Fifa-Fussball-Präsident Joseph Blatter entpuppte sich einmal mehr als Vertrags-Rastelli, als er zum Ende der vorösterlichen Fastenzeit die Spielregeln mit seinem wichtigsten, allerdings verarmten Geldgeber änderte: Nicht mehr die mit rund sieben Milliarden Euro verschuldete KirchMedia in München, sondern die frisch eingewechselte KirchSport in Zug verwaltet die Fernsehrechte für die beiden nächsten Fussball-Weltmeisterschaften. Die Tinte unter dem geänderten Kontrakt war kaum trocken, da krachte kurz nach Ostern das deutsche Medienimperium des 75-jährigen Münchners Leo Kirch zusammen.

Die KirchSport in Zug ist zwar eine recht junge Firma, allerdings mit alten und festen Wurzeln am Bodensee. Im Thurgau nämlich hatte vor mehr als drei Jahrzehnten der bodenständige Werbefachmann César W. Lüthi mit riesigen Plakaten im Schwenkbereich von Fernsehkameras bei internationalen Sport-Events für Furore gesorgt. Gesundheitlich angeschlagen, lotste Lüthi in den Neunzigerjahren den Topmanager Oskar Frei von der Konzernleitung des Verlagshauses Ringier in sein CWL-Reich. Deutschlands Altinternationaler Günther Netzer, bisweilen als Lüthis rechte Hand apostrophiert, sorgte und sorgt für gefällige Aussendarstellung, medial verstärkt durch seine Auftritte erst als Co-Kommentator bei Fussballländerspielen der Schweizer Nationalmannschaft im Schweizer Fernsehen, dann bei der ARD in Deutschland.

Das Duo Frei/Netzer lieferte siegbringende Steilpässe, auch nachdem Lüthi sein gewinnstarkes Imperium an Kirch verkauft hatte: CWL und Kirchs eigene schweizerische Schöpfung Prisma bilden nun eben die neue KirchSport. Und ein Gewinn lässt sich da garantiert nicht vermeiden. Die höchstdotierten Fernsehverträge für die Ende Mai in Japan und Südkorea beginnenden Weltmeisterschaften sind längst paraphiert. Kirchs Gläubiger in Deutschland waren deshalb daran interessiert, diese Gewinnquelle durch Export in die Schweiz zu sichern und auf keinen Fall ins Offside der Konkursmasse fallen zu lassen.

Spötter allerdings haben Zweifel an der Zuger Adresse von KirchSport. Im modernen Geschäftszentrum am Grafenauweg nämlich hatte auch die im Vorjahr konkursierte ISL Marketing der deutschen Familie Dassler ihren Hauptsitz. Die Erben des legendären Sportschusters Adi Dassler (Adidas) hatten gemeinsam mit Kirch die Fernsehrechte erworben.

Der ISL-Bankrott hängt wie ein Damoklesschwert über Fifa-Chef Blatter. Die ungelöste Frage: Wie viele Millionen Franken verlor der Kicker-Weltbund durch die Zuger Pleite?
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