«Der Kunsthof» in Uznach ist ein ­Gesamtkunstwerk. Das prächtig umgebaute und restaurierte alte Bauerngehöft beherbergt im Inneren ein Museum, eine Galerie, eine Bar sowie auf dem Dach ein Storchenpaar. Und auf dem Heuboden der ehemaligen Scheune logiert ein Restaurant, in dem zwar nicht Kunst serviert wird, wohl aber Gerichte auf die glatt polierten Nussbaumtische gelangen, die aus dem Geiste einer avantgardistischen Kochmanier handwerklich präzise gefertigt sind.

Verantwortlich für das kulinarische Spektakel sind Christian Geisler in der Küche und Christian Magner im Service. Geisler, ein 30-jähriger Salzburger, kam aus dem «Heimberg» in Zermatt, wo er sich einen «Michelin»-Stern erkocht hatte. Vorher war er unter Marcus G. Lindner Sous-Chef im «Mesa» in Zürich, bevor sich dieser in die alpine Glamourwelt von Gstaad verflüchtigte. Lindner ist Geislers Mentor geblieben. Im letzten Sommer pachtete er das Restaurant im «Kunsthof» und lotste den jungen Koch ins ­Unterland.

Rustikale Eleganz und karge Modernität

Christian Geislers Küche setzt den geschmacks- wie aromaintensiven, gleichermassen farbenfrohen und spielerischen Kontrapunkt zum hohen und weiten Raum des Restaurants mit seiner Mischung aus rustikaler Eleganz und karger Modernität. Als Amuse-Bouche serviert er etwa geräucherten Aal auf Sesamcracker, ein geeistes Basilikumsorbet mit einem Mais-Chip oder eine asiatische Variante des Hamburgers: ein mit Schweinebauch- und Zwiebelkompott gefülltes, gedämpftes Hefebrötchen.

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Auch das Saiblingfilet dämpft und räuchert er und tischt es mit einer Zitronenemulsion, Saiblingrogen, Gurke und Frischkäse auf. Der glasig pochierte Kabeljau liegt auf einer mit Absinth geimpften Fenchelcrème und wird in eine elastische Kürbishaut verpackt.

Zart und aromatisch, vielschichtig und harmonisch

Die aus­genommene Wachtel rollt Geisler in einen würzigen Kerbelmantel, legt sie auf einen Kerbelölspiegel und gibt fermentiertes Rotkraut, Zwiebeln und Topinamburpurée dazu. Alles schmeckt zart und aromatisch, vielschichtig und harmonisch. Christian Magner empfiehlt dazu geschickt die passenden Weine aus der noch ausbaufähigen Karte.

Unser Fazit: Christian Geisler spielt virtuos mit ­Aromen, Texturen und Temperaturen – ohne dass seine Gerichte bemüht oder manieriert wirken. Er ist ein junger Wilder mit Formbewusstsein und Stilsicherheit. Eigenschaften, die sich ganz gut ­machen in einer Lokalität mit dem Namen «Kunsthof».

Bewertung

★★★★★ Küche

★★★★★ Preis-Leistungs-Verhältnis

★★★★☆ Weinkarte

★★★★★ Service

«Der Kunsthof»
Zürcherstrasse 28
8730 Uznach
Tel. 055 290 22 11

Montag und Dienstag geschlossen
1 Stern «Guide Michelin», 17 Punkte «Gault Millau»