische Rapper und Produzent Jay-Z widmete ihm ein Lied auf seinem Album. Tom Ford gehört zu einem der am stärksten verehrten Designer des 21. Jahrhunderts. Der Welt erzählte er im Interview : «Ich bin keiner, der von dem Tag träumt, an dem er aufhören kann zu arbeiten. Ich wäre allerdings froh, wenn ich Zeit für einen weiteren Film hätte.» Er habe sogar bereits ein Drehbuch vorliegen. Es dürfte also nicht allzu lange dauern bis Tom Ford ein weiteres Mal die Film- und nicht nur die Modekritiker überzeugt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf «World's Luxury Guide».