Es gibt Autos, die zu mir sprechen. Es sind ganz wenige. Sie sprechen zu mir, weil sie etwas zu sagen haben. Sie sind selten, aber der Bentley Flying Spur W12 ist endlich wieder so ein Auto. «Schau mich an», sagt er, «ich bin gross, ich bin stark, ich bin schnell, ich bin der pure Luxus. Und ich bin etwas Besonderes.»

Wo er recht hat, hat er recht. Der Bentley hat es nicht nötig, sich mit allerlei LED-Firlefanz zu schmücken, weil er sonst gleich aussehen würde wie alle anderen Autos. Der Bentley ist ein Mocken, ein Statement, ein motorisiertes Monument des Luxus. Er steht da und er sagt: «Fahre mich!»

Doch zuerst schweift mein Blick nochmals über den Wagen. Kennen Sie den Film «Spaceballs» von Mel Brooks? Wenn Sie jetzt grinsen, kennen Sie ihn.

Lang, sehr lang

Die Komödie aus dem Jahr 1987 ist eine bissige Verballhornung von «Star Wars»-Filmen. Und der Anfang ist besonders gelungen: Ein Raumschiff schwebt an der Kamera vorbei, man sieht nur einen Ausschnitt des Raumschiffes vorbeischweben, es schwebt und schwebt und schwebt, es hört nicht mehr auf zu schweben - das Raumschiff muss kilometerlang sein.

Spontan kommt mir diese Szene in den Sinn. Denn das Auto ist in der Tat lang, sehr lang, 5,3 Meter lang genau. Ein Volvo V70 zum Vergleich, nicht wirklich ein Zwerg, bringt es auf 4,7 Meter. Auch die Breite ist imposant: 1,97 Meter sind es, mit Aussenspiegel gar 2,2 Meter.

Dennoch: Beim Bentley stimmen die Proportionen. Der Wagen ist eine vornehme Limousine, seine britischen Gene sind unverkennbar - auch wenn die Marke heute fest in deutscher Hand ist.

Würdevolles Flanieren auf vier Rädern

«Es reicht jetzt», sagt der Bentley, «willst du mich nicht fahren?» Die Türe ploppt vornehm zu, der Motor startet, der Wagen setzt sich in Bewegung, man ist versucht zu sagen: majestätisch. Das Städtchen Zug könnte ein Ziel sein, wo das Auto sicher ein paar Gspänli der gleichen Preisklasse findet. Um den See herum kann man überdies wundervoll cruisen, und dazu ist dieses Auto prädestiniert. Es lädt zum gemütlichen Fahren ein, zum würdevollen Flanieren auf vier Rädern.

Bentley war einst der Markenname für leicht modifizierte Limousinen von Rolls-Royce - Rolls-Royce hatte Bentley 1931 übernommen. Viel später aber kam es wieder zur Trennung, Rolls-Royce ging an den BMW-Konzern, Bentley gehört seit 1998 zu Volkswagen.

Anzeige

Königlich cool

Es gibt Luxuskarossen, die man in Zürich nicht fünf Minuten unbeaufsichtigt stehen lassen darf. Weil man damit rechnen muss, dass sonst irgendein Fundi belehrende Zettel auf die Scheibe kleistert oder sogar den Lack verkratzt. Beim Bentley passiert das kaum, das Auto ist ein Sympathieträger, irgendwie königlich, irgendwie cool, irgendwie sympathisch. Kleine Jungs am Strassenrand winken begeistert, ein gestandener Buchhalter bettelt um eine Probefahrt, ein autophiler Connaisseur bittet um einen Blick unter die Motorhaube, und eine Innenarchitektin will partout mitgenommen werden. Der Bentley wird gerne hofiert - noblesse oblige.

«Fahre mich», sagt der Bentley, «aber jetzt mal richtig.» Und so kommen wir zur zweiten Natur des Autos: Der Bentley Flying Spur W12 ist auch ein Vollblut. Unter der Haube arbeitet der 6-Liter-W12-Zylinder aus dem Hause Volkswagen, von zwei Turboladern beatmet. Das bringt 625 PS und katapultiert den rund 2,5 Tonnen schweren Wagen in die Kategorie der Sportflitzer. Von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde braucht er gerade 4,6 Sekunden.

Mehr als nur ein Gläschen Sprit

Ein kleiner Pass eignet sich für den grossen Spass, der Albis zum Beispiel. Und ich verschone Sie jetzt mit hochgetakteter Autoerotik der unreiferen Art. Sagen wir es ganz einfach: Der Bentley ist auch ein Sportwagen. Dass er sich dabei mehr als nur ein Gläschen Sprit gönnt, ist unvermeidbar, 14,7 Liter sind es im Durchschnitt auf 100 Kilometer.

«Kaufe mich», flüstert der Bentley zum Schluss. «Zu früh», antworte ich, «ich muss noch 100 Jahre sparen.»

Bentley Flying Spur W12
Motor: 12 Zylinder mit Doppelturboaufladung
Hubraum: 6000 ccm
Leistung: 460 kW (625 PS)
Getriebe: Acht-Gang-Automatik
Antrieb: Permanenter Allrad mit hecklastiger Verteilung (40:60)
Radstand: 3066 mm
Länge/Breite/Höhe: 5299/1976/1488 mm
Gewicht: 2475 Kilo
Beschleunigung 0 - 100 km/h: 4,6 s
Top-Speed: 322 km/h
Verbrauch: 14,7 Liter / 100 km
Preis: ab 208'500 Franken