Der Mann hat Hummeln im Hintern. Macht einen Deal mit der BZ-Gruppe des strauchelnden Financiers Martin Ebner. Kauft dessen vier Beteiligungsgesellschaften, die «Visionen», und katapultiert die traditionelle Schweizer Staatsbank damit in die Schlagzeilen der internationalen Presse. Hans F. Vögeli (54). Der «Visionen»-Käufer. Der Vielgescholtene. Es sei eine Rettungsaktion für einen alten Freund, wurde er beschimpft. Vögeli gibt sich ungerührt: Es passe zur Strategie der Zürcher Kantonalbank (ZKB), das Anlagegeschäft zu verstärken. Faule Ebner-Kredite oder schlecht bewertete Aktien – fraglich, was besser ist.

Der promovierte Jurist ist ein alter Hase im Bankgeschäft. Einem Jahrzehnt bei der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA), ab 1979 als Direktionsmitglied, folgten zwölf Jahre bei der Bank Vontobel, zunächst als Mitglied der Geschäftsleitung, später als Chef der Vontobel EC Consulting. Nach einem Abstecher in die Welt des Autohandels und der Industrieproduktion bei der Erb-Gruppe wurde Vögeli 1998 Logistikchef der ZKB und am 1. Januar 2002 ihr Chef.

Mehr noch als das prägte ihn aber vielleicht das Militär. Der Oberst im Generalstab hat das militärische Denken aufgesogen wie ein Schwamm. Er sagt 0630 statt halb sieben; viele – auch er selbst – nennen ihn zackig, hart und offen. So was gefällt nicht jedem. Es könne sein, dass er ein Mensch sei, der polarisiere, sagt Vögeli. Als «Mann mit Ecken und Kanten» beschreibt er sich selbst. Auf keinen Fall ist er jedermanns Kumpel. Als wahre Freunde bezeichnet er nur seine Brüder. «Martin Ebner ist ein Berufskollege», sagt er. Kein Freund.

Die Banker
Noch bevor Vögeli Anfang des Jahres zum Chef der ZKB aufstieg, hatte er schon für Unruhe gesorgt: Vizepräsident Martin Zollinger (FDP) habe ihn auf den Chefsessel gehievt, sein Freund aus alten SKA-Tagen, als dort beide in der Direktion sassen. Andere sagen, der Präsident, Hermann Weigold (SVP), sei es gewesen, die «Winterthurer Mafia». Gottfried Weber, heute Leiter des Privatkundengeschäfts bei Swiss Life, damals in gleicher Position bei der ZKB, hätte an die Spitze der drittgrössten Schweizer Bank gehört, fanden viele. Nicht der Newcomer Vögeli, erst seit drei Jahren bei dem Geldinstitut, bei dem als echter ZKBler erst gilt, wer dort 25 Jahre gearbeitet hat. Weber kündigte ein halbes Jahr vor der Wahl des Nachfolgers von CEO Paul Hasenfratz. Er hatte sich mit dem Präsidium nicht mehr vertragen. Es roch nach Intrige. Kaum einen Monat nach seinem Amtsantritt wirbelt Vögeli erneut Staub auf: Er denkt laut über eine Verschmelzung von Privatkundengeschäft und dem Private Banking für Reiche nach, was dem Chef des Privatkundengeschäfts, Hans Fischer, nicht schmeckt. Wenig später macht Vögeli von sich reden, als er fordert, das dreiköpfige Bankpräsidium dürfe nicht nach rein politischen Überlegungen zusammengestellt werden.

Die Wegbereiter
Vor zwanzig Jahren fällt dem Erben einer der bekanntesten Schweizer Privatbanken beim Militärdienst ein junger Hauptmann auf. Vögeli ist Spezialist für Erbschafts- und Steuersachen; Hans-Dieter Vontobel kann ihn gut gebrauchen: Bei der Bank Vontobel stehen der Generationswechsel und der Börsengang bevor. Der Alte, Hans Vontobel, sollte für Hans F. Vögeli zum Inbegriff des Bankiers werden. In der Geschäftsleitung stösst Vögeli auf Oskar Holenweger, späterer Gründer der Tempus Privatbank, und Martin Ebner. Ein «gutes, ehrgeiziges Team», sagt Vögeli; aber Freunde wurden sie nicht. Dafür hatten alle drei zu sehr die eigene Karriere im Kopf. Vögelis einziger guter Bekannter aus dieser Zeit ist Walter Temperli, heute Leiter des Private Banking. Nach 22 Jahren im Bankgeschäft wechselt Vögeli zur Winterthurer Erb-Gruppe. Ein verschworener Clan, diese Erbs, keine Leute, mit denen man leicht gut Freund wird. Die Geschäftsleitung: Vater Hugo Erb, die Söhne Rolf und Christian Erb sowie Vögeli. Gegenüber solchen Familienbanden hat man es schwer. Nach fünf Jahren verlässt Vögeli die Firma. Er könne nicht mehr genug bewegen dort, findet er.

Die Kameraden
Vögelis engste Vertrauensperson in der Schweizer Armee ist kein Geringerer als Generalstabschef Hans-Ulrich Scherrer, dessen Armeestabsteil der Oberst im Generalstab leitet. Stärker geprägt hat ihn der damalige Ausbildungschef, Korpskommandant Rolf Binder. Der bildete Vögeli schon als Offiziersschüler aus und begleitete seinen Werdegang über mehrere Jahre. Vorbild sind ihm die beiden Offiziere aber nicht. Vorbilder gibt es nicht in Vögelis Welt. Respekt vor der Leistung anderer, das ja. Ein weiterer Weggefährte während der Armeejahre: Jürg Guggisberg, Anwalt bei der Kanzlei Henrici, Wicki & Guggisberg und auch Vögelis Rechtsberater. Flüchtig begegnet seien Vögeli im Militär «Dutzende» – aber niemand, mit dem er in engerem Kontakt steht. Einer von ihnen: Deutsche-Bank-Chef Joe Ackermann, der Vögelis Weg ein zweites Mal kreuzen sollte. Mit 31 Jahren wurden 1979 beide gleichzeitig zu den jüngsten Vizedirektoren der SKA ernannt.

Die Sportsfreunde
Am liebsten rennt Hans F. Vögeli querfeldein, mit Karte und Kompass in der Hand. Der Orientierungsläufer ist meist allein unterwegs. Früher begleitete ihn manchmal Conrad Meyer, BWL-Professor und jetziger Verwaltungsratspräsident der Neuen Zürcher Zeitung, heute sind es der Zürcher BWL-Professor Hans Geiger oder Jürg Waeffler, Chef der Pistor-Gruppe. Vögelis engste Freunde sind seine Brüder. Seit die «legendären Vögeli-Brüder» das Schaffhauser Füsilierbataillon 61 acht Jahre lang kommandierten, hiess es überall nur noch «Vögeli-Bataillon». Martin Vögeli, Chef des Kantonalen Amtes für Militär und Zivilschutz, trat vor drei Jahren als parteiloser Kandidat bei den Regierungsratswahlen in Schaffhausen an, Bruder Fridolin ist diplomierter Elektroingenieur.
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