Ist vom Schweizer Film die Rede, sind aktuell zwei Werke in aller Munde: die politische Komödie «Die göttliche Ordnung» und der Animationshit «Ma vie de Courgette». Auch an der Verleihung des Schweizer Filmpreises am 24. März gehören sie zu den Favoriten. Doch im Rennen stehen auch kleinere, weniger bekannte Filme.

Tobias Nölles Erstlingswerk «Aloys» etwa: Der skurrile und düstere Spielfilm über einen verschrobenen Grossstädter ist in fünf Kategorien für eine Quartz-Trophäe nominiert. Nölle, 1976 im Kanton Zürich geboren, feierte mit seinem Werk vergangenes Jahr an der Berlinale Premiere und sorgte dort für Gesprächsstoff.

Privatdetektiv Aloys Adorn (gespielt vom österreichischen Filmstar Georg Friedrich) wird nach einem nächtlichen Rausch von einer Unbekannten erpresst. Langsam entspinnt sich zwischen dem Opfer und der Erpresserin eine Bekanntschaft, die Aloys aus seiner Einsamkeit lockt.

2000 Besucher

Nur etwas über 2000 Besucher sahen sich das Werk bisher in Schweizer Kinos an. Dafür erhielt «Aloys» an der Berlinale den internationalen Kritikerpreis sowie Auszeichnungen an den Filmfestivals von Saas Fee und Gran Canaria.

Im Kampf um den hiesigen Filmpreis ist der Streifen nominiert in den Sparten Bester Film, Beste Schauspielerin (Tilde von Overbeck), Beste Musik, Beste Kamera und Beste Montage.

In der Königskategorie Bester Spielfilm sind neben «Aloys» auch «Ma vie de Courgette» (Claude Barras), «Die göttliche Ordnung» (Petra Volpe), «Un juif pour l'exemple» (Jacob Berger) sowie mit «Marija» von Michael Koch ein zweites Debüt nominiert.

Stelldichein der Branche

Zum 20. Mal schon wird in diesem Jahr der Filmpreis vergeben, seit 2013 findet die Schweizer Oscar-Nacht im Turnus in der Romandie (Genf) und in der deutschen Schweiz (Zürich) statt. Über die Nominierten und die Gewinner bestimmt die Schweizer Filmakademie, ausgerichtet und finanziert wird die Auszeichnung vom Bundesamt für Kultur.

Auch wenn die Verleihung selbst eher unglamourös über die Bühne geht, so trifft sich am Gala-Abend doch jährlich die hiesige Branche zu einem Stelldichein. Junge Talente stehen erstmals im Rampenlicht - wie Kacey Mottet Klein, der 2009 als Zehnjähriger für seine Rolle in Ursula Meiers «Home» als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet wurde - und alte Hasen werden für ihr Lebenswerk geehrt, so wie Bruno Ganz in diesem Jahr.

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Nicht zwingend auch Publikumserfolge

Filme, die erfolgreich aus dem Preisreigen hervorgehen, sind allerdings nicht zwingend auch Publikumserfolge. Der letztjährige Spielfilm-Gewinner «Köpek», der auch einen Quartz für Hauptdarstellerin Beren Tuna sowie einen Spezialpreis der Akademie erhielt, interessierte an den Kinokassen kaum: In der Schweiz sahen gerade mal 4000 Zuschauer den Episodenfilm.

Manchmal treffen sich Publikums- und Expertengeschmack aber auch: Sabine Boss' Verfilmung von Pedro Lenz' Mundartroman «Der Goalie bin ig» gewann vor drei Jahren den Filmpreis in vier Kategorien und lockte knapp 140'000 Besucherinnen und Besucher in die Kinos.

Guter Kinostart für «Göttliche Ordnung»

Auch wenn «Aloys» in fünf Kategorien nominiert ist: Die Verleihung am 24. März im Genfer Bâtiment des Forces Motrices könnte, ähnlich wie eben jene 2014, wieder einen einsamen Sieger hervorbringen. Denn «Die göttliche Ordnung» über die Einführung des Schweizer Frauenstimmrechts ist in sieben Kategorien nominiert und gewann bereits den renommierten «Prix de Soleure». Und: Nach nur einer Woche in den Schweizer Kinos sahen schon 36'000 Zuschauer den Film – rund 10'000 davon alleine an Vorpremieren.

Es sieht also ganz nach David gegen Goliath aus. Ein Wörtchen mitzureden haben werden dabei aber auch weitere Filme: Ex-Oscar-Kandidat «Ma vie Courgette», «Un juif pour l'exemple» mit Bruno Ganz in der Hauptrolle oder der schwer verdauliche Dokfilm «Cahier africain» von Heidi Specogna gehen mit ebenfalls drei Nominationen ins Rennen.

(sda/ccr)

Sehen Sie in der Bildergalerie die Oscar-Gewinner 2016: