Dieses Auto lächelt nicht. Es schaut grimmig drein, angriffig, aggressiv. Dieses Auto ist kein androgynes Bürschchen, kein metrosexuelles Sensibelchen, es ist ein viriler Prachtkerl, ein automobiler Berg, ein Kraftprotz. Es zeigt Muskeln, Potenz, Tempo. Es sagt: Schaut her, ich habe die Lizenz zum Siegen.

Wer zur Harmoniesucht neigt, liest besser nicht weiter. Der BMW X6 M ist ein Auto, mit dem man sich nicht nur Freunde macht: SUV-Gegner können schon mal den Stinkefinger zeigen, Öko-Fundis wenden sich ostentativ ab. Doch es gibt auch die umgekehrte Reaktion. Wie ich etwa an der Tankstelle beim Showroom eines schwedischen Au​tobauers tanke, der auch ein bekanntes SUV-Modell im Programm hat, kommt ein Mitarbeiter aus den Räumlichkeiten – mit erhobenen Daumen und breitem Lächeln: «Tolles Auto», sagt er, «cool.»

Das Auto polarisiert. Und es löst mitunter kuriose Reflexe aus. So beim Fahrer eines tiefergelegten Fernost-­Autos, dessen Spoiler wie eine ­deplatzierte ­Verkleidung wirkt. Das Auto klebt an meinem Heck, als hinge es am Abschleppseil. Das nervt nicht nur, es ist auch gefährlich. Doch endlich ist das 60er-Tempolimit aufgehoben, 120 Kilometer pro Stunde sind erlaubt, ich schalte in den Sportmodus, drücke auf das Gaspedal, und – wroooom! – mein Wagen macht einen gewaltigen Satz nach vorn. Eine Sekunde später ist der anhängliche Plagegeist gefühlt zwei ­Kilometer hinter mir. Solche Aktionen mögen ein bisschen pubertär sein – manchmal tun sie richtig gut.

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Sportwagenliga

Der V8-Turbomotor hat es übrigens in sich: 575 PS bringen den Wagen in 4,2 ­Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde – das ist Sportwagenliga. 11,1 Liter Benzin werden gemäss Hersteller auf 100 Kilometer verdunstet, in der Praxis können es auch etwas mehr werden.

Egal, der X6 M tut ja nicht so, als wäre er ein gezähmter Ökowagen im Fasten-Modus. Und in seiner Konsequenz ist er von einer unbekümmert beneidenswerten Ehrlichkeit. Wer dieses Auto kauft, will nicht glauben machen, er sei ein Veterinär, der immer wieder zum Bauern muss. Oder ein Antiquitätenhändler, der teure Möbel herumtransportiert. Sehr viel Platz gibt es nicht in diesem SUV – dafür viel Kraft, sichtbar gemachte Kraft.

Wie sich das fährt? Höchst angenehm. Die Sitze sind komfortabel, die Sicht ist gut, der Sound betörend. Und die Beschleunigung muss man erlebt haben – atemberaubend.

BMW X& M
Antrieb: V8-Turbomotor, 4395 ccm
Leistung: 423 kW (575 PS)
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: 4,2 s
Verbrauch: 11,1 Liter
Preis: ab 147 000 Franken