Seit dem 20. Januar ist Donald Trump US-Präsident. Mehr und mehr Spekulationen ranken sich seither um seine Frau Melania. Was die First Lady seit dem Amtsantritt ihres Mannes getan hat, und womit sie künftig ihre Zeit verbringen will, man weiss es nicht genau.

Hoch oben im Trump-Tower mache sich Melania fast so rar wie Rapunzel, meint die «New York Times», geniesse dort vielleicht einfach mal echte Ruhe: «In ihrem goldenen Adlerhorst - ohne das störende Licht von Donalds Mobilgeräten, wenn er zu nachtschlafender Zeit mal wieder die Welt in Flammen steckt.»

«Eine Fehlinterpretation»

Nur ab und an ist Melania an der Seite ihres Mannes zu sehen, zuletzt im floridianischen Mar-a-Lago, auch dort wie meist wortlos, aber in schreiendem Rot. Viel Beachtung war ihre Klagebegründung gegen ein britisches Medienhaus. Dessen falsche Anschuldigung, sie sei in einem Escort-Service tätig gewesen, beschädige aufs Schwerste ihre Möglichkeiten, als First Lady ihre Markenware zu verkaufen. Schmuck, Mode, Düfte, Pflegeprodukte, Schuhe.

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Als eine der meistfotografierten Frauen der Welt, hiess es weiter, gehe es um ein Multi-Millionen-Business. «Eine Gelegenheit, die es nur einmal im Leben gibt», so steht das dort. Dem verbreiteten Eindruck, es handle sich um nackte Gier des Ex-Models und den unverhohlenen Versuch, politische Ämter und neuen Ruhm zu versilbern, suchte sie dann mit einem Statement zu zerstreuen. «Diese Möglichkeit besteht nicht», verbreiteten ihre Anwälte. «Jede Behauptung des Gegenteils ist eine Fehlinterpretation.»

Viel Raum für Spekulationen

Für Interpretationen und Spekulationen gibt es indes viel Raum. Im Wahlkampf war Melania sehr verhalten. Einmal sagte sie, sie wolle als First Lady gegen Cyber-Mobbing zu Felde ziehen. Als solches empfinden manche den Twitter-Kanal ihres Mannes, gemünzt war es aber auf Jugendliche. Seither hat man dazu nichts gehört. Im Sommer will sie wohl nach Washington kommen, wenn Sohn Barron (dann elf) in New York mit der Schule durch ist.

Wo ihre Vorgängerinnen längst mit einem kompletten Stab den East Wing des Weissen Hauses bevölkerten, hat Trump in Lindsay Reynolds immerhin eine Stabschefin engagiert, die bereits zu George W. Bushs Zeiten im Weissen Haus aktiv war. 

Trump bat in der Mitteilung dieser Anstellung um Verständnis, dass das Zusammenstellen eines «professionellen und hoch erfahrenen» Teams Zeit brauche, es sei aber «sehr aufregend und dynamisch». Vielleicht hat ihr Mann entsprechende eigene Erfahrungen mit ihr geteilt.

Trauriger Blick zurück

Massgebliche Stellen in Melanias Team bleiben einstweilen unbesetzt, so dass erste Medien mit erstem Blick auf Ostern bang fragen, was denn mit dem «Easter Egg Roll» sei und anderen traditionsreichen Veranstaltungen? Das habe doch immer die First Lady gemacht?

«Noch nie seit Abigail Adams hat eine First Lady nicht vom ersten Tag an im Weissen Haus gelebt, wenn sie gesund und bei Kräften war», schreibt Kate Anderson Brower streng. Sie hat ein Buch über Glanz und Macht der First Ladies geschrieben und sieht etwas traurig zurück auf engagierte, einflussreiche und sozial umtriebige Frauen wie Eleanor Roosevelt oder Betty Ford.

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Zwölf Tage lang abgetaucht

In der Zeit nach der Inauguration und ihrem spektakulären Auftritt im Jackie-Kennedy-Look am 20. Januar war Melania zwölf Tage am Stück nicht zu sehen. Das warf Fragen auf. 

Als der Präsident unlängst zur Ehrung eines gefallenen Soldaten aufbrach, schritt Tochter Ivanka an seiner Seite über den Rasen des Weissen Hauses zum Hubschrauber, nicht Melania. Ivanka gilt vielen eh als die «wahre» First Lady, hat aber selber ausreichend mit dem Umzug der Familie nach Washington zu tun, und mit dem Trubel um ihr Mode-Label.

Manche Kritik an Melania ist platt und schlicht frauenfeindlich. Dass ihre Absenz aber kein noch grösseres Thema in den USA ist, liegt auch an den Mehrheitsverhältnissen im Land. Gedankenexperiment: Wie hätten die Republikaner reagiert, wenn Michelle Obama sich getraut hätte, 2009 bei Amtsantritt ihres Mannes in Chicago zu bleiben, der Kinder wegen?

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Komplettes Sicherheitsprotokoll benötigt

Andere finden Melanias Verhalten erfrischend. Trump breche mit der Tradition, wonach jede Frau im Übergang zur First Lady praktisch automatisch auf tradierte Rollenmuster zurückgeworfen werde, schreibt das Magazin «Slate», der Nähe zu Trump gänzlich unverdächtig. An Blumen schnuppern, Touren im Weissen Haus geben und bei Galas huldvoll winken, warum das denn immer so sein müsse?

«Slate» weist aber auch darauf hin, und da sind sie nicht einzigen, welche enormen Kosten der geteilte Wohnsitz der Trumps für den Steuerzahler bedeutet. Donald Trumps dritte Frau braucht als First Lady in New York ein komplettes Sicherheitsprotokoll des Secret Service. Ein ziemlicher Aufwand. 

Einige Magazine wie «Newsweek» deuten bereits leise an, dafür gebe es mehrere Gründe. Die Entfernung zwischen Donald und Melania Trump sei keineswegs nur geografisch.

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(sda/ccr)