Es ist nur zwei, drei Jahre her, da war Sunrise das hässliche Entlein der Schweizer Telekombranche: schlechtes Netz, miserabler Service, das Topmanagement ein Schleuderkarussell. Heute sind Stabilität, Leistungen und Ruf so weit wiederhergestellt, dass sich der zweitgrösste Schweizer Telekomanbieter an die Börse traut.

Grossen Anteil daran hat Dominik Koechlin, seit vier Jahren VR-Präsident. Er gilt als analytischer Stratege mit Bodenhaftung, das Operative, gibt er selber zu, war nie seine Sache. Umso grösser ist die Bandbreite der Firmen, die der Pro-Verwaltungsrat betreut. Sunrise war bereits vor dem Börsengang mit rund 40 Prozent seiner Arbeitszeit die wichtigste.

Basler Bescheidenheit

Koechlin gilt als geradlinig, äusserlich bisweilen kühl, im Privaten aber zugänglich. Die Basler Bescheidenheit prägt ihn: Als er einst einen neuen Mercedes Kombi kaufen musste, entschuldigte er sich im Freundeskreis dafür. Anders als zu den Zeiten von Jens Alder und Christoph Brand haut Sunrise unter ihm nicht mehr öffentlich auf den Putz.

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Zum einen, weil Koechlin aus gesundheitlichen Gründen derzeit nicht Vollgas geben kann, hauptsächlich aber, weil er nicht der Typ der lauten Worte ist. So konnte er auch Sunrise-Eigner CVC überzeugen, im Konfliktfall lieber die Schweizer Konsenslösung zu suchen, statt zum angelsächsischen Fehdehandschuh zu greifen.

Die Verbündeten

Wichtigster Mann für Koechlin ist Sunrise-CEO Libor Voncina. Der gebürtige Slowene sass bereits im Sunrise-VR, als er vor zwei Jahren für den glücklosen Oliver Steil als CEO einsprang. Ein langjähriger Weggefährte Koechlins ist Lorne Somerville, der ihn auch zu Sunrise lotste. Bei der Swisscom managten die beiden einst zusammen die Auslandsbeteiligungen, heute ist der Brite im Sunrise-Verwaltungsrat Koechlins direkter Draht zum Eigentümer CVC.

Mit der Verpflichtung von Publikumsliebling Roger Federer als Markenbotschafter gelang Sunrise ein Coup. Ungewöhnlich für eine Kommunikationsfirma: Der Tennisstar spricht in den Spots kaum ein Wort.

Die Widersacher

Mit seinem damaligen VR-Präsidenten bei der Swisscom, Markus Rauh, hatte Koechlin das Heu nie auf der gleichen Bühne – ungünstig, wenn man Strategiechef ist. Spannungsgeladen war auch seine Zeit ab 2004 als Vizepräsident der maroden Swissmetall, als Roger Bühler und Andy Chen von Laxey Partners dort einstiegen und Koechlin sowie den Rest des Boards schliesslich aus dem Amt kippten.

Heute sind Koechlins grösste Widersacher auf dem Markt Swisscom-Chef Urs Schaeppi sowie die wiedererstarkte Cablecom unter Eric Tveter. Orange könnte unter dem neuen Eigentümer Xavier Niel Sunrise im Mobilfunk die Position als Preisführer streitig machen.

Unglücklich ist Koechlin mit Vincent Martenet, dem Präsidenten der Wettbewerbskommission: Er wirft ihm vor, sich mit den Untersuchungen gegen die Praktiken der Swisscom zu viel Zeit zu lassen. Dass der Staat gleichzeitig Regulator und Mehrheitseigentümer der Swisscom ist, bezeichnet Koechlin an die Adresse von Bundesrätin Doris Leuthard als «ordnungspolitischen Sündenfall». Er ist jedoch Realist genug, eine Privatisierung als politisch nicht umsetzbar zu sehen

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