In der Garage von Kurt Huber im Zürcher Säuliamt stand die Belegschaft Spalier, als im Frühling ein Twen mit schon gelichtetem Haar aufkreuzte: Seine Durchlaucht Albert Fürst von Thurn und Taxis (26), Europas jüngster Milliardär und seit einigen Monaten in Zürichs Altstadt ansässig. Der Fürst, an Wochenenden als Hobbyrennfahrer auf internationalen Rundkursen am Lenker, machte halt bei Huber in Bonstetten. Der Spross aus der Familie des einstigen deutschen Briefpostmonopolisten Thurn und Taxis übernahm beim Händler Huber das laut Werbung stärkste Serienfahrzeug der Welt, das die schlingernde General Motors je vom Fliessband liess: eine Corvette ZR1 mit 647 PS – beinahe 200  000 Franken teuer und erst nach monatelangem Warten verfügbar.

Der Kaufpreis, angeblich ohne Rabatt fällig, scheint zunächst sehr hoch zu sein. Doch Enthusiasten und Sammler von historischen Motorfahrzeugen kommen mit 200  000 Franken nicht weit. Dies stellt aber zumindest für unsere 300 Reichsten in der Schweiz keine echte Hürde dar. Immerhin werden für Liebhaberstücke, etwa in geringen Stückzahlen gefertigte Ferraris, bei Auktionen Millionen geboten. Der Wahlschweizer Rennsport-Impresario Bernie Ecclestone (79) legte ansehnliche Teile seines Einkommens in klassischen Automobilen an. Etliche Exponate sollen lange in Gstaad BE in hermetisch abgeriegelten Garagen parkiert gewesen sein. Als der Steuermann der Formel 1, vermutlich aus Platzmangel, einen Teil dieses Fuhrparks unter den Hammer brachte, durfte er einen höheren zweistelligen Millionenbetrag als ausserordentlichen Ertrag verbuchen. Allein ein Mercedes-Benz, Typ 540K Spezial Roadster aus dem Manufakturjahr 1937 brachte fast vier Millionen britische Pfund.

Leinwandheld. Emanuel Probst, Chef der edlen Kaffeemaschinenfabrik Jura in Niederbuchsiten SO, dürfte die weite Welt des motorisierten Fahrzeugbaus ähnlich gut kennen wie Ecclestone. Er gibt zu, schon seit früher Jugend von Automobilen fasziniert zu sein. Die «einzigartige Kaffee-Erlebniswelt von Jura» ist ohne Frage das Werk des Geschäftsführers und kreativen Kopfs Probst. Und nebenbei schwärmt er von der «Kombination von Technologie und Design, Materialien und Eleganz» im Automobilbau. Selbst steuert er einen wunderschönen Austin Vanden Plas Princess von 1959.

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Ein Jahrzehnt älter und auch etliche Franken teurer ist der legendäre Porsche 356, den die Fachwelt gemäss dem Produktionsort im österreichischen Bundesland Kärnten «Gmünd» nennt. Ferry Porsche, Sohn des Volkswagen-Gründervaters Ferdinand Porsche, konstruierte unter eigenem Familiennamen den 356 als Erstling: Nur 44 Coupés und 8 Cabriolets rollten bis 1950 aus der Manufaktur. Das wohl schönste Stück dieser Gmünder Miniserie ist seit etlichen Jahren beim Basler Zahnimplantate-Fabrikanten Thomas Straumann parkiert. Während dieser Oldtimer einige Lenze älter ist als sein heutiger Besitzer, stammt ein weiteres Sammlerstück in der Garage aus Straumanns Geburtsjahr 1964: Als der Aston Martin DB 5 (Bild) weltweit auf den Kinoleinwänden für Furore sorgte, lernte Straumann im Baselbiet gerade das Laufen. In diesem Superauto war Mitte der sechziger Jahre Sean Connery alias Geheimagent James Bond im Einsatz. Über 2,5 Millionen Franken soll Straumann ausgegeben haben, um dieses Unikat an einer Auktion aus Arizona, USA, in die Schweiz zu lotsen. Überhaupt war Straumann schon als Teenager flott unterwegs. Seinen ersten Porsche lenkte er mit 18 Jahren.

Etwas älter war Verleger Jürg Marquard, als er sich mit Anfang 20 einen Rolls-Royce anschaffte – um seiner skeptischen Grossfamilie zu signalisieren, dass er mit seinem frisch am Markt lancierten Musikheftli «Pop» auskömmlich verdiente. Grossvolumig ist der Herausgeber auch mit 64 Jahren noch unterwegs – er fährt schon mal mit einem Ferrari als Crashpilot auf der Autobahn in ein Blitzlichtgewitter.

Deutlich älter als sein Verlegerkollege Marquard musste Michael Ringier werden, ehe auch er sich einen Rolls-Royce zulegte, das Modell Corniche Cabrio. «Das schönste Occasionsauto, das ich je hatte!», sagt der 60-Jährige. Die Mischkalkulation, die Ringier in seinem Magazin «SI Style» darlegt, ist höhere Mathematik: «Ausserdem fahre ich auch Smart, im Schnitt gibt das ein normales Auto.»

Oldtimer-Plausch. Sein Bruder Christoph Ringier dürfte über die Jahrzehnte deutlich mehr für antiquierte Fahrzeuge aufgeworfen haben. Gegen ein Dutzend Oldtimer nennt der frühere Verlagschef sein Eigen. Mit Gemahlin und Co-Pilotin Bettina Ringier-Feldpausch präsentiert er im Internet sein Hobby. Ein grosser Freundeskreis startet regelmässig zu «Ringgi-Plausch-Oldtimer-Ausfahrten», wobei der Organisator mal im Aston Martin, Baujahr 1956, mal im Lancia Aurelia unterwegs ist.

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Stets geschmackvoll fährt auch Helmuth Lederer vor, Verleger von «Auto & Wirtschaft» und vor allem Gründer der Autobewertung Eurotax. Seine Sammlung umfasst unter anderen Preziosen wie einen 1955er Porsche Speedster und einen Lancia Flavia Cabrio mit Vignale-Carosserie, Baujahr 1963. Nur 435 Exemplare dieser Schönheit mit Doppelscheinwerfern hat Lancia auf die Räder gestellt.

Auf Ringiers Starterliste tauchen bisweilen Carlo und Bea Vögele auf. Der 52-jährige Erbe des Textilhändlers Charles Vögele pilotiert einen Ferrari 250 Berlinetta, einen Alfa Romeo Typ 8C Monza aus dem Jahr 1932 oder einen der extrem seltenen Maserati Tipo 61, in Fachkreisen als Birdcage bekannt. Ein Foto zeigt, wie Vögele in seinem Maserati verfolgt wird von Lukas Hüni, ebenfalls am Steuer eines Maserati, des Modells A6GCS. Der Zürcher Hüni betreibt im Seefeld seit vier Jahrzehnten einen schwunghaften Handel mit Oldtimern. Unterstützt wird er dabei temporär von Philip Ringier, dem Sohn Christoph Ringiers. Der Junior kommentiert sein Faible für alte Autos mit einer noch älteren Weisheit: «Der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm.»

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