Schon den letzten Jahreswechsel verbrachte Pierin Vincenz mit seiner Frau in Südafrika, jetzt hat er laut «Inside Paradeplatz» bereits Mitte November die Maschine ans Kap bestiegen. Nach seiner Haftentlassung Mitte Juni wurde der Ex-Raiffeisen-Chef nur einmal Ende August zusammen mit seinem Anwalt Lorenz Erni vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft gesichtet.

Selbst langjährige Weggefährten haben keinen Kontakt mehr zu ihm, seine Mobiltelefonnummer hat er gewechselt. Die meiste Zeit verbringt er offenbar in seinem Ferienhaus in Carabietta am Lago di Lugano. Schon vor dem Südafrika-Trip war er unterwegs, er wurde etwa in Spanien gesichtet. Gebrochen sei er nicht, heisst es, er gebe sich weiter kämpferisch.

Anklageschrift wohl erst 2019

Doch zeitlich ist er der Staatsanwaltschaft ausgeliefert. Dass die Anklageschrift noch dieses Jahr kommt, gilt als sehr unwahrscheinlich. Neue Zielmarke ist das Ende des ersten Quartals, doch selbst dieser Termin ist höchst unsicher.

Pierin Vincenz

Aufgetaucht: Pierin Vincenz (l.) Ende August mit seinem Anwalt Lorenz Erni vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft (Videoaufnahme).

Quelle: 20 Minuten Screenshot Video
Anzeige

Für Vincenz geht es gar nicht so sehr um die Abwendung der Haftstrafe. Zwar drohen auf persönliche Bereicherung gemäss Artikel 158 Strafgesetzbuch bis zu fünf Jahre Haft. Doch angesichts der Anschuldigungen rechnen Experten bei einem Schuldspruch lediglich mit einer bedingten Strafe. Dauer: Zwei bis drei Jahre.

Risiko im finanziellen Bereich

Für Vincenz liegt das Risiko deshalb vor allem im finanziellen Bereich: Bei einem Schuldspruch müssten er und sein Kompagnon Beat Stocker den Schaden zurückzahlen, wobei eine Quantifizierung allerdings sehr schwierig sein dürfte. Die möglichen Regressansprüche sollen der Hauptgrund für die Kontensperrung nach seiner Verhaftung gewesen sein, nicht nur bei ihm, sondern auch bei seiner Frau und seinen Töchtern. Für jede grössere Zahlung muss er einen Antrag stellen.

Wie die «SonntagsZeitung» zudem meldete, ficht Raiffeisen den umstrittenen Investnet-Deal an. Vincenz soll daraus mindestens 2,9 Millionen von Stocker überwiesen bekommen haben. Auch hier droht eine Rückzahlung.

Nettovermögen im tiefen zweistelligen Millionenbereich

Ein Schuldspruch könnte deshalb eine heftige finanzielle Belastung bedeuten. Im Schnitt etwa zwei Millionen pro Jahr dürfte Vincenz in seinen 15 Raiffeisen-Jahren verdient haben. Vor der Verhaftung dürfte sein Nettovermögen also im tiefen zweistelligen Millionenbereich gelegen haben. Die letzten einsehbaren Aktienbestände weisen einen Wert von 1,3 Millionen bei Leonteq und 1,5 Millionen bei Helvetia aus.

Neben dem Haus im Tessin besitzt er noch ein weiteres Domizil in seinem Heimatort Andiast GR. Dazu kommt seine Villa in Niederteufen AR. Weggefährten beschreiben sie als Turnhalle, die allerdings schwer zu einem ansprechenden Preis zu verkaufen sein dürfte.

niederteufen,19.11.2008. villa von pierin vincenz, chef raiffeisen banken.

Turnhalle: Das Anwesen von Pierin Vincenz in Niederteufen – ein Liebhaber-Objekt.

Quelle: