Als dritter Mensch überhaupt ist «Titanic»-Regisseur James Cameron zum tiefsten Punkt der Weltmeere getaucht. Der Kanadier erreichte nach Angaben der National Geographic Society am Montagmorgen in einem Ein-Mann-U-Boot das Challengertief im westpazifischen Marianengraben.

Mit 10'898 Metern war er praktisch in der gleichen Tiefe wie 52 Jahre zuvor der Schweizer Tiefseeforscher Jacques Piccard und der Amerikaner Don Walsh. Seitdem waren wohl Forschungsroboter, nicht aber Menschen in solche Tiefen vorgedrungen.

«All systems okay», meldete Cameron per Kurznachrichtendienst Twitter nach oben, als er den Grund der Tiefseerinne erreichte. Der Regisseur sammelte Daten und filmte vor allem die Umwelt, die nach Angaben der Forscher von National Geographic dem Menschen fremder ist als die Mondoberfläche.

Nach etwa drei Stunden auf dem Meeresgrund machte sich Cameron mit seinem U-Boot wieder auf an die Wasseroberfläche, welche er nach einem Aufstieg von 70 Minuten erreichte. Geplant hatte Cameron einen Aufenthalt von bis zu sechs Stunden. Berichte über das Wohlergehen des 57-jährigen Regisseurs lagen zunächst nicht vor.

Acht Jahre U-Boot-Bau

Die BBC schreibt von einer «Multi-Millionen-Dollar-Expedition», finanziert von Cameron selbst, der Schweizer Uhrenmarke Rolex und National Geographic.

Für den Tiefsee-Trip wurde in achtjähriger Vorbereitungszeit das U-Boot «Deepsea Challenger» entwickelt, das wie ein «senkrechter Torpedo» mit hohem Tempo in die Meerestiefen vorstossen kann. Camerons Team richtete für das Vorhaben eine Station auf dem Pazifik-Atoll Ulithi ein.

Der 57-jährige Cameron gilt als Tiefseefan und war schon Dutzende Male einige tausend Meter tief getaucht. Er hatte auch das Wrack der «Bismarck» im Nordatlantik besucht und eine Dokumentation über das im Zweiten Weltkrieg von der britischen Royal Navy versenkte deutsche Schlachtschiff gedreht.

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1960 hatten der Schweizer Tiefseeforscher Jacques Piccard und der US-Amerikaner Don Welsh als erste - und bislang letzte - Menschen den tiefsten Punkt der Erdkruste erreicht. Sie konnten jedoch nur 20 Minuten lang dort bleiben. Zudem war ihre Sicht durch Schlick, der beim Aufsetzen am Meeresgrund auf die Scheiben des U-Bootes gespritzt war, behindert.

(tno/chb/sda)