Person: Kevin Heng

Er bewegt sich in anderen Sphären. Als Kind wollte Kevin Heng (41) Astronaut sein, heute erforscht er Exoplaneten – Himmelskörper, die ausserhalb unseres Sonnensystems um einen Stern kreisen. Der gebürtige Singapurer studierte in seiner Heimat Physik, doktorierte in den USA und forschte in Princeton. In die Schweiz gelockt wurde er dank der ETH Zürich. Seit 2016 leitet er an der Universität Bern das Center for Space and Habitability (CSH). 2017 gewann er einen vom European Research Council mit zwei Millionen Euro dotierten Zuschuss für seine Forschung. Ein Jahr später holte er den amerikanischen Chambliss Astronomical Writing Award. Der brachte zwar kein Geld ein, aber Prestige und eine Goldmedaille.

Produkt: Atmosphäre von Exoplaneten

Der Mensch eroberte die Weltmeere, den Mond und macht sich nun auf zum Mars. Hengs Forschung geht noch einen Schritt weiter: «Wir können heute das Licht von Exoplaneten messen und in Farben aufteilen.» In diesen Farbspektren findet Heng Informationen über die Zusammensetzung der Atmosphäre von Exoplaneten, deren Entstehungsgeschichte und das Potenzial zur Bewohnbarkeit. Zu seinen elf Mitarbeitern gehören zehn Astrophysiker und ein Geologe. Massgeblich beteiligt ist Heng an der Cheops-Mission der European Space Agency (ESA). Im Herbst bringt sie ein von der Universität Bern entwickeltes Weltraumteleskop in den Orbit. «Es wird uns die unerreichbaren Exoplaneten etwas näher bringen.»

Potenzial: Eine zweite Erde

Es geht um die grosse Frage: Sind wir allein im Universum? Bis jetzt gibt es noch keine wissenschaftlichen Hinweise, dass dies nicht so ist. Das kann sich aber ändern. Forscher haben bereits 4000 Exoplaneten entdeckt. Derzeit laufe weltweit eine regelrechte Jagd nach dem nächsten und erdähnlichsten von ihnen. «Wir wollen eine zweite Erde finden.» Ob es eine solche gibt, soll die Wissenschaft bereits in den nächsten fünf Jahren klären. Und den Beweis, dass wir nicht allein sind? «Wenn wir Glück haben, erfahren wir das noch zu Lebzeiten.»

Serie: Die Schweizer Wissenschaft ist Weltspitze – doch die Macher sind kaum bekannt. BILANZ präsentiert regelmässig Personen, die mit ihren Innovationen die Welt verändert.

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