Die Aussicht auf eine Impfung gegen Corona verschafft der arg gebeutelten Reisebranche in der Schweiz etwas Aufwind: «Die Aussicht auf einen Impfstoff hat bei Hotelplan Suisse nicht zu einem 'Buchungsboom' geführt», sagt Sprecherin Bianca Gähweiler. Man spüre aber im Gespräch mit Kunden, «dass sie sich bereits jetzt auf die nächsten Ferien freuen und diesen entgegen sehnen», sagt Gähwiler. Man rate aber nach wie vor zu kurzfristigen Buchungen. 

Hotelplan Suisse verzeichne derzeit wieder mehr Buchungen für Winterferien an der Wärme – «verglichen zum Vorjahr aber auf tiefem Niveau», sagt Gähwiler. So würden Kunden auf die Kanarischen Inseln oder nach Ägypten streben. Ebenfalls beliebt seien die Malediven, Dubai, die Dominikanische Republik, Costa Rica, Mexiko, Sansibar oder Namibia.

Bei DER Touristik Schweiz würden sich nicht in erster Linie mögliche Impfstoffe, sondern die Anpassungen der Quarantäneregeln für Heimkehrer auf die Reiselust auswirken. «Das führt tatsächlich dazu, dass sich die Nachfrage auf weiterhin tiefem Niveau leicht positiv entwickelt», sagt Markus Flick, Sprecher bei DER Touristik Schweiz

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Angebot kann an Weinachten wieder zurück gehen

Man wolle sich nicht zu Zielen wie etwa Thailand äussern, bei denen «bestätigte Informationen bezüglich Restart noch fehlen», sagt Flick. Auswahl aktuell buchbare Destinationen für die kommenden Wochen seien Ägypten, Costa Rica, Dominikanische Republik, Dubai, die Kanarischen Inseln, die Malediven, Mexiko, Schweden sowie Tansania und Sansibar

Bei DER Touristik wird aber auch angemerkt, «dass nicht alle Hotels an den Destinationen geöffnet» seien und das Flugangebot «stark reduziert» bleibe. Das könne insbesondere über Weihnachten dazu führen, dass das gewünschte Angebot nicht mehr verfügbar ist, sagt Flick.

Helvetic

Wieder zum Abflug bereit: Helvetic-Maschine am Flughafen Zürich.

Quelle: ZVG

Bei der Ferien-Fluggesellschaft Helvetic möchte Mediensprecher Mehdi Guenin noch nicht von einer Entspannung der Situation sprechen: «Reisen als Grundfreiheit wird nach wie vor mehr oder weniger stark beeinträchtigt.»

Die mangelnde Koordination zwischen den Staaten bei den Einreiseformalitäten sowie die aktuelle Verbreitung des Virus in Europa würden immer noch zu einer «erhöhten Verunsicherung der Passagiere» beitragen. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es schwierig zu sagen, welche Auswirkungen die Einführung von PCR-Tests bei der Einreise oder eine mögliche künftige Corona-Impfpflicht auf die Nachfrage haben werden.

Visit Friends & Relatives

Helvetic bedient vor allem Strecken in Europa. «Eine kurzfristige Verbesserung ist leider noch nicht in Sicht». Man rechne bei Helvetic in den Wintermonaten mit einer maximalen Auslastung von 30 Prozent. Eine höhere Nachfrage verzeichnet Helvetic aber bei den sogenannten «VFR-Flüge»; VFR steht für «Visit Friends and Relatives». Familienmitglieder möchten ihre Liebsten über die Festtage besuchen – trotz Corona. So sei man mit der Sitzauslastung auf unseren Flügen zwischen Zürich und Pristina «zufrieden», sagt Guenin.

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Mit dieser «neuen Reiselust» stehen die Schweizer nicht alleine da. Das Marktforschungsunternehmen Dynata hat in Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, den USA und Australien Leute zu ihren Reiseplänen befragt. 

46 Prozent der Deutschen würden sich schon auf Urlaub im Ausland freuen. In Frankreich ist das Fernweh hingegen weit weniger ausgeprägt: Nicht einmal ein Drittel zieht es auf Reisen ins Ausland. In den USA sind es gar nur 23 Prozent, die wieder Lust auf Reisen haben. 

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