Die Qualität triumphiert. So könnte man die derzeitige Situation am Markt für Alte Meister zusammenfassen. Er schrumpft jedoch zunehmend, da es ihm an hochkarätigen Namen mangelt. Ist jedoch einer der ganz grossen Superstars im Angebot, schiessen die Preise in den Himmel. Zuletzt war dies bei einem Werk von Raffael der Fall. Die Kohlezeichnung «Kopf eines jungen Apostels» von 1519/20 diente dem Altmeister lediglich als Detailstudie. Im Dezember 2012 erzielte sie bei Sotheby’s in London 29,7 Millionen Pfund (rund 44 Millionen Franken), bei ­einer Taxe von 10 bis 15 Millionen Pfund. Als einziges Altmeisterwerk schaffte es dieses Los in die Top Ten der internatio­nalen Auktionen 2012, die ansonsten von moderner und zeitgenössischer Kunst dominiert wurden.

Käufer war vermutlich der Milliardär und New Yorker Geschäftsmann Leon Black, der sich schon 2009 Raffaels Studie «Kopf einer Muse» gesichert hatte. Im Mai 2012 hatte er zudem Edvard Munchs Pastellzeichnung «Der Schrei» für knapp 120 Millionen Dollar erworben. Black gehört wie Paul Allen oder Donald L. Bryant zu den sogenannten Crossover-Sammlern, die neben zeitgenössischer Kunst auch bedeutende Altmeistergemälde kaufen. Diese Sammlerschicht, die nicht nur über das nötige Kapital verfügt, sondern auch von der amerikanischen Bildungstradi­tion geprägt ist, hält hochkarätige Altmeistermessen wie die Tefaf Maastricht am ­Leben.

Die Alten Meister bilden mit der New Yorker Old Masters Week traditionsgemäss den Auftakt im neuen Kunstjahr. Von 26. Januar bis 2. Februar findet auf der Upper East Side die Messe Master Drawings New York statt. Die grossen Auktionshäuser veranstalten in dieser Zeit eine Reihe von Ausstellungen, besonderen Veranstaltungen und Auktionen.

Christie’s führt am 30. Januar eine spezielle Renaissance-Auktion mit Werken berühmter Künstler florentinischer und venezianischer Schule durch. Den Katalogtitel ziert das Rundbild «Madonna mit Kind» von Fra Bartolomeo. Das Werk aus dem späten 15. Jahrhundert, das sich noch in seinem Originalrahmen befindet, ist auf 10 bis 15 Millionen Dollar geschätzt. Ein weiteres Highlight ist eine Madonnendarstellung des Florentiner Malers Sandro Botticelli. Als privates Andachtsbild geschaffen, zeigt das Bild die Jungfrau mit Kind und dem jungen Johannes dem Täufer – ein beliebtes Thema in der Stadt Florenz, deren Schutzpatron Johannes war. Das auf 5 bis 7 Millionen Dollar geschätzte Gemälde ist charakteristisch für den reifen Stil Botticellis und verfügt über eine hochkarätige Provenienz: John D. Rockefeller erwarb es in den frühen 1930er-Jahren von Lord Duveen. Es befand sich rund 50 Jahre in der Rockefeller-Familie und ist noch heute als «Rockefeller Madonna» bekannt.

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Auch Sotheby’s hält eine breite Palette von Arbeiten aus dem 14. bis 19. Jahrhundert bereit, darunter Werke von Goya, El Greco, Rubens, Turner, Tiepolo, Memling und Guardi. Von dem bekannten Porträtmaler Pompeo Batoni stammt «Susanna und die beiden Alten», ein Ölgemälde mit ebenfalls hervorragender Provenienz. Die Arbeit, die sich bis 1992 in Familienbesitz der Grafen Harrach in Wien befand, ist nun mit einer Taxe von 6 bis 9 Millionen Dollar versehen. Ein weiterer Höhepunkt bei Sotheby’s ist eines der letzten Porträts von Goya, das er 1827 von seinem Enkel Mariano schuf und für das nun 6 bis 8 Millionen Dollar erwartet werden.Katrin Bachofen

Messe «Master Drawings New York», 26.1.–2.2.2013;Auktion Old Masters, Christie’s, New York, 30./31.1.2013;Auktion Old Masters, Sotheby’s, New York, 30.1.–1.2.2013.