Klimawandel, Rabattschlachten, Verdrängungswettbewerb: Die Bergbahnen in der Schweiz gehen durch schwere Zeiten. Franz Julen (61) hält mit seinem Heimatort Zermatt dagegen: Mindestens 150 Millionen Franken investiert der Präsident der Bergbahnen bis 2025.

Die neuen Luxusgondeln aufs Klein Matterhorn sind bereits in Betrieb, nun soll auf italienischer Seite eine weitere Bahn hinzukommen, damit beide Seiten ganzjährig verbunden sind. Und später zwei weitere italienische Bahnen, um noch mal 180 Kilometer Piste zu erschliessen. Und eine Aussichtsplattform. Und ein Restaurant im Berg. Und ein Sommerskigebiet für Anfänger. Und, und, und.

Leisten können sich die Zermatter Bergbahnen das. Seit Jahren spielen sie traumhafte Margen ein. Unter Julen, seit knapp zwei Jahren im Amt, wurden die Ergebnisse – auch dank Dynamic Pricing – noch gesteigert auf zuletzt rund 40 Millionen Ebitda oder 52 Prozent des Umsatzes.

Auch beim Detailhandelskonzern Valora, seinem zweiten Mandat als Präsident, lässt Julen kaum einen Stein auf dem anderen. Den Verwaltungsrat hat er komplett aus­getauscht, in Deutschland die Kette BackWerk übernommen, das Sortiment der Kioske umgekrempelt Richtung Convenience und Food sowie neue personallose Verkaufspunkte eingeführt. Valora ist das gut bekommen.

Die Karriere

Nach der Wirtschaftsmatura in Brig und der Hotelfachschule hätte Franz Julen eigentlich im elterlichen Betrieb in Zermatt einsteigen sollen. Stattdessen half er als Servicemann seinem Bruder Max Julen, 1984 in Sarajevo Olympiasieger im Riesenslalom zu werden. Später wurde Franz Sportjournalist und schrieb eine Biografie über Skistar Pirmin Zurbriggen.

1987 wechselte er zu Marc Biver und vermarktete den Davis Cup, Golfturniere und Skirennen. Fünf Jahre später, mit 32, ging er als CEO zum kriselnden Sportartikelhersteller Völkl, damals im Besitz von Metro-Finanzchef Dieter Cleven, der Julen als Mentor diente, ebenso wie Ex-Skistar Bernhard Russi. Dank Carving-Ski gelang der Turnaround.

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Als Chef von Intersport steigerte Julen von 2000 bis 2016 den Umsatz von unter 5 auf 11,5 Milliarden Euro und expandierte in 46 neue Länder. In dieser Zeit freundete er sich mit dem damaligen Adidas-Chef Herbert Hainer an, heute Präsident des FC Bayern München: Julen hielt die einzige Laudatio bei dessen Abschied von Adidas. Auch mit den Puma-Chefs Jochen Zeitz und Björn Gulden hatte er regelmässig Umgang.

Mit FIFA-Präsident Sepp Blatter und Gianni Infantino, damals Generalsekretär bei der UEFA, pflegte er ein «sehr gutes geschäftliches Verhältnis».

Seit Herbst 2016 sitzt Julen im Beirat von Aldi Süd unter CEO Norbert Podschlapp. Dort trifft er auf Peter Max und Christian Heister, Enkel von Firmengründer Karl Albrecht, Renate Köcher, Leiterin des Allensbacher Instituts, und Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Die Familie

Die Julens beherrschen Zermatt: 96-mal steht der Name dort im Telefonbuch. Der berühmteste ist Franz’ Bruder Max, Goldmedaillengewinner im Riesenslalom 1984. Auch Vater Martin war ein bekannter Skirennfahrer, er war 1955 erster Sieger in Adelboden und gewann den Lauberhornslalom. Künstler und Architekt Heinz, ein Cousin von Franz, war Mitinitiator des Konzertfestivals «Zermatt Unplugged». Cousine Vrony führt das bekannte Bergrestaurant Chez Vrony. Cousine Moni ist mit Pirmin Zurbriggen verheiratet – zusammengebracht hat sie Franz Julen bei einem Skitag mit Boss-Gründer Jochen Holy.

Insgesamt hat Julen nicht weniger als 39 Cousins und Cousinen in Zermatt. Er ist seit über 30 Jahren verheiratet mit seiner Frau Antoinette. Sie hatten sich in Zermatt kennengelernt und dort geheiratet, ebenso wie der gemeinsame Sohn (28) und die Tochter (31) ihre jeweiligen Partner.

Franz und Antoinette Julen im Restaurant «Chez Vrony» in Zermatt.

Franz und Antoinette Julen im «Chez Vrony».

Quelle: Kurt Reichenbach
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Die Sportler

Julen treibt täglich Sport (Tennis, Jogging, Golf, Skifahren) und ist vielen Sportlern persönlich verbunden: Für Marc Biver vermarktete er Wim­bledon-Sieger Michael Stich sowie Vreni Schneider und die Österreicherin Petra Kronberger, beide mehrfache Ski-Olympiasiegerinnen.

Bei Völkl feierte er grosse Erfolge mit den deutschen Skifahrerinnen Katja Seizinger, Hilde Gerg und Martina Ertl. Bei Intersport liess er für Lionel Messi einen exklusiven Schuh entwickeln und traf den Dribbel­könig dafür zum Essen, ebenso wie Goalie-Legende Gianluigi Buffon.

Während der Olympischen Spiele 2004 in Athen lieferte sich Julen – ausser Konkurrenz – ein Tennismatch gegen ­Ilie Nastase bei über 35 Grad im Schatten («er kam ganz schön ­ins Schwitzen», sagt Julen). Die Leicht­athletik-Ikone Carl Lewis traf Julen an jeden Olympischen Spielen, auch mit Tennisstar Martina Hingis hatte er regelmässig zu tun.

Zu Julens Abschied bei Intersport wurde Sprinter Usain Bolt eingeflogen. Er schenkte Julen seinen Siegerschuh des Olympiafinals von Peking. Adidas spendierte ihm zum Abschied ein Tennismatch gegen Stefan Edberg im Stade Roland-Garros: «Ich war chancenlos, aber es hat Spass gemacht!», sagt Julen.