Halten wir erstens fest: Macht hat ganz bestimmt jemand, der andere dazu zwingen kann, etwas gegen ihren eigenen Willen zu tun. Halten wir zweitens fest: Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums in Davos ist zum zweiten Mal zum mächtigsten Mann der Schweiz in der Kategorie Verbände gewählt worden. Halten wir drittens fest: Klaus Schwab ist kein Mann, der andere oft gegen ihren Willen zu etwas zwingt, ganz im Gegenteil.

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Muss die BILANZ-Jury sich augenreibend eingestehen, dass sie sich vertan hat?

Natürlich muss sie das nicht. Denn erstens ist es in der Kategorie Verbände selten, dass jemand andere zu Handlungen zwingen kann, die ihnen widerstreben. Zweitens und vor allem aber hat Klaus Schwab das Zwingen gar nicht nötig: Wen auch immer er nach Davos ruft, der kommt – freiwillig, versteht sich. Auch das ist eine Art von Macht.

Wenige Menschen auf diesem Planten sind besser vernetzt als Klaus Schwab, und wenige können den Mächtigen der Welt eine derart effiziente Plattform zum Gesehenwerden und zur Begegnung offerieren wie er.

Jakob Kellenberger, IKRK-Präsident, und Fifa-Präsident Sepp Blatter sind beste Beispiele dafür, dass Macht hat, wer von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Wer Öffentlichkeit herstellen kann, und das kann Klaus Schwab wie nur wenige, hat ganz unbestreitbar Macht. Viel Macht.

Pierre-André Schmitt, Jury-Mitglied

1 (1)
Schwab Klaus (67)
Gründer World Economic Forum
Es war kein gutes Jahr für Klaus Schwab: Er unterzog sich einer Krebsoperation, entliess den WEF-Geschäftsführer José María Figueres wegen eines unerlaubten Beratermandats fristlos, und er freute sich auch nicht richtig, dass die Anti-WEF-Demonstrationen diesmal kümmerlich blieben – die Kritiker waren am Weltsozialforum in Porto Alegre. Im Vernetzen, einem der wichtigsten Machtfaktoren, macht dem WEF-Gründer aber weiterhin niemand etwas vor. Note 8,48

2 (3)
Kellenberger Jakob (60)
Präsident IKRK
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) braucht einen erfahrenen Diplomaten im Präsidium. Das zeigte sich beim Skandal um das irakische Gefängnis Abu Ghraib. Jakob Kellenberger brachte zuerst so diskret wie immer die Kritik an den Folterungen nur bei Insidern an. Aber er scheute, ungewohnt publizitätsfreudig, schliesslich auch den offenen Protest nicht. «Wir sprechen auch mit den USA Klartext», betonte er: Die USA sind der grösste Spender des IKRK. Note 8,16

3 (2)
Hasler Peter (59)
Direktor Schweizerischer Arbeitgeberverband
Ist der mächtigste Vertreter eines Schweizer Wirtschaftsverbands ein Sozialist? Nationalrat Christoph Mörgeli wirft ihm die einstige Mitgliedschaft in der SP vor. Und Nationalrat Peter Spuhler, immerhin ein erfolgreicher Unternehmer, sieht gar den Arbeitgeberverband auf Linkskurs. Der Hintergrund der Fehde: Da die SVP die bilateralen Verträge mit der EU bekämpft, vertritt sie für Peter Hasler die Wirtschaft nicht mehr. Note 8,04

4 (–)
Roth Jean-Pierre (59)
Präsident Direktorium Schweizerische Nationalbank
Dass vom Nationalbank-Chef wenig zu hören ist, lässt sich als gutes Zeichen deuten: Offenbar macht er mehr richtig als sein Vorgänger, dem Kritiker die Hauptschuld an der Wachstumsschwäche der neunziger Jahre geben. Trotz flexiblerer Geldpolitik springt die Konjunktur aber immer noch nicht recht an. Jean-Pierre Roth, bisher zurückhaltend, mahnt deshalb zu mehr Wettbewerb und weniger Regulierung – und erfährt die Grenzen seiner Macht. Note 7,56

5 (12)
Strahm Rudolf (61)
Preisüberwacher
Der Jobwechsler ist der Aufsteiger des Jahres. Zuvor hat Nationalrat Rudolf Strahm für die SP und den Mieterverband gesprochen. Jetzt überwacht er im für ihn idealen Job die Preise. Und er legte sich seit letztem Herbst bereits mit Energiemonopolisten, Telekom-Oligopolisten und Pharma-Giganten an, ohne Berührungsscheu gegenüber dem Boulevard. Auch das gehört zum cleveren Ausüben der Macht. Note 7,52

6 (16)
Blatter Joseph S. (69)
Präsident Fifa
Der Machiavelli aus dem Oberwallis verbrachte ein gutes Jahr. Keiner, der an seinem Thron rüttelte, keiner, der ihm Machenschaften vorwarf. Stattdessen konnte er sich zelebrieren, als die Fifa ihr 100-Jahr-Jubiläum im teuersten Festzelt der Welt auf der Zürcher Sechseläutenwiese feierte. Das S. in seinem Namen stehe auch für «Staatsmann», meinte der «Blick»: Er sei ein besserer als alle Bundesräte zusammen. Note 7,36

6 (4)
Gaillard Serge (49)
Sekretariatsleiter Schweizerischer Gewerkschaftsbund
Der Grund ist einfach, weshalb die SVP Peter Hasler als «Arbeitgebergenossen» verschreit: Die Wirtschaft will die Europa-Abstimmungen, vor allem jene über die Erweiterung der Personenfreizügigkeit, unbedingt gewinnen. Dafür muss sie sich mit den Gewerkschaften verbünden, also fast bedingungslos auf deren Forderungen nach flankierenden Massnahmen zum Schutz vor dem Markt eingehen. Serge Gaillard geniesst still seine Macht. Note 7,36

8 (10)
Triponez Pierre (61)
Direktor Schweizerischer Gewerbeverband
Wenn Macht zu haben bedeutet, seine Ziele auch gegen Widerstand zu erreichen, dann hat Pierre Triponez im letzten Jahr einen ungeahnten Zuwachs an Macht erlebt. Noch 1999 bekämpfte der Gewerbeverband die Mutterschaftsversicherung. Doch dann schaffte sein Direktor endlich die Wahl ins Parlament. Und er wurde 2004 zum «Vater der Mutterschaftsvorlage». Nur: Die Rechte spottet, die Linke habe Pierre Triponez für sich eingespannt. Note 7,28

9 (5)
Rechsteiner Paul (52)
Präsident Schweizerischer Gewerkschaftsbund
Die Gewerkschaften leiden unter Mitgliederschwund, und dennoch geniessen sie eine Stellung wie selten in den letzten Jahrzehnten. Sie erzwingen weit gehende Zugeständnisse von den Arbeitgebern, die ihr Ja zu den bilateralen Verträgen brauchen. Sie beherrschen mit unzimperlichen Methoden die Politik der SPS. Und sie spielen geschickt mit den Medien: Bei SF DRS arbeitet auch Paul Rechsteiners Frau, Irene Loebell. Note 7,08

10 (14)
Forster Ueli (65)
Präsident Economiesuisse
Eigentlich galt der Dessousfabrikant aus St. Gallen bei seiner Wahl zum Präsidenten als Vertreter der KMU. Doch inzwischen fühlen sich die KMU bei Economiesuisse völlig vernachlässigt: Ueli Forster gilt ihnen als – eher gedämpftes – Sprachrohr der Konzerne. Und dass er sich verhedderte, als er die Verbandsbeschwerden der Stiftung für Landschaftsschutz (Präsidentin: Erika Forster) verteidigte, trug nicht zu seiner Glaubwürdigkeit bei. Note 7,00

11 (7)
Pedrina Vasco (54)
Präsident Unia
Von links von der SP aus – was immer dies bedeuten mag – die Politik der Arbeiterbewegung prägen: Vasco Pedrina hat dies im letzten Jahr erreicht. In der Unia, einer Fusion der Gewerkschaften GBI, Smuv und VHTL, muss er zwar das Präsidium mit Renzo Ambrosetti teilen. Aber er liess die Maler und die Gipser streiken. Er forderte bei einer Grossdemo Massnahmen gegen die Freizügigkeit. Und er nahm für eine Blockade sogar eine Gefängnisstrafe in Kauf. Note 6,88

12 (8)
Zuberbühler Daniel (56)
Direktor Eidgenössische Bankenkommission
Daran, dass ein Sozialdemokrat mit Bart die Banken überwacht, haben sich die feinen Herren an der Bahnhofstrasse längst gewöhnt. Daniel Zuberbühler zeigt sich, wie im jüngsten Streit um die Eigenmittelvorschriften, von seiner pragmatischen Seite. Ob er aber gleich die gesamte Finanzmarktaufsicht ausüben soll? Sein Chef, Kurt Hauri, ist eben zurückgetreten: Als dieser vom Direktor zum Präsidenten der EBK aufstieg, zog er seinen Favoriten nach. Note 6,84

12 (6)
Leuenberger Ernst (60)
Präsident Schweizerischer Eisenbahn- und Verkehrspersonal-Verband
Im letzten Amtsjahr als oberster Eisenbahner steckte «Aschi» im Dilemma. Er soll zwar theoretisch die Lippenbekenntnisse der SPS für den EU-Beitritt vertreten, samt Personenfreizügigkeit. Aber er musste praktisch dagegen ankämpfen, dass deutsche Lokomotivführer zu weit niedrigeren Löhnen durch die Schweiz fahren. Leuenberger löste das Problem auf Gewerkschafterart: laute Sprüche bis hin zu Blockadedrohungen – passiert ist nichts. Note 6,84

14 (9)
Ramsauer Rudolf (53)
Direktor Economiesuisse
Es war eines der schwierigsten Jahre für den Mann im Amt, das einst als achter Bundesratssitz galt. So verblasste er endgültig neben seinem Gegenüber im selben Haus, Peter Hasler, der im Kampf gegen die SVP zu grosser Form auflief. Und er verlor die wichtige Abstimmung über das Steuerpaket kläglich. Da können ihn nur noch die Absender von Rücktrittsforderungen retten: Als «Millionen-in-den-Sand-Setzer» bezeichnete ihn die «WoZ». Note 6,80

14 (29)
Wildhaber Luzius (68)
Präsident Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte
Selten gaben Entscheide des Gerichts in Strassburg so viel zu reden wie letztes Jahr. Eine Debatte entzündete sich vor allem am Urteil, mit dem Caroline von Monaco den Schutz ihrer Privatsphäre erzwang. Dies brachte Luzius Wildhaber viel Publizität bis hin zum «Spiegel»-Gespräch. Der Basler überzeugte auch als öffentliche Figur, aber er setzt gewöhnlich die Urteile seines Gerichts diskret durch – von Moldawien bis Deutschland. Note 6,80

16 (20) Ghillani Paola (42)
Ex-Geschäftsführerin Max Havelaar Stiftung Schweiz
Note 6,72

17 (12) Krummenacher Jürg (51)
Direktor Caritas Schweiz
Note 6,64

18 (25) Del Ponte Carla (58)
Chefanklägerin Uno-Kriegsverbrechertribunal, Den Haag
Note 6,56

19 (11) Stämpfli Rudolf (49)
Präsident Schweizerischer Arbeitgeberverband
Note 6,52

20 (17) Walter Hansjörg (54)
Präsident Schweizerischer Bauernverband
Note 6,48