Sonntagmorgen – und der Duft von frischem Kaffee kommt aus der Küche. Ein Sommernachmittag auf der Terrasse eines Restaurants auf dem Land, die Sonne blinzelt durch die Blätter einer alten Platane – und auf dem Tisch stehen Kaffee und Kuchen. Ein Gespräch während des ausklingenden Mittagessens – bei einer Tasse Espresso.

Kaffeetrinken ist Lebenskunst. «Man muss sich Zeit dafür nehmen», sagt Eugenio Gullo, der in Olten «Il Cabarolino» führt. Das über 30 Jahre alte Familienunternehmen bietet Kaffeekompetenz – nach eigener Rezeptur geröstete Kaffeebohnen, eine mobile Espressobar für Privat- und Firmenanlässe oder Weiterbildung für Aficionados. Die geben viel Geld aus, um die beste Maschine zu kaufen, die aus Bohnen hoher Qualität Caffè macht, der zu einem der Höhepunkte des Tages wird.

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Die Preise beginnen bei 1500 Franken, und für eine komplette Anlage aus Espressomaschine und Mühle kann man locker mehr als 5000 Franken investieren. In seinen Home-Barista-Kursen zeigt Eugenio Gullo, wie man aus dem teuren Stück das Maximum an Genuss herausholt. Jemand, der mehrere tausend Franken für eine Espressomaschine ausgibt, sollte schon lernen, wie man sie bedient. «Sonst ist das aus dem Fenster geworfenes Geld», sagt er.

Schweizer Handarbeit

Caffè ist im Trend und für viele zu einer Amour fou geworden. «Unsere Maschinen kaufen Liebhaber», sagt Christian Sagehorn, Geschäftsführer von Olympia Express in Glarus. «Es sind Menschen, die ihrem Espresso eine besondere Bedeutung beimessen.» Ihn zu machen, ist eine wunderbare Art, den Alltag zu entschleunigen. Man muss sich Zeit nehmen – für das Mahlen, das Warten auf den richtigen Dampfdruck, das langsame Durchpressen des Wassers durch das Kaffeepulver und schliesslich für das Saubermachen der Maschine.

Seit über 40 Jahren baut Olympia Express nur zwei Modelle: die Cremina, eine Espressomaschine mit Handhebel, und die Maximatic, einen Halbautomaten. In diesem Frühjahr ist mit der Moca eine neu entwickelte Kaffeemühle hinzugekommen. Die Maschinen werden im Werk in Glarus von Hand zusammengebaut. Alle Teile – vom roten Logo mit einem stilisierten Kellner einmal abgesehen – werden komplett vor Ort gefertigt. Der Druckbehälter aus Edelstahl wird ebenso hier gebaut wie das Metallgehäuse rot lackiert. «Bei uns kommt Rohstahl in die Fabrik hinein und eine Espressomaschine auf der anderen Seite heraus», sagt Sagehorn. 500 Maschinen werden pro Jahr hergestellt und vor allem in der Schweiz verkauft.

Vor mehr als 80 Jahren kam die erste Schweizer Espressomaschine auf den Markt, die von Olympia Express im Tessin entwickelt wurde. Damals war in Italien die grosse Espresso-Begeisterung ausgebrochen, und südlich der Alpen waren Ingenieure damit beschäftigt, Maschinen zu bauen, die es schafften, Wasser unter einem Druck von fünf bis neun Bar durch eine Schicht von gestampftem Kaffeepulver zu pressen. Das war in den Anfangsjahren der Espressokultur ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen, denn die Maschinen neigten dazu, unter dem hohen Druck zu explodieren, der in ihrem Inneren entfacht werden muss.

Gefährliche Liebschaft

Die italienische Vorliebe, den Espresso al banco – am Tresen stehend – zu trinken, stammt angeblich aus dieser Zeit: So konnte man schneller die Flucht ergreifen, wenn dem Barista eine der neumodischen Maschinen um die Ohren flog. Die Gefahr ist heute noch nicht ganz gebannt. Bei der Explosion einer Espressomaschine im Jahr 2010 in der Cafeteria einer Filiale der Supermarktkette Sainsbury’s in England wurden sechs Menschen verletzt. Ein falsch angeschlossenes Sicherheitsventil hatte versagt, das sich bei einem kritischen Überdruck öffnen sollte. Das Familienunternehmen Elektra, das in der Nähe von Venedig seit 1947 Espressomaschinen baut, setzt sie vor der Auslieferung einem mehrere Tage dauernden Stresstest aus.

Die Espressomaschinen des 1928 gegründeten Herstellers Olympia Express waren für die Gastronomie bestimmt. Zu Hause trank niemand Espresso. Für viele war Kaffee überhaupt ein unerschwinglicher Luxus. Damals musste man für 500 Gramm Bohnenkaffee einen Tag und zwei Stunden arbeiten – heute sind es weniger als zwanzig Minuten. Im Alltag kam eher Zichorien- als Bohnenkaffee auf den Tisch. Erst in den 1960er Jahren wurden Espressomaschinen für den Haushalt auf den Markt gebracht.

Olympia Express lieferte Espressomaschinen der Spitzenklasse in Schweizer Qualität. Man war auf den Geschmack gekommen und hatte die italienische Lebensart schätzen gelernt. In Nordeuropa und den Vereinigten Staaten traten die Maschinen ihren Siegeszug an. Noch heute bekommt Christian Sagehorn Fanpost von Espressoliebhabern, die auf die Qualität ihrer Olympia-Express-Maschinen schwören, die noch nach Jahrzehnten funktionieren. «Unser Anspruch ist, Geräte herzustellen, die dauerhaft sind und die man vererben kann», sagt er.

Bei den Espressomaschinen hat man die Qual der Wahl, ob man sich für ein Modell entscheidet, das wunderbar altmodisch ist und einen in das Italien der Kinofilme «Il Postino» oder «Cinema Paradiso» zurückversetzt, oder eines, das hypermodern ist und eher in die gestylte und cleane Küche mit Edelstahloberflächen passt. WMF hat mit der 1000 S Barista einen Kaffeevollautomaten lanciert. Das dänische Unternehmen Scanomat hat das Modell TopBrewer auf den Markt gebracht, bei dem nur ein Hahn aus der Arbeitsplatte der Küche herausragt – man kann sich den Kaffee dann per App zubereiten lassen. «Nehmen Sie sich die Zeit, und finden Sie heraus, welche Maschine zu Ihren Bedürfnissen passt», sagt Eugenio Gullo. Vieles ist Geschmacksache, wie immer im Leben.

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